Wenn eine gewisse Art von Seufzen ein Ausdruck inneren Glücks ist

Falls es Euch interessiert, hier ein paar meiner Eindrücke des Europäischen Treffens von Taizé in Brüssel.

-          Die roten Wangen der polnischen Nonne, als sie lachend den ihr anvertrauten Jugendlichen zur Metro hinterher stolpert.

-          Mirza, ein junger Mann aus Bosnien: 29 Jahre alt, praktizierender Moslem mit katholischer Freundin. Lebt in einem Land, in dem es jeweils einen Ministerpräsidenten für Moslems, Christen und Orthodoxe gibt, aufgewachsen mit Krieg und dem Bewusstsein, dass Gleichaltrige zu Hass Fremden gegenüber erzogen werden.

-       Unsere Gastfamilie, herzensgute Menschen, die alles für uns tun wollten, bzw. getan haben. Georges hat uns jeden Tag zum Heysel, dem Messegelände, hingefahren und wieder abgeholt und an Silvester auch in die Stadt. In manchen Momenten kann man solch einen Luxus genießen, irgendwann wird es dann aber doch zu viel; besonders wenn man nicht mehr entscheiden kann, was man wann lesen, reden, essen, trinken, hören und denken möchte.

-       Sonnenschein, blauer Himmel, Minusgrade, Schal, Mütze, Kapuze, zwei Paar Socken, Handschuhe, zugefrorener Springbrunnen mit schliddernden Jugendlichen.

-       Das Atomium – am Tag, bei Nacht, mit Glitzer, einfach nur so beleuchtet, angestrahlt, niemals dunkel und das, was auf einmal da war, als wir mit der Metro ankamen. Und das nächste Mal gehen wir dann auch rein und gucken alles an.

-       Kein Fotoapparat dabei, keinen MP3-Player, keine CDs und in dem Notizbuch, das ich mit hatte, steht bis heute nur die Adresse der Gastfamilie. Keine Emails, keine Telefonate und eigentlich hab ich nichts verpasst, schien mir. Obwohl ich doch einiges einigen Leuten hätte mitteilen wollen.

-       Wenn eine gewisse Art von Seufzen ein Ausdruck inneren Glücks ist … ca. fünfzehn Seufzer, meistens im Gebet.

-       Unglaublich müde im Schlafsack liegend und einander erzählen, bis sogar die Gastfamilie schon schläft. So schön. Und schön zu merken, dass es Menschen gibt, deren Grundverständnis von der Welt dem eigenen sehr ähnlich ist.

-       Ein Stück von Taizé auf einmal ganz nah. Die Lieder, das Licht, auf dem Boden beten, Stille. Zu sehen, wie die Brüder, die ich seit fast 15 Jahren kenne, älter werden. Leute kennen lernen, die sich trotz Armut für andere einsetzen und damit eine große Freude verbreiten – besonders die Jugendlichen von den Philippinen.

-       Zwischen den Sprachen hin- und herspringen: Flämisch, Französisch, Niederländisch, Deutsch, Englisch und wenn nichts mehr ging, Hände und manchmal Füße. Damit hängt der Plan zusammen, weiter Niederländisch zu lernen: u.a. mit „Nachttrein naar Lissabon” von Pascal Mercier.

-       Tausende Jugendliche in einer Halle und es war ganz leise.

-       Kardinal Daneels, mit einer wunderbaren Stimme und die belgische Königin Fabiola, Hand in Hand mit Bruder Alois und zum Gruß der Jugendlichen den Krückstock in der Luft schwingend.

-       Mal zu überlegen, wer und was wichtig ist und wie man sich den Mitmenschen gegenüber verhält oder besser verhalten möchte oder könnte.

-       Passagen aus dem Brief aus Kenia: Aus welcher Quelle leben wir? – Wir werden fähig, in die Gegebenheiten unseres Lebens einzuwilligen: es als Gabe empfangen und es unsererseits hingeben für die Menschen, die uns anvertraut sind. – Wagen wir es, sogar mit dem etwas zu schaffen, was nicht vollkommen ist! Und wir finden zur Freiheit. – Gott ist in uns, aber es ist uns auch voraus. Er nimmt uns so, wie wir sind, er holt uns aber auch aus uns heraus. Manchmal kommt er und stört unser Leben, durchkreuzt unsere Pläne und Vorhaben. – Was wird von mir gerade verlangt, in welcher Weise soll ich über mich hinauswachsen? Es geht nicht unbedingt darum, „mehr zu tun”. Wir sind vielmehr dazu berufen, mehr zu lieben. Und da Liebeserweise unser ganzes Wesen benötigen, ist es an uns, Wege zu suchen, wie wir uns um unseren Nächsten kümmern können, ohne eine Minute länger zu warten. – Gehört es nicht zu den dringlichsten Erfordernissen beim Aufbau einer geeinten Menschheitsfamilie, die Welt „von unten” zu betrachten? Diese Sicht schließt eine ganz einfache Lebensweise ein. – Es gibt Armut und Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreien, aber auch weniger sichtbare Armut. Dazu gehört die Einsamkeit. – Frei gewählte Einfachheit ermöglicht es den gut Gestellten, dem Wettlauf nach dem Überflüssigen zu widerstehen, und trägt zum Kampf gegen die Armut bei, die den am schlechtesten Gestellten auferlegt ist. – Alle können zu einer Kultur beitragen, die nicht von Misstrauen, sondern von Vertrauen geprägt ist. In der Geschichte genügten manchmal einige wenige Menschen, damit dich die Waage zum Frieden hinneigte.

-       Endlich mal ruhig werden, auch wenn so viele Menschen da sind.

-       Konnte wieder gut überdenken, wie ich arbeiten will und was Inhalte meiner Arbeit sein sollen.

-       Der Plan, Ende Januar 2010 für ca. 2 Wochen zum Treffen nach Manila zu fliegen. Wer kommt mit? Jetzt entscheiden und anfangen zu sparen!   = )

-       Das schönste Silvestertreffen, bei dem ich war.

Tine aus Berlin

und Dorothea:

Brüssel war einfach genial! Es war auch das erste Mal, dass ich nicht die einzige Hainhoferin bei einem Silvestertreffen war! Es sind noch zwei meiner ehemaligen Jugendgruppengrüpplinge mitgekommen, die auch total begeistert waren. Unser Pfarrer hat uns gleich eingeladen, um ihm von Brüssel zu erzählen und er hat uns auch mit wahnsinniger Begeisterung von den allerersten Taizé-Jahrestreffen erzählt, bei denen er damals war. Am Sonntag macht er dann statt einer Predigt ein Gespräch mit uns über Brüssel. Auf der Rückfahrt von Brüssel haben wir beschlossen, im Februar ein kleines Nachtreffen zu machen. Wir sind zwar keine große Gruppe, aber immerhin drei Hainhoferinnen, eine Nachbardörflerin, einer aus der Nähe von Ulm und ein echter Franzose aus Frankreich. Ja also jedenfalls wollen wir im Rahmen unseres Brüssel-Nachtreffens auch ein kleines Taizé-Gebet machen am Freitag, 20. Februar um 19 Uhr in der Kirche St. Stephan in Hainhofen (Neusäß). Falls wirklich jemand komme sollte, ist er natürlich anschließend auch noch herzlich zum Ravioliessen (nicht aus der Dose!) und Fotos gucken eingeladen Smile Außerdem haben wir unsern Pfarrer gestern so sehr mit Taizé-Begeisterung angesteckt, dass er auf der Stelle mit uns ausmachen wollte, wann wir wieder mit ihm nach Taizé fahren. Ganz fest ist es noch nicht, aber wahrscheinlich werden wir in der ersten Augustwoche kommen!


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