Taizé – Begeisternde Begegnungen, Stille, und einfaches Leben
17 Jugendliche und Erwachsene aus unserer Gemeinde Schwarzenbek machten sich vom 19. bis 27. Juli auf den Weg nach Taizé in Burgund. Dort leben ca. 100 Brüder, die jede Woche Jugendliche einladen, am Leben der ökumenischen Gemeinschaft teilzunehmen – inklusive drei mal täglich beten in der Kirche. Zu diesen Treffen kommen v.a. während der Sommermonate Tausende von Jugendlichen aus aller Welt. Soweit die nüchternen Rahmenbedingungen…
Seit unserer Rückkehr bin ich oft gefragt worden „Wie war’s denn in Taizé?“. Meine Standardantwort ist meistens „wirklich toll, aber ich kann es eigentlich nicht beschreiben, das kann man nur selbst erleben“. Das ging schon mit der Ankunft los. Nach 12 Stunden Reise kommen wir kurz vor acht am Abend dort an, werden von einer „Organisatorin“ am Bus empfangen. Wir sollen uns beeilen, Rucksäcke erst einmal ins Gepäckdepot, dann noch ein paar kalte Nudeln mit Raspelkäse, die man für die Spätankömmlinge aufgehoben hat. Wir sollen uns wirklich beeilen, dann könnten wir es noch zum Abendgebet schaffen. Das tun wir. Wir drücken uns in der Kirche, die eher Ausmaße einer Messehalle hat, ganz hinten zwischen die Menschen die da am Boden sitzen oder knien. Weit vorne zwischen den Jugendlichen sehe ich lange Reihen von Brüdern in ihren schlichten weißen Gewändern, dazu gedämpftes, warmes Licht. Und dann überfällt mich das erste Halleluja – mein Gott welche Tiefe, welch ein Jubel. Dann Schriftworte, in verschiedensten Sprachen, Gesänge, mal einstimmig, meist vielstimmig, eigentlich kein Gesang, eher sondern raumfüllendes Gebet. Anschließend S t i l l e, der zentrale Teil aller Gebete in Taizé. Aber „Stille“ ist eigentlich das falsche Wort, denn es hört sich zu sehr nach „Funkstille“ an. Dabei ist genau das Gegenteil passiert. Im Laufe der Woche sind diese Minuten bei mir immer mehr zu einer Zeit der inneren Bewegung geworden. Ob das dann Gotteserfahrung ist? Oder nur ein nettes emotionales Gefühl? Zum Glück gibt es die Brüder, die sich nach den Gebeten für Gespräche zur Verfügung stellen, zum Glück gibt es die Bibellesungen und die unzähligen Gesprächsgruppen und Workshops während der Woche, um dieser Frage nachzugehen. Und zum Glück gibt es so viele andere die in Taizé sind – offensichtlich sind wir mit dieser Frage nicht alleine. Aber es dreht sich nicht nur um diese Frage, sondern um all die anderen Fragen unseres Lebens die wir mitbringen.
Das technische „Drum herum“ kann schon leichter beschrieben werden. Wir haben in einfachen „Baracken“ gelebt; Sechs- und Achtbettzimmer, die so sauber waren wie der Putzdienst unserer Vorgänger sie für uns hergerichtet hatte – ich finde es war o.k. Sanitäre Anlagen entsprechen mittlerem Campingplatzstandard, nur auch hier der Unterschied: wir mussten sie selber putzen. Denn Jede und Jeder in Taizé wird zu praktischen Arbeiten eingeteilt. Das ist kommunikativ, man lernt andere kennen und verliert dadurch garantiert nicht die Bodenhaftung. Das Essen ist sicher ein Erlebnis. Vollwertig, meist unter freiem Himmel, halbwegs abwechslungsreich und von den Teilnehmern ausgeteilt. Es ist ein kleines Wunder, wie innerhalb einer viertel Stunde 3000 – 4000 Menschen ihr Essen auf dem Tablett haben, inklusive einem Lächeln und einem „enjoy your meal“ der Essensverteiler.
Ein weiterer Höhepunkt der Fahrt war das Gespräch mit Bruder Andreas im Garten der Communauté. Hier hat sich ein Mensch in seltener Offenheit den Fragen nach Liebe, Partnerschaft und Leben in christlicher Gemeinschaft gestellt. Ist denn Gottesliebe und die Liebe zwischen Menschen das Gleiche, kann eines ohne das andere sein? Was ist das Glück nach dem wir alle suchen? Sicher kann man/frau diese Fragen nicht nur in Taizé erörtern. Aber der Hügel in Burgund und die begeisternde Gemeinschaft so vieler Jugendlicher sind sich sicher eine prima Gelegenheit dazu. So entsteht Gemeinschaft die (hoffentlich) weiter trägt als diese Woche.
Ich bin mir sicher, dass die Kontakte weiter tragen als diese eine Woche, denn als wir dann fast alle wieder im Bus sitzen und sich das Abreisechaos irgendwie wieder von selbst zu organisieren scheint, kommen drei aufgelöste Mädels auf mich zugestürmt, vergewissern sich, dass hinten auf meinem orangen T-shirt „Schwarzenbek“ steht und drücken mir mit Tränen in den Augen ihre Adresszettel in die Hand – die muss ich unbedingt noch Bernd*, Michael* und Tine* geben, die sie leider nicht mehr finden konnten. Das tue ich dann natürlich, sobald ich mich vergewissert habe, dass alle 17 Schwarzenbeker im Bus sitzen. Und dann sinke ich in meinen Drei-Sterne-Reisebus-Schlafsessel und merke, dass ich solch einen Luxus seit einer Woche nicht mehr hatte. Darüber wundere ich mich und dann kommen auch mir fast die Tränen. Wie gesagt: Taizé kann man nicht beschreiben, man muss es selbst erleben…
Richard Fischer
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* Namen von der Redaktion geändert ![]()
