Gemeinschaft – Selbstfindung – Religiöse Erfahrung – Motivation zum Engagement daheim

Unter diesen Vorzeichen machten sich am Sonntag, den 30. März 2008, 30 Schüler, fünf Betreuerinnen und Betreuer auf den Weg in das kleine Dorf Taizé im französischen Burgund, um dort mit der ökumenischen Gemeinschaft von Brüdern für eine Woche zu leben.Schülerinnen berichten von unserer Woche auf dem Hügel:

Endlich! Nach 10-stündiger Busfahrt erreichen wir das verschlafene Dörfchen Taizé. Das Wetter scheint uns nicht willkommen heißen zu wollen, denn ein Sturm weht uns um die Ohren und der Regen peitscht uns ins Gesicht.

Nachdem wir begrüßt wurden und unsere Arbeit für die nächste Woche zugeteilt bekamen, stellten wir uns mit einem Bärenhunger an der langen Essensschlange an, doch die Enttäuschung war groß. Ein undefinierbares Etwas, auch Linseneintopf genannt, war nicht jedermanns Geschmack. So hatten vor allem die Taizé-Neulinge sich das wohl nicht vorgestellt. Doch am Ende der Woche war dann alles ganz anders – niemand wollte so recht nach Hause.
Die Gefühle, die im Laufe einer Woche in Taizé entstehen, kann man nur schlecht in Worte fassen.
„Harte“, ungewohnte Arbeiten, wie z. B. Kloputzen, Mülleimer leeren usw., drei Mal täglich in der Kirche zu sein (mit 10-minütiger Stille) und Bibelkreise mit Gesprächen über religiöse Themen, können einen schon zum Nachdenken bewegen. Eine Schülerin verglich Taizé mit einer Tankstelle an einer viel befahrenen Autobahn, an der man Kraft tanken und wieder ausgeruht den Weg des Lebens antreten kann.
Doch Taizé bedeutet nicht nur Beten und Schweigen. Geprägt wird diese Woche auch von der Begegnung mit Jugendlichen aus vielerlei Nationen. So konnte man nach dem Abendgebet am Oyak, einer Art Kiosk, der abends als Treffpunkt der Taizépilger fungiert, viele Jugendliche beisammen sitzen und feiern sehn. Es entwickelten sich viele Freundschaften, was den Abschied noch schwerer machte.
Weitere wichtige Punkte im Tagesablauf sind die so genannten Bibeleinführungen: Ein Bruder der Gemeinschaft in Taizé spricht über ein biblisches Thema; anschließend trifft man sich in einer Gruppe von ca. 9 – 10 Jugendlichen und spricht über dieses Thema. Daneben fanden bei den jüngeren Teilnehmern kreative Workshops zu verschiedenen Themen statt. Die Ergebnisse dieser Workshops wurden in Sketchen präsentiert. Außerdem beschäftigten wir uns mit dem Brief von Cochabamba zum Thema “Versöhnung” und mit der Frage ob Taizé nur Privatsache ist. Ein weiterer Workshop thematisierte die Frage „Quer durch die Schichten der Gesellschaft leben. Warum und wie?“. Es hatten alle viel Spaß und im Laufe der Woche spürten wir ein großes Gemeinschaftsgefühl.
Letztendlich waren alle sehr traurig als es hieß: „ 23:00 Uhr Abfahrt am Oyak“. Es flossen viele Tränen und keiner konnte sich vorstellen, nach dieser unvergesslichen und spirituellen Woche in den normalen Alltag zurück zu kehren.
Niemand könnte sagen, wir hätten in Taizé nichts gelernt. Nicht nur, dass man dort fürs Leben lernt, nein man verbessert seine Fremdsprachenkenntnisse, sein mathematisches Können, wenn man berechnet wie lange das Essen reicht bis man wieder Hunger hat, von Religion ganz zu schweigen… und die Chemie stimmte auch!

Annette S., Julia H., Bettina R., 11.Klasse

Workshop in den Gesprächsgruppen der 15/16-Jährigen

Ein zentrales Thema in dieser Woche war der Brief aus Cochabamba. Dieser entstand beim südamerikanischen Jugendtreffen in der bolivianischen Stadt Cochabamba vom 10. bis 14. Oktober 2007. 7000 Teilnehmer aus verschiedenen Gegenden Boliviens, aus allen südamerikanischen und einigen europäischen Ländern kamen bei diesem Treffen zusammen.
• Zentrale Frage: Welche Wege der Hoffnung können wir heute bahnen?
• Menschen empfinden in ihren Herzen ein Feuer der Versöhnung, das von Gott ausgeht
• Wenn wir diese Liebe spüren, können wir auf den anderen zugehen, ohne von vorneherein auf Gegenseitigkeit zählen zu können.
• Diese Versöhnung kann unsere Gesellschaften tief greifend verändern.
• Finden wir Wege, in konfliktreichen Situationen dem anderen zuzuhören?
• Finden wir Wege, die Güter angemessener zu verteilen?
• Wir wollen mit einem versöhnten Herzen kämpfen und unsere Freundschaft auf alle Menschen ausdehnen.

In den Workshops der 15/16-Jährigen machten sich die Jugendlichen Gedanken, wie man diese Themen in Taizé und bei uns zu Hause umsetzen könnte und gestalteten dazu kleine Szenen, die am letzten Tag vorgetragen wurden.

Ein Schüler berichtet:
In den nachmittäglichen Treffen wurde in dieser Woche täglich zwischen Gesprächsgruppen und Arbeitsdiensten gewechselt. Unsere 3 Arbeitsdienste beinhalteten zweimaliges Putzen der Toiletten, sowie das Leeren der Mülleimer auf dem Gelände. In den Gesprächsgruppen beschäftigten wir uns mit dem so genannten „Brief aus Chochabamba“. Am Ende des Briefes werden vier Themen zur Auswahl gestellt. Die Aufgabe für jede Gruppe bestand nun darin, sich jeweils für ein Thema zu entscheiden und auf dieser Grundlage eine Präsentation vorzubereiten, die am letzten Tag vorgetragen wurde. Wir entschieden uns für das Thema „Konflikte im Alltag lösen“ .Zusammen mit den Schweizer Jugendlichen unserer Gruppe studieren wir in einem Schauspiel einen Streit über die Nachtruhe an den Baracken in Taizé ein und trugen diese Präsentation am Samstag den anderen Gruppen vor.
(Sebastian P.,10.Klasse )

Eine andere Gruppe stellte einen Konflikt zwischen Jugendlichen und alten Leuten im Bus vor und versuchte mit Hilfe eines Raps eine Lösungsmöglichkeit aufzuzeigen. Eine Situation direkt aus dem Schulalltag griffen Teilnehmer auf, indem Sie in Ihrem Stück über die Situation eines Außenseiters nachdachten. Weitere Themen in den Sketchen waren die gerechte Verteilung der Güter am Beispiel „Trinkwasser“ und der faire Handel.

Workshop „Quer durch die Schichten der Gesellschaft leben. Warum und wie?“

Jugendliche aus Deutschland berichteten einander, wie sie zu Hause versuchen, Trennungen unter den gesellschaftlichen Schichten zu überwinden. So erzählten zwei Zivildienstleistende von ihrer Arbeit mit obdachlosen Menschen und dem Engagement für alte Menschen. Ein Jugendlicher aus unserer Gruppe gab Einblick in die kirchliche Jugendarbeit seiner Pfarrei, die er als Ort definierte, an dem Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten Lebensraum finden, ohne besondere Fähigkeiten und Kenntnisse vorweisen zu müssen, wie es in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft der Fall ist. Im gemeinsamen Gespräch mit Frère Wolfgang suchten die Jugendlichen nach Wegen, unsere Gesellschaft lebenswert zu machen.

Workshop „Taizé – nur Privatsache?“

Am letzten Tag vor unserer Abfahrt trafen wir uns mit der Gruppe des Gymnasiums Markt Indersdorf und überlegten gemeinsam mit Frére Wolfgang, wie diese Woche in Taizé in den Schulalltag hineinwirken könnte.
Die Schüler berichteten, dass sie in besonderer Weise fasziniert waren von der starken Gemeinschaft, die sie mit den anderen Menschen, die diese Woche in Taizé waren, spürten. Selbst einfache Arbeiten, wie Cloputzen, Abspülen oder Mithilfe in der Küche wurden von niemandem als Belastung empfunden. Jeder machte seine Arbeit gerne weil er unmittelbar spürte, dass sie notwendig war um die Gemeinschaft überhaupt möglich zu machen. Die Schüler waren sich einig, dass sie dieses Bewusstsein für die Verantwortung, die jeder in dieser Woche übernommen hatte, gerne ein Stück weit in die Schule hineintragen würden um so vielleicht dazu beizutragen, dass die Schule für alle Schüler zu „ihrer“ Schule wird.
In Taizé erlebten wir ein gelingendes Miteinander vieler Menschen. Streit und Konflikte gab es auch hier, weil Menschen unterschiedlichster Herkunft in dieser Woche relativ eng zusammenlebten. Aber wir spürten, dass sich Menschen in Respekt und gegenseitiger Toleranz begegneten. Dieses Klima wollten wir auch versuchen, in unsere Klassen und unsere Schule mitzunehmen.
Wichtig war den Schülern auch, dass in der Schule in der Regel die Lehrer bzw. der Lehrplan vorgeben, was die Schüler lernen. In Taizé hingegen überlegt jeder selbst, was für sein Leben wichtig ist.

Andreas S.