Man muss das Unvorstellbare wagen!!

Matthias, ein Theologie-Student, schrieb nach der Rückkehr von zu Hause: “Es hat mir sehr gut getan und ich konnte in Taize neu zur Ruhe in Gott finden. Im letzten Semester hatte ich mich förmlich von meinen Verpflichtungen als Student auffressen lassen. So habe ich spüren müssen, wie mich auf diese Art selbst das Glaubenstudium und die Sache mit Gott von Gott weggebracht hatte. Ich hatte meinen inneren Halt mehr und mehr aufgegeben, weil ich mir selbst nur wenig persönliche Zeit mit Gott einräumte und haltlos geworden zwar die Haltung zu bewahren suchte, jedoch nur noch äußerlich funktionierte.
Weil ich selbst nicht mehr in mich kehrte und mich von Gott erreichen lies, verkehrte sich meine Sehnsucht nach Gott, aus der resultierenden inneren Leere heraus, in die Frustration des Unerreichbaren. Obwohl sich mir Bibeltexte aufschlossen und ich die Wahrheit der Botschaft erkannte, drückte mich so selbst die wunderbarste Botschaft, weil sie mich persönlich nicht mehr erreichte. In der Unruhe dieser inneren Leere und Zerrissenheit der Botschaft gegenüber kam ich nach Taize und konnte in einzelnen Gebeten mich neu auf Gott besinnen und mein innerstes von seiner Ruhe erfüllen lassen.
Ein ehemaliger Studienkollege und Freund hielt das protestantische Abendmahl am Samstag. Ich durfte beim Austeilen helfen, was mir zu einem weiteren wichtigen Höhepunkt wurde. Als ich den Menschen den Wein reichte spürte ich neu die Liebe Gottes zu jedem einzelnen Gast und ich begriff ganz neu wie wichtig es ist, dass ich selbst an der Liebe Gottes teilhabe, um im Austeilen dieser Liebe den Reichtum Gottes erst wahrnehmen zu können.
So will ich auch für die Communauté beten, dass die Brüder Zeit für sich finden in aller Verantwortung den Jugendlichen, ihrer Gemeinschaft und Gott gegenüber. Dass sie verantwortlich den Grund ihrer Berufung – die eigene Ergriffenheit von Gott, den festen Halt der liebevollen Hand Gottes – täglich neu aufsuchen, entdecken und sich auf diese Weise Ihrer Berufung gemäß ausrichten.
Mit Phil. 3,12-14 grüße ich sie und wünsche ihnen von Herzen Gottes Segen für Ihren Dienst aus Gottes Liebe heraus: “Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.”
Und Andy, Lehramt-Student: “Ich habe eine unvergessliche Woche in Taize verbringen dürfen. Danke für den gelebten Frieden, das Vertrauen, und die spürbare Versöhnung an diesem einmaligen Ort. Taize hat mir meine Augen vollkommen neu geöffnet: Ich habe über die Gesänge, die Stille und die Gebete einen so intensiven Zugang zum tragenden Grund unseres Lebens erhalten, wie nie zuvor. Taize ist für mich ein inneres Abenteuer, das uns wieder sehend macht für die wirklich wichtigen Dinge unseres Lebens: die Liebe Gottes, die uns jederzeit umgibt. Durch die schlichte Einfachheit und den inneren Frieden lernen wir einerseits wieder scheinbar “vergessene” Geschenke Gottes schätzen (Ich darf gehen, aufstehen, waschen,essen, studieren, reden, leben, lieben, Liebe spüren..) und andererseits werden wir wieder fähig, Verantwortung für den Nächsten zu übernehmen und den Pilgerweg des Vertrauens in der Welt zu gehen. Gemeinsamkeiten in den Konfessionen werden sichtbar und ehrlich betont, wodurch der Weg zur nachhaltigen Ökumene und gleichzeitig zu mehr Frieden auf unserem Planeten geebnet wird.
Diese unbeschreiblichen Eindrücke, die für mich, als 21-jährigen Studenten (3. Semester an Uni Rostock: Lehramt an Gymnasien Evangelische Religion/ Geschichte) aus dem Osten Deutschlands, wie von einer anderen Welt sein könnten, haben mich heute dazu veranlasst, nach dem Grundstudium länger nach Taizé zu kommen Der Hauptgrund für diese Mail und meinen Wunsch liegt in einer Erfahrung in der letzten Woche, die ich wohl nie vergessen werde: Meine Unterkunft (Haus 204) war “bunt” gemischt. Franzosen, Belgier, Kongolesen, Polen… und Deutsche schlafen auf weniger als 12 m2. Junge, tolerante Menschen aus aller Welt leben friedlich zusammen, während ihre Großväter bzw. Urgroßväter sich in den Schlachtfeldern der Welt feindlich und blutig gegenüber standen. Ein Gedanke, der vor mehr als 60 Jahren wohl unvorstellbar gewesen wäre. Man muss das Unvorstellbare wagen. Danke für die gelebten Zeichen der Liebe und die aufrichtige Ehrlichkeit.”


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