Wieder zu Hause, und jetzt?

So schön eine Woche in Taizé sein mag, irgendwann muss man auch wieder nach Hause fahren. Nach den wunderbaren Tagen im Burgund und dem oft schmerzhaften Abschied von vielen lieben Menschen stellt sich im Bus zurück schnell die Frage, wie es denn nun eigentlich weitergehen soll. Manch einer plant in Gedanken schon den nächsten Aufenthalt. Viele überlegen sich aber auch, was sie aus dieser Woche in ihre Gemeinde mitbringen können und welche neuen Ideen sie umsetzen wollen. 

Auch wir haben uns solche Fragen gestellt. Uns weiterhin eine Zeit der Stille zu nehmen oder in das gemeinsame Gebet mit Gesängen aus Taizé der Nachbargemeinde zu gehen, waren die ersten Pläne, aber das sollte doch nicht alles sein. Wir wollten selbst etwas weitergeben und aktiv werden. Deshalb beschlossen wir, etwas für die nichtexistente Jugendarbeit unserer Gemeinde zu tun, denn wie in vielen anderen Gemeinden auch, gab es dort zwischen Kinderkirche und Flötenkreis kaum Angebote. 

Wir begannen, Berge von Handzetteln zu verteilen, um zu einer riesigen Kennenlern-Party einzuladen. Auf unser Motto „Come in and find out!“ waren wir besonders stolz. Als absoluten Knüller engagierten wir die Pfadi-Band, um besonders viele Leute anzuziehen. Auf unsere Party kamen dann tatsächlich etwa 20 Leute – 16 davon waren Pfadis… Unser deprimiertes Fazit nach diesem Abend: nix war’s Attention

Trotzdem beschlossen wir, mit den vier Leuten, die interessiert zu sein schienen, einen Termin für unser erstes Treffen auszumachen. Und bald schon trafen wir uns regelmäßig, einmal pro Woche, im Gemeindehaus. Nach und nach sprach sich herum, dass unser Jugendtreff wohl gar nicht so übel war, und so schlossen sich uns immer mehr Leute an. Zu Spitzenzeiten waren es 14-16 Jugendliche im Alter von ungefähr 13 Jahren. Der Altersunterschied zu uns beiden 16jährigen war also gar nicht so groß. 

Zwar hatten wir nie einen Gruppenleiterlehrgang gemacht, aber langweilig wurde uns deshalb trotzdem nicht und wir ließen einfach unsere Phantasie walten. Wir spielten Fußball, klebten Collagen, hielten kurze Andachten, kochten Spaghetti, redeten über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes) und diskutierten über aktuelle Themen. Schön war’s auf jeden Fall immer. Für unsere Jugendlichen und für uns Attention Klar gab’s auch manchmal Probleme. Aber eigentlich waren die nie so groß, dass man sie in einem Gespräch nicht hätte klären können. 

Irgendwann wollten wir dann aber doch ein Gebet mit Gesängen aus Taizé organisieren und ehrlich gesagt – ohne die Unterstützung unserer Jugendgruppe hätten wir das manchmal nicht geschafft. Ob es um das Gitarrespielen ging, um die Texte die vorgelesen werden mussten, das Abspülen nach dem Zusammensitzen oder einfach um das Dasein. Wir konnten uns auf sie verlassen und so fiel es uns auch schwer, als wir unseren Jugendtreff vor zwei Jahren aufgeben mussten, da wir beide nach der Schule wegzogen. 

Wir glauben, dass es sehr wichtig ist, die Erfahrungen und Entdeckungen, die man vielleicht in Taizé, aber auch überall sonst gemacht hat, nicht für sich zu behalten, sondern sie an andere weiterzugeben. Dabei kann sich jeder in seinem Umfeld einsetzen und etwas zu einem besseren Zusammenleben beitragen. Es geht darum, sich mit anderen Menschen, die vielleicht nicht glauben können oder sich alleingelassen fühlen, auf den Weg zu machen. Auf den Weg – nicht unbedingt nach Taizé sondern in kleinen Schritten in Richtung einer lebendigen Gemeinschaft.

Julia & Laura


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