Tausende Jugendliche, denen es geht wie mir

Vor ein paar Wochen war ich in Taizé und es war wirklich eine der schönsten Wochen, die ich seit langem erlebt habe. Auf Taizé wurde ich durch eine sehr gute Freundin von mir aufmerksam. Sie fragte mich, ob ich nicht auch Lust hätte, mit ihr nach Taizé zu gehen und nachdem sie mir genauer erklärt hatte, was Taizé genau ist habe ich mich entschlossen mitzufahren. Zugegeben hatte ich aber durchaus Zweifel und war ein bisschen mißtrauisch, was genau Taizé wirklich ist. 

Ich bin 19 Jahre alt und in meinem Freundeskreis wird, sagen wir mal, kaum über Religion geredet. Wenn man auf das Thema Religion zu sprechen kommt, dann fällt mir oft auf, dass man es einfach nur ganz oberflächlich anschneidet. Als vor den Ferien alle von ihren Urlaubsplänen erzählt haben und das Thema auf mich kam, da hab ich gesagt ich gehe nach Taizé. Die meisten kannten das nicht und wenn sie dann nachgefragt haben, was das genau ist habe ich so gut ich konnte versucht es ihnen zu erklären und nicht selten blickte ich dabei in etwas verdutzte Gesichter. Ich muss aber zugeben (und darüber ärgere ich mich), dass ich selber auch manchmal versucht habe die Situation zu überspielen. Wenn also solche Kommentare kamen wie „ach, da redet man also über Religion, da mach ich lieber einen Club-Urlaub“, da hab ich dann manchmal schnell hinzugefügt, dass man abends auch zusammen feiert und dass das ganze nicht so extrem religiös ist. 

Heute ärgere ich mich wirklich über mich selber. Das ist mir nicht bei all meinen Freunden passiert, aber bei manchen. Aber warum hab ich das gesagt? Warum habe ich so getan, als ob mir das Religiöse an Taizé nicht wichtig wäre? Ich hab halt bemerkt, dass Religion ein Thema ist, über das man hier nicht unter Jugendlichen redet, es ist nicht wirklich cool zu glauben, es ist cooler, gar nicht darüber nachzudenken, es könnte ja etwas sein, was man nicht verstehen kann. 

Taizé hat mir deshalb sehr gut getan. Ich weiss jetzt, dass es nicht uncool ist über Glauben zu reden. Ich weiss jetzt, dass es tausende Jugendliche gibt, denen es gleich geht wie mir und die durchaus gerne bereit sind, über Glauben zu reden. Und ich weiss jetzt auch, dass es mir sehr gut getan hat, einfach in der Kirche zu sitzen, zu singen oder nur still zu sein. 

Am Anfang dachte ich immer ich müsste jetzt was beten in der Kirche oder beichten oder irgendwas in der Art, aber schnell habe ich begriffen, dass ich auch einfach nur mal dasitzen kann, nichts denken muss und mich einfach nur wohlfühlen darf. Das tat sehr gut und dafür bin ich dankbar. 

Momentan wäre ich sehr gerne wieder in Taizé. Hier häuft sich wieder alles an und manchmal würde ich am liebsten einfach wegrennen. Ich mache im Mai mein Abitur und danach beginnt für mich ein neues Leben, von dem ich noch nicht weiss, wie es aussehen wird. Viele von meinen Freunden bewerben sich jetzt gerade, haben zum Teil schon eine Stelle oder wissen wenigstens was sie machen wollen, aber ich weiss das nicht. Es gibt so viele Dinge die mich interessieren, aber ich kann nicht sagen jawohl das ist genau das, was ich in meinem Leben tun möchte. So eine Art Sinn im Leben hab ich noch nicht gefunden und ich glaube auch dass man das in meinem Alter auch noch nicht kann, aber ich dennoch muß ich mich schon für einen Beruf entscheiden. Was soll ich machen Question Mark

Maria, Deutschland


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