Pilgerreise am Main

„Wie läuft das denn mit der Verständigung?“, „Sind im Winter auch so viele Leute in Taizé?“ Solche und andere Fragen stellten uns die Jugendlichen in den Schulen jeden Morgen. Und wir beantworteten sie natürlich gerne. Wir, das sind Kuba aus Breslau (Polen) und Carsten aus Apolda (Thüringen). Für längere Zeit bleiben wir in Taizé, um mitzuhelfen. In den ersten beiden Märzwochen besuchten wir Schulen, Gemeinden und Jugendgruppen in den Regionen um Würzburg, Schweinfurt, Bamberg und Aschaffenburg.
Jeden morgen gingen wir in die Schule – es war ein bisschen wir die Rückkehr zu „alten Zeiten“ auf der Penne. Allerdings waren es diesmal täglich verschiedene Schulen und wir kamen nicht wie früher zum Prüfungen ablegen. In jeder Klasse zeigten wir ein Kurzvideo über eine Woche in Taizé. Die Reaktionen darauf waren manchmal recht unterschiedlich. Viele Jugendliche zeigten sich interessiert am Leben auf dem Hügel von Taizé – das tut gut. Auch die besorgten Fragen nach der Beschaffenheit von Toiletten und Duschen zeugten von der Überlegung, mal eines der Treffen vor Ort miterleben zu wollen.
Ein sehr lustiges Erlebnis hatten wir bei einem Kindernachmittag einer Jungen Gemeinde. Als wir dort zu Gast waren, stellten uns einige der Kinder Fragen. Ein kleines Mädchen war sehr schüchtern und konnte sich kaum durchringen, etwas zu fragen. Sie schaute uns mit großen, neugierigen Augen an. Schließlich ihre Frage: „Habt ihr schon mal einen Holländer gesehen… Question Mark “ Erleichtert konnten wir dies bejahen und erzählten ihr von unseren Freunden aus Holland, die mit uns auch für längere Zeit in Taizé sind. Das Leben kann eben manchmal so schön und doch so einfach sein.
Die verschiedenen Orte in Frankenland boten ganz unterschiedliche Möglichkeiten, ein Morgengebet zu machen. In einem kleinen Dorf bei Schweinfurt verbanden wir eine kleine Andacht in der örtlichen Marienkapelle jeden Morgen mit einem Spaziergang. So werden Leib und Seele munter Attention
Wir nutzten auch die Möglichkeit, zu lokalen Gebeten mit Gesängen aus Taizé zu gehen und dort mit den Leuten in Kontakt zu kommen. In einer Gemeinde treffen sich jeden Monat etwa 10 bis 20 Jugendliche in einem kleinen Raum im Anbau der Kirche, um gemeinsam mir Gesängen aus Taizé zu beten. Eine halbe Stunde vor Beginn legen sie den Boden mit Teppichen aus, hängen ein oranges Tuch über den Heizkörper und stellen die Kreuzikone auf. Jeder der Jugendlichen bringt alle möglichen Kerzen mit: Große und kleine, alte und neue, regelrechte Wachstürme und auch ganz schlichte Teelichter. Im Gebet, vor allem in der Stille wird uns klar, dass diese Jugendgruppe zeigt, wie man aus wenigen, sehr einfachen Dingen etwas Schönes herbeizaubern kann. Nach dem Verklingen der Gesänge gibt´s Tee und Plätzchen. Bei den Gesprächen handelt es sich um dies und das – unter anderem das letzte Europäische Jugendtreffen. Erinnerungsfotos bringen das Erlebte näher.
Einen weiteren, unglaublich schönen Gottesdienst mit Gesängen aus Taizé erlebten wir in einer würdevollen Wallfahrtskirche: Dort erstrahlt dezentes Kerzenlicht und nicht wenige Leute sitzen auf den Bänken. Nach den ersten Gesängen zündet jeder eine Kerze an – allerdings nicht für sich selbst, sondern zum Weitergeben an jemand anders. So hat jeder schließlich eine brennende Kerze und keiner hat sie sich selbst geholt, sondern – wie beim Abendmahl – von einem anderen bekommen. Jeder gibt etwas, jeder erhält etwas – d.h. jeder, der will. Gegen Ende des Gebetes ist die Gemeinde eingeladen, die Kerzen in eine Schüssel voll Sand zu stellen, sodass schließlich ein Feuer der Einheit brennt. Jeder hat die Möglichkeit, leise oder auch laut ins Mikrofon einen Dank an Gott zu sprechen. Beim Treffen hinterher im Gemeindehaus sind wir sehr willkommene Gäste. Dieser Gottesdienst beeindruckte uns sehr, leider wird er in dieser Form nur einmal im Jahr gefeiert.
Da stets viele Jugendliche aus Deutschland nach Taizé kommen, tat es gut, auch mal einen Gegenbesuch zu machen. Überall sind wir herzlich aufgenommen worden, überall gab es Leute, die einerseits ein offenes Ohr für uns hatten und andererseits auch übers eigene Engagement berichteten. Manche der jungen Leute, die wir kennenlernen durften, werden uns höchstwahrscheinlich im Laufe des Sommers in Taizé mal über den Weg laufen.

Sogar zum kreativen Schreiben bin ich auf dieser Pilgerreise angeregt worden.

Augenblicke (8. März 2002, Würzburg)

Die Sonne scheint mir in den Nacken.
Warm, gut, fürsorglich.
Er ist schön, dieser Augenblick - 
wunderschön und einmalig.
Kinder kommen aus der Kirche.
Sie schreien, lachen, freuen sich.
Worüber? Über diesen schönen Tag, 
der ein Geschenk ist – gratis.
Ein Genuss zu atmen – und doch:
die Suche nach dem Licht,
der Durst nach Liebe.

Carsten, derzeit in Taizé


Suche
Podcasts
Admin