Kirche für alle Nationen
Obwohl unser Münchner Stadtviertel einen immer schlechteren Ruf bekommt, gibt es immer wieder auch viel Schönes zu erzählen. Ich helfe in unserem Häuserblock in einem Frauentreffpunkt mit und arbeite da einmal die Woche im „offenen Cafe“, wo Frauen mit und ohne Kinder aus der Umgebung zusammenkommen. Oftmals entstehen engere Kontakte, und man hilft sich gegenseitig. Ausländische, vor allem islamische Frauen können eher dorthin kommen, weil nur Frauen und Kinder da sind.
Seit zwei Jahren haben wir auch einen eigenen Kindertreffpunkt. Bei uns gibt es sehr viele Kinder, die den ganzen Nachmittag alleine gelassen sind und nur „im Hof ‘rumhängen“, oftmals sind es schwierige Kinder mit sehr schwieriger Vergangenheit. Für sie ist es besonders wichtig, daß sie ohne Vorurteile dorthin kommen können und etwas Aufbauendes machen können. Die Jungs zum Beispiel machen Kurse für Breakdance und führen das dann beim Hoffest auf; und wenn sie dann anfangen, das Gelernte auch den Kleineren weiterzugeben ist das, glaube ich, etwas ganz Tolles und Wichtiges für sie.
In unserer Kirchengemeinde hatten wir vor zwei Wochen zum dritten Mal einen „Gottesdienst der Nationen“. Die Idee hatten wir vor einiger Zeit in den Pfarrgemeinderat eingebracht. Wir luden dazu ganz besonders die Leute ein, die aus anderen Nationen kommen, das sind in unserem Viertel besonders viele. Sie stammen aus Italien, Polen, Vietnam, Indonesien, Iran, Ukraine, Weißrußland, Uganda etc. Viele kommen sonntags in den Gottesdienst, aber man kommt kaum in Kontakt – so wurde das Einladen zur guten Gelegenheit, einmal miteinander zu reden. Auch die Missionen (die italienische, polnische, kroatische etc.) waren eingeladen worden.
Im Gottesdienst wurden die Lesungen, das Evangelium, die Fürbitten und die Gebete in vielen Sprachen gelesen, die Lieder waren aus Taizé (ich könnte mir nichts Schöneres dafür vorstellen
), und dazwischen spielte eine bolivianische Gruppe Instrumentalstücke. Nach der Messe aßen alle zusammen; viele hatten eine Spezialitaet ihrer Heimat mitgebracht. Anschließend gab es ein fröhliches Programm mit Liedern und Tänzen. In Taizé ist das alles geradezu alltäglich, aber hier war es ein ganz besonderer Ausdruck für die Universalität der Kirche und viele empfanden es als ein Fest, als einen Anlaß, bei dem einmal nicht die Probleme unseres multikulturellen Viertels im Vordergrund standen, sondern der große Reichtum, der aus dieser Vielfalt entstehen kann.
Eine andere gute Idee ist das sogenannte „Kirchencafe“, das es seit einiger Zeit in unserer Gemeinde (und auch in anderen Pfarreien) gibt: Nach den Sonntagsgottesdiensten ist jeder eingeladen, sich noch auf eine Tasse Tee oder Kaffee zusammenzusetzen. Alles ist ganz einfach, aber liebevoll vorbereitet, Wiesenblumen stehen auf den Tischen und oftmals kommt man mit Leuten ins Gespräch, die man schon oft gesehen, aber noch nie näher kennengelernt hat. Pfarrer und Kaplan kommen auch meistens und sind ganz begeistert davon. Das Kirchencafe wird durch die Spenden finanziert, die am Ende ins Sparschwein geworfen werden.
Bärbel und Jorge, München
