Glauben – Halt und Inhalt

In unserer Heimatgemeinde bereiteten wir etwa dreißig Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren auf das Sakrament der Firmung vor. So eine Vorbereitung ist nicht nur für die Firmlinge wichtig, sondern muß auch von uns Begleitern ernst genommen werden. Dies bedeutet vor allem sich selber Fragen über Glaube und Kirche zu stellen: Wie lebe ich als Christ? Welchen Platz nimmt Gott in meinem Leben ein?

In einer „Kirche der Äußerlichkeiten“, die mehr auf die Form Wert legt als auf das Innenleben, fällt es sichtlich schwer, Gott im Alltag zu finden. Sehr schnell passiert es, daß wir vor lauter Planen und Organisieren von kirchlichen Großveranstaltungen mit Vorführungen aller Art den Blick fürs Wesentliche verlieren – daß Gott mehr und mehr zu einer Randfigur wird. Dabei drohen wir zu vergessen, daß das Wichtigste in unserem Glauben ganz einfach ist: Gott ist die Liebe. Frère Roger schreibt in einem seiner Briefe: „Christus läßt uns Halt finden in einer Gemeinschaft, deren Geheimnis die Liebe ist und die sich Kirche nennt.“ Gott lebt nicht von der Kirche, sondern die Kirche wird durch Gott lebendig, wenn wir ihn in den Mittelpunkt stellen. 

Um Gott zu suchen, bedarf es nicht großer Worte und Taten. Es reicht das schlichte Wissen um die Liebe Gottes. Glaube wird in unserer Zeit oft zerredet und wissenschaftlich festgelegt. Wie ist es da für Jugendliche überhaupt noch möglich, sich durch die Firmung für den Glauben zu entscheiden, für einen Gott, der unnahbar scheint, wenn dieser Glaube aus einer Hülle ohne Inhalt besteht? 

So sehen wir unsere Aufgabe als Firmbegleiter darin, den Jugendlichen Gott und dessen Liebe nahe zu bringen und sie zu ermuntern, ihren ganz eigenen Weg zu Gott zu finden; ihn nicht auf einen „Sonntagsgott“ zu beschränken. In Taizé haben wir Schritt für Schritt gelernt, diese Hülle zu füllen. An diesem Ort wird Gott nicht zerredet. In der Stille, im Gesang und im Gebet bahnt er sich seinen Weg zu unserem Herzen. Wir glauben, es ist für die Jugendliche eine Möglichkeit, auf diese Art und Weise Gott näher zu erfahren und ihrem Glauben einen Inhalt – einen Halt zu geben.

Katalin und Michaela, Leipzig


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