Freude ist wie das Öl im Auto
Wir denken in Bad Wurzach oft an Taizé. Die Woche vor Pfingsten ist schon fest in unserem Schulseelsorgsprogramm als Taizéfahrt eingeplant. Wir hatten im September einen Jugendgottesdienst in der Schlosskapelle Bad Wurzach, der von der Reisegruppe von Pfingsten 2003 gestaltet wurde. An der “Nacht der offenen Kirchen” hat die gleiche Gruppe eine sehr schöne Gebetsstunde gestaltet (die im Endeffekt fast zwei Stunden gedauert hat) und im Oktober 2003 in Kisslegg eine „Nacht der Lichter“, auch für alle Mitfahrer zum Treffen in Hamburg. Im Rahmen des Jugendgottesdienst hat ein Mädchen, das mit in Taizé war, einen selbst verfassten Text vorgetragen:
Dieses Jahr Pfingsten gab es (für die einen zum wiederholten Mal) einen Aufbruch. Wir, eine Gruppe von 21 Leuten aus Bad Wurzach und Umgebung haben uns aufgemacht und sind für eine Woche nach Taizé gefahren, wo eine Gemeinschaft von Brüdern unter der Leitung von Frère Roger einen Ort der Zusammenkunft und Ruhe geschaffen hat.
Taizé, ein Ort der viel bedeutet. Will man Freunden in knappen Worten davon berichten, könnte man sagen: „Es gab dreimal täglich Gottesdienst, Bibeleinführungen, Gesprächsrunden, kleinere Arbeiten, Anstehen für ein einfaches Essen aus Plastikschüsseln auf Holzbänken, abends gemütliches Beisammensein und Treffen mit Leuten aus verschiedenen Ländern.“
Aber eigentlich trifft diese Beschreibung nur einen kleinen Teil des Kerns. Taizé- das bedeutet: Man bricht aus dem Alltag, aus manchen eingeschliffenen Gewohnheiten aus, um Platz zu schaffen für Neues, Ungewohntes, man findet sich dort, wofür man sonst kaum Zeit hat: In der Stille, in der Ruhe, im Gebet.
In Taizé kann man sich einlassen auf widerstrebende Gedanken, auf Fragen und Zweifel, auf Gott. Gerade während der Gottesdienste kann man sich fallen lassen, Überflüssiges abstreifen, sich im warmen Kerzenlicht, im schlichten Gesang, in den einfachen und starken Worten, in der leisen Liturgie verlieren.
In Taizé kann man schweigen und sich selbst über das eigene Tun und Wollen klar werden. Aber man kann sich auch laut äußern, im Gesang und im Gespräch, man kann mit Leuten verschiedener Sprache, Nationen und Konfessionen zusammen in einem Geist stehen, der sich nicht beschreiben, sondern einfach nur erleben lässt.
Man versammelt sich in einem Glauben, der etwas bewegt, der Leben bringt. Leben voll überschäumender Freude. Und Freude ist, wie uns ein Teilnehmer bei einer Gesprächsrunde sagte, Freude ist wie das Öl im Auto.
