Eindrücke von der Festa de Jesus

Die Festa de Jesus wurde dieses Jahr zum 5. Mal in der Comunidade Taizé in Alagoinhas (Brasilien) gefeiert. Eingeladen wurden alle Personen mit Behinderung nebst ihren Begleitpersonen aus dem weiteren Umkreis von Alagoinhas, um einen Tag miteinander zu verbringen: miteinander zu beten, zu essen, gemeinsam Spass amProgramm zu haben oder es selbst mitzugetalten, miteinander zu reden.

Als ich im vornherein die Fotos von den Festen der Vorjahre sah, war ich erstaunt, dass so viele Menschen (fast 2000) auf das kleine Gelände passen. außerdem konnte ich mir nicht recht vorstellen, wie es gelingen sollte, mit einer im Vergleich zur erwarteten Besucherzahl doch recht kleinen Gruppe von freiwilligen Helfern, die Gäste zu begleiten, ihnen bei Fragen zur Verfügung zu stehen, bei Problemen zu helfen, für Sauberkeit und für Essen und Trinken zwischendurch zu sorgen.

Um das zu bewerkstelligen, wurden u. a. Gruppen mit Kindern unter der Leitung einer/m Freiwilligen eingeteilt. Meine “Helfer-Gruppe” stand dann am Morgen des Festtages mit vielen anderen am Eingang, um das Einströmen der Besucher zu beobachten und ihnen auf dem Weg zur Kirche oder bei auftretenden Problemen behilflich zu sein. Auch beim auf das Gebet folgendem Weg “nach unten” zur Bühne und im weiteren Tagesverlauf wurde natürlich Hilfe benötigt.

Im Getümmel der Massen gingen ein paar der Kinder, die helfen sollten, zwar verloren, aber die Umsichtigkeit und spontane Hilfe anderer sorgte dann doch für einen guten Ablauf des Festes und dafür, dass die Gäste sich wohlfühlten.

Im Laufe des Tages traten Leute mit unterschiedlichen Defiziten aus den verschiedenen Städten auf. Es wurde Theater gespielt, getanzt, gesungen und vieles mehr.

Am eindrucksvollsten fand ich das Gebärden-Theaterstück einer Gruppe Gehörloser aus Alagoinhas und den von ihren Betreuungspersonen begleiteten Tanz zweier taubblinder Mädchen aus der Schule gleich gegenüber des Festplatzes. Sie hatten eigens für den Auftritt lustige, farbenfrohe Kostüme angezogen. Aber auch andere Aufführungen waren sehr kreativ und ich staunte manchmal, was trotz Behinderung alles möglich ist.

Nach einem also abwechslungsreichem Programm ging das Fest gegen 3 Uhr nachmittags seinem Ende entgegen. Viele Leute verließen es mit der eigens dafür komponierten Hymne auf den Lippen. 

Jetzt begann die Aufräum- und Müllsammelarbeit für uns, die aber eigentlich relativ schnell erledigt war, da viele halfen.

Insgesamt hatte ich den Eindruck eines gelungenen Festes, das mit seinen Darbietungen, dem Miteinander der Leute aber auch durch die Bewerkstelligung der anfallenden/benötigten Aufgaben/Hilfe Eindruck auf mich gemacht hat.

Madlen, Deutschland

Am 08. August 2004 wurde hier in der Communidade de Taizé in Alagoinhas/ Bahia – wie jedes Jahr einmal – die “Festa de Jesus” gefeiert. Zur Festa de Jesus sind alle Menschen mit Behinderung und anderen besonderen Bedürfnissen eingeladen. Das wusste ich vor dem Fest, und auch, dass sehr viele Menschen aus der Umgebung zu diesem Anlass anreisen. Wie sich jedoch so viele Menschen miteinander auf dem Taizé – Gelände aufhalten können, um den Tag gemeinsam zu verbringen, das konnte ich mir nicht so recht vorstellen…

Am Morgen des 08.August war es also so weit, zwischen 08.00 und 10.00 Uhr kamen die Leute an: mit Bussen, Autos oder zu Fuss. Wie viele Leute kann ich nicht sagen. Für mich waren es unglaublich viele. Den Empfang der Leute, bei dem ich die ganze Zeit präsent war, habe ich am intensivsten empfunden. Viele unterschiedliche Leute, die alle herzlich grüßten und sich freuten. Der Tag mit der Messe, dem unterschiedlichen Programm (Gesang, Tanz, Theater usw.) und dem gemeinsamen Mittagessen, ging für mich sehr schnell vorbei, vielleicht auch zu schnell. Eine der schönsten Erinnerungen bleibt mir, wie die Banda der des täglichen Kindertreffpunktes hier – die Anjos de Noite ( = die Engel der Nacht) – ihren Auftritt hatte. Sie waren so stolz, auf der Bühne zu stehen und Musik für so viele Menschen machen zu können. Die Leute haben getanzt, mitgesungen und geklatscht…

Alles in allem war dieser Tag ein sehr schöner, aber auch anstrengender Tag, den sehr viele Menschen geniessen konnten. 

Silke, aus Deutschland

Vor drei Jahren habe ich schon einmal an einer “Festa de Jesus” teilgenommen, deswegen wusste ich in etwa, was auf mich zukommt: Ein grosses Fest in der Taizégemeinschaft von Alagoinhas in Brasilien. Anlass dazu ist, wie ein Bruder uns Freiwilligen erzählte, das Fest der Verklärung. Während Jesus mit Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg ist und Mose und Elias zu ihm kommen, wird sein Gewand und sein Gesicht leuchtend weiss. Wenn Menschen aus der Kirche kommen, dann ist ihr Gesicht manchmal wie verklärt, wenn sie eine gute Gebetszeit hatten. 

Auf der Festa de Jesus soll auch eine Verklärung geschehen, sowohl für die Gäste, als auch für die Gastgeber. Gäste sind alle behinderten und alten Menschen, die den Weg bis in die Rua São Lazaro schaffen. Gastgeber sind vor allem Kinder und Jugendliche aus dem Stadtviertel.

Nach der Erfahrung von vor drei Jahren, damals wurde ich durch heftiges Pochen an meiner Tür von übereifrigen Helfern geweckt, die von mir eine Tür aufgeschlossen bekommen haben wollten, bin ich diesmal früh aufgestanden. Ausser Socorro in der Küche war noch niemand auf den Beinen, ich habe in Ruhe einen Tee getrunken und ein Stück Brot gegessen. Dann habe ich die letzten Hinweisschilder aufgehängt und gewartet, bis Helfer und Gäste kamen. 

Zwischen sieben und halb acht trudelten die ersten Kinder ein, die während des Festes unterschiedliche Aufgaben hatten: Einige sollten den Tag damit verbringen, den Leuten einen Guten Tag zu wünschen und sie zu begrüssen. Andere liefen mit Wasserkannen und Bechern umher, um den Gästen etwas zu trinken anzubieten. Die Essensausgabe wurde fast ausschliesslich von den Jugendlichen aus dem Stadtviertel organisiert – keine leichte Aufgabe bei ca. 1500 Gästen.

Das Fest begann mit der Messe in der Kirche. Nach der Messe strömte alles auf die grosse Fläche, wo normalerweise die Brincadeira (der tägliche Kindertreff) stattfindet. Dort war eine grosse Bühne aufgebaut. 

Auf dieser gab es den ganzen Tag über ein buntes Programm: Theaterstücke, Bandauftritte, Tänze, Lieder, von Blinden und Gehörlosen und von Kindern, Capoeira, eine Puppenhochzeit und vieles mehr. 

Einer der Höhepunkte für mich war während der Mittagspause die Kinder-Band “Anjos da Noite” ( = Engel der Nacht) spielen zu hören. Diese Band besteht aus einer Gruppe von Jungen aus dem Stadtviertel, die jeden Tag in der Brincadeira proben. Sie spielen auf selbstgemachten in Instrumenten, aus Blechdosen, leeren Plastikkübeln etc. frei nach “Stomp”. Diese Jungen haben also in der Mittagspause gespielt und wurden spontan von zwei Keyboardern unterstützt. Der Sänger der Band, Jamilton, der fast im Stimmbruch ist, hat dabei alles gegeben, was in ihm steckt und in der Mittagshitze bestimmt zweihundert Leute vor der Bühne zum Tanzen gebracht. Schön für mich dabei war, die strahlenden Kindergesichter zu sehen und die Keyboarder im Hintergrund, die Jamilton auch dann weitergeholfen haben, wenn er nicht den richtigen Ton getroffen hat.

Beeindruckt hat mich überhaupt die ganze Art von Veranstaltung. Es gab eine Messe, ein kreatives aber völlig unprofessionelles Bühnenprogramm, ausserdem zwischendurch ein sehr einfaches Mittagessen (kein Bier, keine Grillwürstchen). Und den Leuten hat es gefallen, sie waren einfach da, ob mit oder ohne Behinderung, und haben den Tag genossen. 

Gegen halb vier Uhr nachmittags war dann alles vorbei, die Gäste gingen nach Hause und es begann die grosse Aufräumaktion. Damit wenigstens ein Drittel der Gäste sitzen konnte, waren am Tag zuvor aus allen Ecken und Räumen Sitzgelegenheiten herbeigeschafft worden. Diese mussten alle wieder zurückgeräumt werden und wenigstens grob entsandet werden. Dabei haben wieder viele Jugendliche aus dem Viertel geholfen und nicht etwa widerwillig, sogar sonst eher schwierige Kinder und Jugendliche haben mit angepackt, so dass zwei Stunden später alles wieder an Ort und Stelle war. Danach haben dann die fleissigen Frauen aus der Küche Flure und Toiletten geschrubbt, so dass am Abend nicht nur unsere Gesichter, sondern auch das ganze Haus wieder geglänzt hat.

Mechthild, Deutschland


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