Der Zauber ging verloren, aber Gott ist hier
Wenn ich jetzt an Taizé denke, kommen mir als erstes die gemeinsamen Gebete in den Sinn, die Gerüst, Mittelpunkt und Höhepunkt der Tage für mich waren und mir das Gefühl gaben, dass trotz der Unmengen an Leuten nie Stress oder Hektik aufkommen konnten. Die Zeiten der Stille waren von daher auch eine ganz tolle Erfahrung, wenn man sich klar macht, wie viel gemeinsames Schweigen bedeuten kann – mehr vielleicht als unachtsam gesprochene Gebete. Ich glaube nicht, dass es einen zweiten Ort gibt, der so viel Ruhe ausstrahlt. Dort ist Zeit und Raum genug, sich auf Gott einzulassen und die eigenen Sorgen und Probleme zu verarbeiten und weit von sich zu lassen. Gott ist so unfassbar und leicht zu vergessen, da er nicht greifbar und unsichtbar ist. In Taizé aber hat man das Gefühl, er sei allgegenwärtig, man lebt gewissermaßen mit ihm.
Diese Erfahrungen haben, glaube ich, schon etwas an meinem Leben und Glauben verändert. Auf jeden Fall versuche ich, offener und unvoreingenommener auf Menschen zuzugehen und selbst zu Menschen, die ich nicht mag (von denen es sehr viele gibt), nett zu sein und ihnen etwas Positives abzugewinnen. In Taizé habe ich außerdem gelernt, mich mit der Bibel auseinander zu setzen und die Texte auf mein Leben zu beziehen. Selbst dabei findet man eine Lösung für so manches Problem. So haben im Nachhinein selbst die Bibeleinführungen, die eigentlich schon etwas arg ausführlich waren, einen Sinn bekommen, da sie den Anstoß gegeben haben, sich selbst auf die Suche zu machen.
Ich glaube, dass so viele Jugendliche nach Taizé fahren, weil es eine ganz tolle Erfahrung ist, mit Menschen aus aller Welt ungeachtet aller Grenzen als Gemeinschaft zusammenzuleben. Jeder wird mit einer Aufgabe betraut, so dass er das Gefühl haben kann, gebraucht, angenommen und akzeptiert zu werden, ja, ein Zahnrädchen im großen Getriebe Taizé zu sein. Ein Gefühl, das in unserer Gesellschaft nicht (mehr?) selbstverständlich ist.
Ein Bruder sagte während der Woche, Taizé ist nicht die Realität. Ist es auch nicht. Man kann es auch nicht beschreiben, man muss es erlebt haben. Es war eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht missen möchte, denn ich habe eine ganz große Erkenntnis gewonnen. Als es darum ging, dass wir bald wieder nach Hause fahren mussten, stellte sich die Frage für mich, wie ich möglichst viel aus Taizé mitnehmen kann. Und da kam die Erleuchtung: Gott wird mitkommen und er wird überall da sein, wo ich jemals sein werde. Und so kann ich gut zweieinhalb Monate nach Taizé mein Fazit ziehen: Der Zauber von Taizé ist fürs erste verloren, aber Gott ist noch hier und ich würde mich freuen, mit ihm nächstes Jahr wieder nach Taizé zu fahren.
Moni, Bamberg
Von Taizé ist mir noch besonders in Erinnerung: Freude, Nachdenklichkeit, schöne Lieder, Offenheit, Herzlichkeit, schöne Umgebung (Art „Paradies“: keine Stadt / Industrie / Alltag). Alle waren sehr nett und offen. Du musstest dich nicht „verstellen“, um angenommen zu werden. Du wirst als Mensch angesehen, respektiert und toleriert. Alle halten zusammen und helfen sich gegenseitig, das vermisst man im „normalen“ Leben. Dort musst du schauen, nichts Falsches zu sagen, und geholfen wird dir nur von Freunden und Eltern.
Am wichtigsten war für mich in Taizé die Kirche: die Ruhe, die Lieder, die Selbstfindung. Die Stille war für mich zugleich ganz toll und schrecklich: Man hat so viel Zeit zum Nachdenken, es kann manchmal ganz schön hart sein, nicht loszuheulen. Die Arbeit war lustig, aber anstrengend, vor allem am Sonntag. Freizeit gab es nicht so viel, sie reichte aber, um sich auszuruhen. Leider waren die Bibeleinführungen sehr „ausführlich“. Die Diskussionen allerdings waren Klasse, ich habe neue Freunde gefunden.
Seit dem Aufenthalt in Taizé hat sich in meinem Leben etwas geändert, aber das ist mir zu persönlich, um es hier aufzuschreiben. Auch an meiner Einstellung zur Kirche hat sich etwas geändert: Ich kann die Kirche bei uns (Innenbau: Gold, Ruhm …
nicht mehr ertragen. Ich finde alles (Gold …
unnütz. Bilder von Gott, Jesus, Maria reichen aus, um ein „Haus Gottes“ zu schaffen. Man sollte eher den Armen helfen.
Die Erfahrungen, die ich in Taizé gemacht habe, haben mir für meinen Alltag neue Impulse gegeben: Die Einfachheit beim Essen – aus wenig / etwas Einfachem kann man viel „zaubern“, das schmeckt und satt macht. Ruhe und Gelassenheit in der Schule: keinen Stress aufbauen. Offenheit und Toleranz: andere Menschen akzeptieren, sie erst kennen lernen und dann urteilen.
Ich möchte wieder nach Taizé fahren. Es ist wie eine Flucht aus dem Alltag, aber eine Flucht nach vorne: Man kann dort einfach leben, und Luxus ist nicht nötig. Außerdem lernt man neue Menschen, Kulturen und Länder kennen.
Silke, Bamberg
