„Ihr seid der lebendige Beweis für die Gemeinschaft aller Christen“

Nachdem wir an Ostern 2000 mit einer Gruppe aus Ulm nach Taizé gefahren sind, war es für uns sehr wichtig, das, was wir erlebt hatten irgendwie zu Hause weiterzugeben. So entstand die Idee, im Herbst eine „Nacht der tausend Lichter“ zu veranstalten. Besonders schön war, daß diese Idee von den Jugendlichen der Gruppe kam, die dann auch mit den Vorbereitungen begannen.

Als Ort wählten wir das Münster, die größte Kirche in Ulm und gleichzeitig auch der größte Kirchturm der Welt. Nicht, weil wir damit rechneten, daß alle anderen Kirchen in Ulm zu klein waren, sondern weil uns das Wahrzeichen von Ulm als Ort der Begegnung vieler verschiedener Nationalitäten genau richtig für das Gebet erschien. Am Tag des Gebetes bereiteten wir alles gemeinsam vor und waren sehr überrascht, als schon lange vorher sehr viele Leute kamen und danach fragten, was wir machen. Es kamen mehr und mehr Menschen und schließlich war das große Ulmer Münster bis auf den letzten Platz gefüllt.

Da wir gar nicht mit so vielen Menschen gerechnet hatten und deshalb nicht genügend Liedblätter hatten, mußten wir die Leute bitten, gemeinsam in die Liedblätter zu schauen. Wir erlebten ein wunderschönes Gebet und wir konnten zeigen, daß wir wirklich mir wenigen Mitteln einen Ort der Gemeinschaft und der Begegnung schaffen konnten. Man spürte, daß die Menschen genau danach suchten. Nach der Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen.

Anschließend an die erste „Nacht der Lichter“ gab es ein Vorbereitungsgespräch für das damalige Jugendtreffen in Barcelona, an dem auch eine Gruppe aus Ulm teilnahm. Barcelona war Gastfreundschaft, Freundlichkeit und eine wunderbar vertraute Atmosphäre. Unsere Gastfamilie sagte, es sei ein Geschenk Gottes, daß sie uns aufnehmen durften. Wir seien der lebendige Beweis für die Gemeinschaft aller Christen. Alle diese jungen Menschen, die zum Treffen kamen, seien ein Zeichen der Hoffnung und des Friedens.

Wir erlebten die Wärme Spaniens äußerlich und auch in unseren Herzen. Das Schönste war, daß es nicht viele Worte brauchte, um sich zu verständigen. Eine kleine Geste, ein Lächeln sagten oft viel mehr als viele Worte. Das Leben in den kleinen Gemeinden um Barcelona war sehr lebhaft. Jugendliche berichteten nach den Morgengebeten von ihrem Gemeindeleben, den Problemen und den Erlebnissen. Man spürte, es gibt eine wirkliche Verbindung aller Christen auf der Erde, sei es nun in Spanien, Deutschland oder irgendwo anders. Wir Christen sind eine lebendige Gemeinschaft. Wir sind das Salz der Erde. 

Wie viele Familien in Barcelona teilten ihre kleinen Wohnungen mit vielen Jugendlichen und teilten voll Freude das, was sie hatten. Sie halfen uns, uns zu Hause zu fühlen und waren so dankbar dafür, daß ihre Gemeinden von so viel Leben und Freude erfüllt waren. 

Das gab uns Elan, im nächsten Jahr wieder eine „Nacht der Lichter“ zu halten, bei der – neben anderen Hauptamtlichen – der evangelische und der katholische Jugendpfarrer mithalfen. Und dann ging es nach Budapest, zum Jugendtreffen, aber das ist wieder eine andere, schöne Geschichte.

Angelika, Ulm


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