Wir sind die Kinder Gottes

Wieso eigentlich Taizé? Frederike und Franziska haben da ihre so Vorstellungen.

Taizé, ein Name, den viele Menschen kennen. Was sich aber dahinter verbirgt, wissen nur Eingeweihte, überwiegend Christen. Mitten in Frankreich, fernab einer großen Stadt, nur wenige Häuser, eine Kirche sowie ein ökumenischer Männerorden – das ist Taizé.

Jährlich folgende Tausende von Jugendlichen und Erwachsenen dem Ruf nach Taizé, um sich für eine Woche dem Tagesablauf und den Ritualen unterzuordnen. Sie machen sich auf, etwas von den Quellen des Glaubens zu erfahren, von einem Vertrauen, das lange, bei manchen ein ganzes Leben, nachwirken kann. Jeder kommt, um den Sinn des Lebens (wieder) zu finden, um einen neuen Anlauf zu nehmen, Kraft zu tanken für neue Aufgaben und Herausforderungen im Leben.

Das ganze Leben in Taizé ist einfach, nur auf das Nötigste beschränkt, ohne Luxus. Wenn man in Taizé ankommt und unter dem Glockenturm entlang geht, merkt man, wie man die heutige moderne und fortschrittliche Welt verlässt, wie wenn man durch ein Tor geht und alles einfach abfällt: wie man frei ist von Alltagssorgen, Zeit für sich selbst hat, Gott bei einem ist, verschiedene Nationalitäten trifft, bei denen man immer einen Gesprächspartner findet. Und natürlich dann auch die Andachten und Gebete, die einen die Woche über Tag für Tag begleiten, sowie Gesprächsgruppen, in denen Fragen einfach beantwortet werden oder in aller Ruhe allein an der schönen Quelle St. Etienne oder im Garten der Stille.

Das Faszinierende in Taizé ist die Gemeinschaft. Von überall aus der Welt kommen die Jugendlichen nach Taizé, um an dem einfachen Leben teilhaben zu können und in dieser Gemeinschaft zu leben, sich Gott hinzugeben und mit anderen in Gebeten und Liedern Gott zu suchen und das „magische Feeling“ zu spüren: Wir alle sind Kirche, wir sind die Kinder Gottes, wir glauben an den einen Gott, wir alle zusammen sitzen hier beten, singen und glauben gemeinsam. – Doch dieses Feeling spürt man erst, wenn man dort war, man muss es einfach erlebt haben!

Frederike, Dekanat Nörten-Osterode (Juni 2009)

Das Glockengeläut erklingt über das Gelände. Der Ruf zum Gebet. Ihm folgen die Scha- ren der jugendlichen Pilger aus der ganzen Welt. Es ist eine reine Völkerwanderung bis hin zur Kirche, in der sich nun die Brüdergemeinschaft mit den Jugendlichen trifft, um Jesus Christus zu ehren und ihn anzubeten.

Meditative und einprägsame Lieder werden gemeinsam gesungen, Psalmen und Gebete gesprochen – und das in vielen verschiedenen Sprachen. Sie laden dazu ein, in sich zu kehren und die innere Ruhe zu finden und dies besonders in der Stille, die etwa 8 Minuten andauert. Diese Gebetsstunde, das Zusammentreffen der Brüder und Pilger, wiederholt sich morgens, mittags und abends; es ist ein streng geregelter Ablauf, genau wie der Wochenablauf in Taizé.

Die Woche in Taizé orientiert sich an Karwoche, die jede Woche neu gefeiert wird.(Kar-)freitag und (Kar-)samstag sind dabei anders geregelte Abendgebete: Während der Freitag mit dem „Gebet vor dem Kreuz“ endet und dann bis spät in die Nacht noch die Kreuzanbetung stattfindet, erstrahlt am Samstagabend die Kirche, die sonst eher schlicht durch Kerzen beleuchtet ist, durch das „Osterlicht“, das nach langer Tradition immer von Kindern verteilt wird. Diesen Brauch führt Frère Alois nach dem Tod von Frère Roger, dem Gründer von Taizé, weiter. So leben die Brüder als Zeugen der Botschaft Jesus Christi und rücken ihn immer wieder in den Vordergrund.

Jugendliche haben heutzutage hohe materielle Erwartungen. Taizé könnte hier nicht mithalten. Es ist nämlich genau das, was mich fasziniert: die Einfachheit, keinen Wert auf Luxus legen, sondern auf die Suche nach dir selbst und nach dem Leben mit Gott sein. Die Unterkünfte sind einfache Holzbaracken, wenn nicht sogar Zelte, in denen man auf Isomatte und Schlafsack die Nächte verbringt. Auch die Kirche ist schlicht gehalten; so sitzt man in der Kirche nicht auf gepolsterten Holzbänken, sondern auf dem Fußboden oder teilweise auf kleinen Sitzhockern. Trotzdem strahlt sie eine gewisse Wärme durch die rot, orange und gelb gestrichenen Wände aus und lädt zum Verweilen und Nachdenken ein.

Das Interesse der vielen tausend Jugendlichen, die Jahr für Jahr das kleine Dorf besuchen, ist unterschiedlich. Doch gibt es gleichgesinnte Jugendliche, die zum Austausch der religiösen Werte bereit sind. Einige versuchen Antworten auf ihre Fragen in der Stille zu finden, so begeben sie sich ein paar Tage in vollkommenes Schweigen. Wieder andere hoffen, während der Bibelstunden, die von einzelnen Brüdern der Communauté. abgehalten werden, ihre „Eingebung“ zu erhalten. Fragen gibt es viele und Taizé. ist der richtige Ort, die Antworten dafür zu finden. Taizé. ist für mich nicht nur ein kleines Dorf, in Burgund, mitten im Nirgendwo. Es ist ein Jugendtreffpunkt, bei dem man eine neue Gemeinschaft kennen lernt. Ein Ort, bei dem die Zeit da ist, seine innere Ruhe zu finden. Man kann Lasten abwerfen und abschalten vom Alltagsleben. Und dies alles in einer rings um den Hügel liegenden beeindruckenden Landschaft, wenn nicht schon die Quelle St. Etienne das Flair vollkommen macht.

Die Brüdergemeinschaft strebt nach Nächstenliebe und das spiegelt sich bei den jugendlichen Pilgern wieder. So verbringen die Jugendlichen nicht nur die Woche mit Beten, Singen, Bibeln und Nachdenken, sondern tragen zum Gelingen des Lebens in Taizé bei. Hierbei übernehmen sie Aufgaben wie Kochen, Geschirrspülen, Aufräumen, helfen in der Werkstatt aus und reparieren Gegenstände, aber auch in der Kirche gibt es einige „Jobs“, bei denen die Brüder unterstützt werden. Die Gemeinschaft, die sich einem öffnet, ist friedlich und ausgeglichen. Dies alles sind die Beweggründe, warum es Taizé ist, für das ich mich immer wieder neu entscheide, ich mich dann auf den Weg mache und Taizé genieße in seiner Einfachheit, Ruhe und Geborgenheit, was jeder einzelne erst nachvollziehen kann, wenn er dort gewesen ist.

Franziska, Dekanat Nörten-Osterode (Juni 2009)


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