Wirklich anders
Ok, wo fang ich am besten an
Also, ich versuch euch mal nahe zu bringen wie genial Taizé wirklich ist… Hm, viele denken sich, wenn sie den Tagesablauf inklusive Kirche hören – ihhh so ein Müll – oder pfui, ich bin doch eh so gut wie gar nicht gläubig. Auch mir ging es nicht anders und letztendlich bin ich nur mitgefahren, weil ich ne Woche nicht in die Schule musste. Aber wenn ich daran zurückdenke, schäm ich mich schon fast, denn so viel Geborgenheit und Verständnis zwischen Lehrern, Schülern und Menschen aus vielen verschiedenen Ländern gibt es nur selten.
Zur Kirche fällt mir spontan das Stichwort: „ANDERS“ ein, denn anders ist das wirklich. Vor allem als Katholik, der gut zweimal im Jahr in die Kirche geht, hätte ich mit allem gerechnet, nur nicht damit: Die Leute dort saßen auf dem Boden und waren alle beisammen, egal ob Katholiken, Evangelische oder Andersgläubige… Alle gelten dort als einzigartig und gleichberechtigt. Und wer glaubt, der Gottesdienst wäre langweilig, ist auf dem Holzweg. Es wird hauptsächlich gesungen, und zwar nicht irgendwelche Schlaflieder, sondern richtig coole Ohrwürmer, die einen noch bis in die Nacht verfolgten
Dort gab es auch eine Quelle, nein das ist nicht ein geheimer Drogenbeschaffungsort, sondern ein schön angelegter See mit Wasserfall, Brücke und einem kleinen Park rund herum. Dort sollte man, wenn möglich, nicht reden, denn es könnte schon passieren, dass man von einem Mitarbeiter ermahnt wird. Ha, apropos ermahnt: Da kommt mir natürlich Fitschi ins Gedächtnis. Fitschi ist Asiat und so was wie der Kirchenaufpasser. Seine Aufgabe war es, während des Gottesdienstes für Ruhe zu sorgen, was er mit Bravour schaffte, wenn man bedenkt, dass einige von uns ein lautes Stimmvolumen besitzen.
Nachmittags waren wir dann immer bei den Bibelstunden (der Name klingt schlimmer, als es ist). Die verschiedensten Leute in unserem Alter (bis 16 Jahre) wurden dort in Gruppen eingeteilt und haben über ihr Leben und Ansichten in Englisch (Verständnissprache selbstverständlich) erzählt. Die Älteren ab 16 von unserer Schulgruppe wurden neben ihren Gruppentreffen noch zum Putzen eingeteilt, was sie aber gar nicht mal als so schlimm empfanden.
Zur „Partytime“ (nicht grinsen): Dort gibt es einen Oyak … nein, das ist kein Geschäft für japanisches Puppengeschirr, sondern ein Laden. wo man Eis, Wein, Zigaretten, Pizzaschnitten und vieles mehr bis zum Hot Dog kaufen kann. Und hatte man Glück, hatten die Lehrer hie und da mal ihre Spendierhosen angezogen. Auch die Gespräche an den Stehtischen mit hauptsächlich Holländern kamen dabei nicht zu kurz. Und wer lieber in der eigenen Zeltgruppe blieb, saß hinten bis halbe 12 auf dem Zeltplatz und kuschelte sich mit den Anderen in die Decken, weil es am Abend sehr kalt werden konnte.
Zum Essen (auch wenn jetzt ein paar Leute protestieren), fand ich, hatte das Ganze doch irgendwie Flair. Als Erstes musste man sich in eine Schlange anstellen und noch kurz ein Lied mitträllern, bevor man der Reihe nach sein Tablett, Teller, Becher usw. aufeinander gestapelt bekam. Und obwohl die meisten Leute halb erfroren und ein bisschen genervt vor Hunger waren, bekam man immer ein freundliches Lächeln und ein „Bitteschön“ in allen möglichen Sprachen zu hören. Zum Frühstück gab es, bis auf die Marmelade am Sonntag, nur Baguette, ein Stück Butter und zwei Stückchen Schokolade. Das Lustige war, dass es da keine Messer gab, und sich jeder seine eigene Streichtechnik überlegen musste. Wer nicht ganz schusslig war, hat einfach die Schokolade gleichzeitig zum Rest verspeist und einen Geschmack ähnlich Nutellabrot erhalten. Zum Mittag- und Abendessen gab es stets etwas Gesundes, z. B. Reis oder auch mal Gemüse. Tipp: sehr gut waren die Nudeln dort
Ja, ja, wie gern wär ich wieder in Taizé, und wenn´s gehen würde, würde ich jetzt auf der Stelle schon einen Platz für nächstes Jahr reservieren.
Anna, Freising
