Warum ich derzeit niemand auf den Mond schießen will
Ich war heuer das erste Mal in Taizé und die Woche, die ich dort verbracht habe, hat mich so tief beeindruckt, dass ich unbedingt wieder nach Taizé möchte.
So wirklich etwas über Taizé gehört habe ich erst, als ich bei den Kirchenmusik-Werktagen einen Chorleiter kennen lernte, der viel über Taizé erzählte und den halben Jugendchor fragte, ob wir nicht interessiert wären in der ersten Ferienwoche dorthin mitzukommen.. Aber alle Erzählungen von vielen verschiedenen Leuten konnten mir nicht schon vorher zeigen, wie Taizé WIRKLICH ist.
Was mich neben den Gebeten sehr beeindruckt hat ist, dass der ganze Tagesablauf scheinbar ohne Regeln funktioniert, es gibt zwar Richtlinien und fixe Zeiten für Gebete, Gesprächsrunden und Mahlzeiten, aber wenn man mal nicht hingeht, ist das die Entscheidung eines jeden einzelnen. Genauso wie man keine Uhr bräuchte, weil die Glocken zu den Gebetszeiten schlagen und beim Essenausteilen gibt es kein Geschubse, weil alle warten können, bis sie drankommen. Zwar achten Kirchen-, Quellen- u. Nachtwächter auf die Einhaltung der Ruhe zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten, aber selbst als die Nachwächter mal einen Abend ausfielen, blieb es relativ ruhig und ab 24 Uhr war es überhaupt leise (zumindest dort, wo wir unsere Zelte stehen hatten).
Meine beiden Lieblingsplätze waren die Kirche und die “Quelle”. In der Kirche fühlte ich mich von Anfang an willkommen und wohl, viel wohler als in manch einer Kirche daheim, die ich schon lang kenne. Während der gesungenen Gebete und vor allem der Stille dazwischen, konnte ich viele Gedanken und Gefühle ordnen, die mich zum Teil schon sehr lange beschäftigten, für die ich daheim aber keine Zeit und keine Ruhe hatte, um sie zu schlichten oder sie überhaupt zu verstehen, da mir alles rundherum zu viel wurde. An der Quelle konnte ich stundenlang sitzen, schauen, reden und zuhören, ohne dass es mir gar “langweilig” geworden wäre… im Gegenteil, die Zeit verging wie im Fluge und war mir jedes Mal wieder zu kurz. (Die “Quelle” sind künstlich angelegte Teiche mit einem Wasserfall, vielen Bäumen, Wiese und Wegen rundherum, einem kleinen Wasserlauf, sowie einer Holzbrücke die über einen der Teiche führt. Dort kann man einfach ruhig liegen oder sitzen um alles zu beobachten, ganz ruhig zu werden und sich zu entspannen.)
Einmal am Tag fanden eine Bibeleinführung von einem der Brüder über die Bibelstellen des Tages und einen Teil des “Briefes aus Taizé”, sowie die kleineren Gesprächsrunden bei denen sich ca. 10-15 Jugendliche trafen um ihre Gedanken zu den Fragen auszutauschen, die jeden Tag gestellt wurden, statt. Die Bibeleinführungen brachten mich sehr zum Nachdenken, vor allem weil der Bruder es verstand, seine Gedanken und Interpretationen sehr verständlich und “anschaulich”, sowie mit einer großen Portion trockenen Humors zu vermitteln. Durch ihn habe ich jetzt auch einen ganz anderen Zugang zu Bibel bekommen. Vor Taizé konnte ich mit einer Bibelstelle bei weitem nicht so viel anfangen, jetzt lese ich sie schon gleich ganz anders.
Jeden Tag stellte er uns auch einige “persönliche Fragen”, über die wir nachdenken und, wenn wir wollten, in den Gesprächsrunden reden konnten. Diese persönlichen Fragen waren es auch, über die wir dann meistens redeten und die auch mich am meisten ansprachen und mir am meisten halfen, wenn ich über sie nachdachte und versuchte eine Antwort zu finden (was mir nicht immer gelungen ist). Die Zeit in den Gesprächsrunden hat mir auch in aller Deutlichkeit gezeigt, dass es viele andere Jugendliche aus anderen Ländern gibt, die zum Teil ganz ähnliche Sorgen und Ängste haben wie ich und ich bei weitem nicht die einzige bin, die so denkt, wie ich denke… so war es mir aber vor allem im letzten Schulmonat vorgekommen und jetzt konnte ich endlich mit anderen reden, die ähnlich dachten.
Das hat mir sehr geholfen, um mich wieder zu fangen und über meine eigenen Gedanken und Gefühle besser reden zu können, wenn auch nicht innerhalb der Gruppe. Die Zeit in Taizé hat mich innerlich wieder sehr viel ruhiger werden lassen, ich komme mit mir (und auch anderen die ich vorher am liebsten auf den Mond geschossen hätte) wieder viel besser zurecht und fühle mich in mir selber viel, viel wohler. Dafür bin ich wirklich dankbar.
Magdalena
Taizé muss man selbst erleben!
Man muss schon selbst dort gewesen sein um zu sehen und zu spüren wie die Gemeinschaft unter den verschiedenen Völkern der Erde mit ihren Religionen an diesem Ort gelebt wird.
Es wird jeder toleriert und man kommt mit jedem ins Gespräch, egal welche Hautfarbe, Religion und welches Aussehen er hat. Es ist auch völlig egal, welche Schulbildung jemand hat, ob er Angestellter, Arbeiter, Beamter, Arbeitsloser oder vielleicht „Aussteiger“ ist. Es ist einfach schön zu wissen und zu erfahren, dass man so sein darf, wie man ist und der sein darf, der man eben ist.
Bei drei- bis fünftausend Menschen sind viele Arbeiten zu erledigen und es ist für jeden selbstverständlich, dass er freiwillig mithilft.
Dreimal am Tag sind die vielen tausend Menschen im Gebet verbunden. Im Oyak wird am Abend dieses Verbundensein weitergeführt, indem die Menschen aus verschiedenen Völkern und Nationen miteinander musizieren und Freundschaften schließen. Beides – die Kirche und der Oyak – sind wunderbare Orte der Begegnung!
Andi
