Nachfolge Christi
Liebe Communauté,
wir sind nun seit einer Woche wieder zuhause in Bonn. Wir haben, nun schon zum dritten Mal für mich, eine sehr berührende Woche voller Ereignisse in Taizé verbracht.
Ich war dieses Jahr zum ersten Mal als Gruppenleiterin bei einer Bibeleinführung dabei. Es war für mich ein ganz neues Gefühl, so intensiv mit Jugendlichen an einem Bibelthema zu arbeiten. Oft war es sehr anstrengend. Wenn es mal wieder mit der Verständigung nicht klappte, wenn die Gruppe keine Lust hatte oder wenn man vielleicht selbst müde war. Aber es ist uns dann doch sehr schwer gefallen, diese Gruppe wieder verlassen zu müssen. Auch war es meist relativ lustig, mit dem Bruder die Bibeleinführung zu bearbeiten. Am besten fand ich daran das Lied und das Geländespiel. Aber es war, egal wie auch gestaltet, immer sehr interessant und hat Spaß gemacht.
Ich habe diese Mal den frühen, morgendlichen Weg zur Krypta und der katholischen Messe gefunden. Dieses Jahr hat mich unsere Reisebegleiterin dorthin mitgenommen, und ich war überrascht, dass ein Raum, so einfach gestaltet, eine solch schöne Harmonie verströmen kann. Die drei Gebete am Tag habe ich dieses Jahr mehr ausgenutzt denn je. Ich saß auch viel an der stillen Quelle (ein wunderschöner Ort des Friedens!) und habe nachgedacht, mit meinen Freundinnen über Leben und Glauben geredet und mich intensiver mit der Bibel beschäftigt.
Nun, was mir dies gebracht hat? Meine Freundinnen haben angefangen, sich nun mehr mit Gott und dem Glauben zu beschäftigen und darüber nachzudenken, und ich habe angefangen, in der Bibel zu lesen. Zudem ist jetzt meine Überlegung, in die Nachfolge Christi zu treten, zu einem Entschluß und festen Wunsch geworden. Ich weiß sehr wohl, dass es auch dort viele Vor- und Nachteile gibt, aber dazu später. Ich bin in Taizé das erste Mal seit acht Jahren zur Beichte gegangen. Danach fühlte ich mich frei und auch froh, es getan zu haben. Zu erst hatte ich ziemliche Scheu, die jedoch schnell verflog. Nun gehe ich auch hier jeden Freitag zur Beichte.
Bei der Kreuzanbetung ist mir eines ganz sicher klar geworden: Wer Taizé nicht im Herzen behält, gehört dort auch nicht hin. Für mich heißt „in Taizé leben“, ein Gefühl der Gemeinschaft, des Glaubens und der Liebe teilen. Und nicht, wie manche meinten, um dort nur Spaß zu haben! Klar, Spaß kann man bei Euch jede Menge haben, aber dass ist doch nicht das Einzigste. Das Chorsingen war ebenfalls eine neue Erfahrung (in Taizé jedenfalls). Es hat total Spaß gemacht, seine Stimme voll in Einsatz zu bringen.
Was mich an Taizé jedes Jahr so rührt, dass ich wieder komme, ist die Gemeinschaft und das Gefühl, andere Menschen gefunden zu haben, die genauso glauben oder auch noch suchen. Am Rührendsten fand ich dieses Jahr einen kleinen Jungen, welcher neben Frère Roger saß und die ganze Zeit über so unglaublich fromm und mit sichtlicher Liebe dabei war! Die Segnung in der „Nacht“ des Gebets vor dem Kreuz von Frère Roger hat mich sehr nachdenklich gemacht. Dieser Mann schafft es, so viele Mensch anzuziehen und hat dabei schon so vieles durchgemacht. Wenn ein Mensch stark ist, dann ist er es auf jeden Fall! Ich bewundere ihn zutiefst und hoffe, er bleibt uns noch lange hier auf Erden erhalten.
Viele Leute aus unserer Gemeinde und auch meine Freunde sagen, dass ich seit dieser Woche in Taizé sehr verändert sei. Das kann ich natürlich nicht beurteilen, aber ich weiß, dass mich innerlich etwas sehr bewegt hat. Ich möchte den Menschen den Glauben vermitteln und ihnen zeigen, wie stark Gottes Liebe ist! Ein Anfang ist dabei schon getan. Seit acht Jahren stehe ich nun zirka acht bis zehnmal im Monat als Ministrantin am Altar, versuche auch den Jugendlichen die Freude am Glauben zu vermitteln, arbeite im Kinder-Liturgie-Kreis mit Kleinkindern an Bibelthemen übers Wochenende, leite eine eigene Ministrantengruppe von fünf Kindern (11- 12 Jahre alt), arbeite ehrenamtlich im St. Paulus- Altenheim und engagiere mich für ein Don Bosco Projekt für hungernde und kranke Kinder in Kongo. Bisher habe ich 407,20 Euro an Spenden zusammen. Und das Projekt läuft noch!
Aber ich will nicht überheblich wirken!
Gott segne Euch und Eure Arbeit
Melanie, Bonn
