Lebendig ist in Taizé das Engagement für Versöhnung
Marit (15 Jahre) schrieb uns: ”Wo ist Gott, wenn das Leid zuschlägt? Er sitzt mit uns mittendrin. Neben uns. Und weint unsere Tränen mit. Das ist gewiss.”
“Als ich in der woche nach dem tod (also in der woche der beerdigung) in taizé war, war ich das 1. mal da und ich konnte leider frere roger nicht mehr kennen lernen. trotzdem und vielleicht gerade deswegen habe ich persönlich eine wahnsinnig tolle zeit erlebt. noch nie habe ich so viel gemeinschaft erfahren. es war unfassbar wie freundlich alle miteinander umgingen egal welche hautfarbe man hatte oder sprache man sprach. Hier in taize habe ich das 1. mal wirklich gespürt dass es egal ist wie man aussieht und diese erfahrung war wunderschön”, schreibt Katharina aus Franken.
“Wir beten für Frère Roger und die arme Seele, die ihn umgebracht hat”, schreibt Mario aus Hannover, einer von so vielen.
“Als wir zwei Wochen vor unserer Abreise von dem schrecklichen Tod Frère Rogers gehört haben, sind wir von vielen darauf angesprochen worden, ob wir überhaupt noch nach Taizé fahren wollen. Doch nach kurzem Überlegen stand für uns fest, dass wir trotz des Attentats nach Taizé gehen würden. Als wir dort ankamen, waren wir sehr überrascht wie offen die Jugendlichen und die Brüder mit dem Tod Frère Rogers umgehen. Während einer Bibeleinführung zum Thema Vergebung meinte ein Bruder: Sein Tod war schrecklich, aber es ist Okay. Diese Aussage zeigt wie wichtig Versöhnung für die Brüder ist und dass sie sogar in so einer schweren Situation an diesem Grundsatz festhalten. Es hat uns sehr beeindruckt, dass die Brüder schon nach so kurzer Zeit der Attentäterin völlig verziehen und sie sogar in ihre Gebete aufgenommen haben”, schreiben Jugendliche aus Oberkirch (ganzer Bericht).
In Deutschland und Österreich fanden spontan kleine und größere Gebete statt: “Ich wollte nur mitteilen das meine junge Gemeinde am 15.9. eine Taizénacht veranstaltet. Wir wollen auch in Dessau noch mal an Frère Roger und sein Leben erinnern und auch ein paar besinnliche stunden miteinander verbringen denn viel ist in letzter zeit nicht nur in der welt geschehen sonder auch bei unseren freunden und in unserer familie.Und wo sonst haben wir die möglichkeit mal mit einanderen in ruhe über uns und unsere sogen zu reden und eins einfach mal ganz auf uns einzulassen. viele hetzen von termin zu termin und machen sich sorgen wie es weiter gehen soll nicht nur in bezug auf den abschluss sondern auch so. und da haben wir uns gedacht wir laden alle ein die daran interessiert sind und sich auch wieder auf die wesentlichen dinge des lebens konzentrieren wollen“, schreibt Andrea aus Dessau.
“Wir haben viel für die Brüder in Taizé gebetet in den letzten Wochen. Die traurige Nachricht von Frère Rogers Tod hat uns auf einem Pfadfinderlager erreicht. Wir waren anfangs sehr geschockt, aber es überwog dann sehr schnell der Dank für sein erfülltes und segenbringendes Leben. Ich habe mit meinem Freund, der auch schon mal in Taizé war, gleich für den selben Abend noch eine Taizé-Andacht im Gedenken und Dank an Frère Roger gestaltet. Neben dem Gebet für Roger und alle anderen Brüder, haben wir natürlich auch die Rumänin in unser Gebet eingeschlossen. Wir haben an diesem Abend noch sehr lange in der kleinen Dorfkirche gesessen und Taizé-Lieder gesungen, in dem Bewusstsein, dass wir in dem Moment in der Gesellschaft vieler anderer Christen waren. Wir waren beeindruckt und sehr froh, als wir hörten, dass das Leben in Taizé wie gewohnt weiterlief. Wir bewundern die Brüder dafür. Ich bin sehr dankbar für das, was Frère Roger erreicht hat, nämlich weltweite Verständigung und Verbundenheit. Das habe ich in diesen Sommerferien wieder deutlich gemerkt, als ich in Südafrika war und dort viele Leute getroffen habe, die aller zwei Wochen zu gemeinsamen Taizé-Gebeten gehen. Ich wünsche den Brüdern die Kraft, den Mut und das Vertrauen, Taizé in seinem ursprünglichen Sinne weiter zu führen, sodass es auch weiterhin eine beliebte Anlaufstelle für tausende von Menschen ist, ein Ort der Ruhe, der Spiritualität, der Begegnung und des Vertrauens”, schreiben Angela und Tobias aus Sachsen.
Bilder der Tage nach dem Tod von Frère Roger und von der Begräbnisfeier mit den bewegenden Worten von Frère Alois und dem Gebet für die Frau, die Frère Roger tötete “Vater, verzeih ihr, sie wusste nicht, was sie tat” findet ihr auf den Seiten von Taizé.
Marianne aus Premnitz, die mit einer Jugendgruppe in Taizé war schreibt: Wir waren mit 12 Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren im Juli 2005 in Taizé. Alle, außer ein Mädchen, waren das erste Mal dort. Sie waren alle zutiefst beeindruckt, “Hier können wir so sein, wie wir sind.”, das sagten viele von ihnen. Dass Bruder Maxime den Jugendlichen seine leibliche Familie in den Bibelarbeiten so nahe gebracht hat, hat auch vielen gefallen. Sie möchten nächstes Jahr alle wieder mitkommen. Aus Anlaß des Todes von Bruder Roger hatten wir am 19. 8. hier in Premnitz eine Nacht der Lichter. Es sind viele gekommen auch von den Jugendlichen der diesjährigen Fahrt. Alle sind sehr traurig über diesen schrecklichen Tod, aber im Gebet haben wir eine Gemeinschaft gespürt, die uns trägt. Alle Anwesenden sind dankbar dafür, Bruder Roger persönlich kennengelernt zu haben. Am Beerdigungstag werden wir die Kirche hier zu einem stillen Gebet öffnen. Im Namen aller Taizéfahrer sende ich herzliche Grüße – verbunden im Gebet und in der Stille – eure Marianne Florstedt aus Premnitz.
Irena schreibt: Als im August Frère Roger Schutz umgebracht worden ist, bin ich kurz entschlossen zu seiner Beerdigung gefahren. Ich hatte den Gründer der ökumenischen Gemeinschaft in Taizé erst als sehr alten Mann kennen gelernt.
Oder besser gesagt, ich hatte ihn bei den Gebetszeiten von weitem gesehen. Trotzdem habe ich ihm gegenüber ein dankbares Gefühl und wollte ihm die letzte Ehre erweisen. Dankbar bin ich Frère Roger vor allem, weil er in Taizé Jugendlichen einen Platz in der Kirche gegeben hat. Wenn ich Jugendlichen einen Ort zeigen will, wo Christentum und Kirche lebendig sind, dann fahre ich mit ihnen nach Taizé.
Lebendig ist in Taizé der Glaube. Der Tag der Beerdigung von Frère Roger war nicht so sehr von Trauer bestimmt. Natürlich, die Brüder der Gemeinschaft und alle, die gekommen waren mussten sich von ihm verabschieden. Er wurde in den Sarg gelegt und der Sarg ins Grab. Und doch war an den Liedern, die wir sangen, und an der Art, wie wir miteinander umgegangen sind, zu merken: Wir begleiten jetzt Frère Roger nicht nur zu seinem Grab, sondern auch an die Himmelstür.
Lebendig ist in Taizé das Engagement für Versöhnung. Versöhnung zwischen den Völkern und zwischen den Kirchen. Wie geht Versöhnung aber mit dem, der Gewalt ausübt und einen Menschen tötet, der mir nahe steht? Da wird Versöhnung ganz schwer. Der neue Prior der Gemeinschaft von Taizé hat zu Beginn des Gottesdienstes für die Frau gebetet, die Frère Roger erstochen hat: „Gütiger Gott, wir vertrauen deinem Verzeihen Luminiça Solcan an, die durch eine krankhafte Tat dem Leben unseres Bruders Roger ein Ende bereitet hat. Mit Christus am Kreuz sagen wir zu dir: Vater, verzeih ihr, sie wusste nicht, was sie tat.“ Und einige Brüder von Taizé haben den Jugendlichen in Deutschland vor ein paar Tagen dazu geschrieben: „Gewalt und Leid sind einfach schlimm und können nicht gut geredet werden. Sie dienen zu nichts. Wenn wir aber unvermeidliches Leid annehmen, so gut es geht, kommen wir einander näher und verstehen uns ohne große Worte.“ Lebendig ist in Taizé der Sinn für Einfachheit: Nach der Beerdigung war die ganze Gottesdienstgemeinde von um die 10000 Menschen auf den Hof der Brüder eingeladen, zusammen mit dem Kardinal und den anderen wichtigen Persönlichkeiten. An alle Gäste wurden Honigkuchen und Zitronentee ausgeteilt. Wer seine Gäste so unkompliziert bewirtet, kann wirklich viele einladen.
Lebendig sind aber in Taizé vor allem die Jugendlichen selbst. In dieser Atmosphäre muss man ja aufleben.
