In Frankreich, und in Korea, Portugal, Polen, England – und den USA

Das besondere an Taize sind nicht nur die Leute, die man dort trifft, sondern vor allem die Offenheit in den Gesprächen. Überall – auch bei mir selbst – fand ich diese Bereitschaft, zuzuhören und sich selbst zu öffnen, oft aus dem einfachen Bedürfnis heraus, das, was man im Gebet erlebt hat, zu teilen und weiterzugeben.

Als ich im Frühjahr in Taize war, waren wir nur sehr wenig Leute – um die 100 Pilger. Neben einer großen Gruppe Deutscher waren auch ungefähr 50 Jugendliche aus den Vereinigten Staaten zu Besuch. Für die meisten war es das erste Mal, dass sie in Taize waren. Es war bemerkenswert, Taize durch ihre Augen zu sehen – die meisten kamen aus Arizona und ich werde bestimmt nie vergessen, wie sie sich über die grünen Hügel und die hohe Luftfeuchtigkeit gefreut haben. Ein Mädchen bemerkte (typisch amerikanisch): „Es ist so schön, hier muss ich nur einmal am Tag Feuchtigkeitslotion auftragen.“ …

Was ich aber am schönsten fand, waren die Gesprächsrunden. Die Fragen flogen nur so hin und her. Die Amerikaner wollten etwas über die Kirche in Deutschland und Europa wissen, wir konnten endlich mal nachbohren, was es denn nun mit der amerikanischen Frömmigkeit, Patriotismus und den Freikirchen auf sich hat. Diese Jugendlichen waren auf einem „spiritual growth trip“ – sie hatten fast $1000 bezahlt, um für eine Woche in Taize zu sein! Eine von ihnen bemerkte einmal: „Ihr Europäer seid so offen, ihr geht so völlig ohne Vorurteile auf alles zu.“ Wir guckten uns an und gestanden schließlich, dass wir durchaus schon eine Meinung über die Amerikaner hatten…aber auch, dass die vergangenen Tage viel daran geändert hatten. Hier gab es endlich mal die Gelegenheit, mit Amerikanern über den 11. September zu reden – abseits von aller Politik, und so entdeckten wir, dass es den meisten Jugendlichen nicht viel anders gegangen war als uns: Wir waren alle geschockt gewesen, sollte man Terror mit Krieg vergelten? Nicht jeder Amerikaner steht hinter dieser Politik, und die, mit denen ich mich unterhalten habe, suchten genauso nach Antworten wie ich auch – woher kommt der Hass, und was tut man am besten dagegen? 

Manchmal ging es aber auch um ganz banale Dinge – Tornados im mittleren Westen, oder woran man einen typischen Amerikaner erkennt. Den Amerikanern waren stille Zeiten und Gespräche in „sharing groups“ schon aus ihrer Heimatgemeinde vertraut, und ich fand diese Gesprächskultur sehr erfrischend, vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der über den Glauben und persönliche Dinge geredet wurde. Die Fragen auf den Zetteln waren oft nur Anstöße für tiefergehende Gespräche über Dinge, die uns alle bewegten – Christ sein im (atheistischen) Alltag, Verlust, Ängste, Freundschaft, und nicht zuletzt, was für Vorstellungen wir eigentlich von Gott haben. Wir haben unsere Gedanken wirklich miteinander geteilt, und viel voneinander mitgenommen. Das gilt nicht nur für die amerikanische Gruppe, die gesamte Woche in Taize war durchdrungen von solchen Begegnungen, Menschen, mit denen man reden konnte, aber auch viel Kennenlernen und Vorurteile abbauen. Einen Abend saßen wir zusammen, eine Engländerin, ein Koreaner, ein Portugiese und drei Deutsche, und haben uns einfach gegenseitig über das Leben in unseren Ländern ausgefragt. Wir sind nach Frankreich gereist, aber eigentlich waren wir auch in Korea, Portugal, Polen, England und den USA. Wenn wir in der Lage sind, diese Offenheit mit nach Hause zu nehmen, können wir schon sehr viel verändern.

Cornelia, Berlin/ Leipzig


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