ein sooooo wunderschöner regenbogen, dass auferstehung wieder einmal sichtbar wurde…

hallo.

vor einigen wochen haben suse und ich auf dieser seite um eine unterkunft auf unserer radtour nach taizé gebeten. aus ganz deutschland haben uns leute geschrieben, die über die freundin der cousine des mannes ihrer besten freundin davon gehört hatten….dafür noch einmal herzlichen dank. hier kommt nun ein kleiner reisebericht…..wenn ihr euch also jetzt schon langweilen solltet, hört hier auf zu lesen. ; )

wir sind am 4.8. in premnitz losgefahren und haben abends, nach 101 km, bei familie k. in niederndodeleben übernachtet, die uns so wunderbar nett aufgenommen haben, dass wir den ganzen urlaub lang davon geschwärmt haben. schon da begann der urlaub eher eine pilgerreise zu werden, als ein gewöhnlicher radurlaub. das setzte sich auch fort….um nicht jeden tag einzeln hier zu dokumentieren, ein paar zusammenfassungen:

wir haben übernachtet in: niederndodeleben, halberstadt, harzgerode, kelbra, gotha, flohseligenthal, ehrenberg wüstensachsen, gemünden, wertheim, heidelberg, friedrichsthal bei karlsruhe, rheinstetten, in irgendeinem kleinen namenlosen kaff 70 km vor basel, in basel und dann in taizé.
wir haben folgende gebirge (kamen uns jedenfalls als solche vor) die fahrräder schiebend erklommen: magdeburger börde, den harz, den thüringer wald (der rennsteig war auf der karte nicht eingezeichnet und wir kamen oben völlig fertig an…Wink, die rhön, ein bisschen den spessart……irgendwie ging das alles in einander über und es war nicht nur schön, bei 13°c, gegenwind und regen in die rhön hineinzuschieben und bei 30°c und 12% steigung wieder hinaus……..aber wir haben vom schieben muskeln in den oberarmen bekommen….. : )

braun wurden wir, suse etwas weniger, ich etwas mehr, an vier oder fünf tagen, an denen wir pure sonne und dementsprechende hitze hatten……in seliger erinnerung an die ungewollte (weil verfahrenen) stadtrundfahrt in straßburg, mittags um 13.30 bei 37°c……..sonst hatten wir viele wolken über uns, die viel viel regen runterfallen ließen und in der rhön am kreuzberg soviel, dass wir innerhalb von zwei minuten bis auf die unterwäsche pitschnass wurden…….doch der regen an diesem tag hatte auch gutes: völlig nass kamen wir in einem kleinen dorf an, heidi hackl, eine total nette lustige frau in den 30ern schloss uns ihre garage zum unterstellen auf und nachdem wir uns umgezogen hatten kam sie mit einem zehn-euro-schein und ihrer adresse hinaus: “und schickt mir mal ne karte, wenn ihr angekommen seid, dass ich weiß, dass es euch gut geht!” sie sagte uns wo der nächste bus abfuhr. dank ihrer 10 euro konnten wir den bus nach gemünden bezahlen (wir hatten selbst nämlich nicht mehr genug und hätten sonst einfach im regen weiterfahren müssen) und fuhren fast zwei stunden durch den verregneten, dampfenden und duftenden spessart. falls jemand heidi hackl aus wildflecken kennt: tausend dank an dieser stelle an sie.
an einem tag sind wir mit der deutschen bahn (deinem freund und helfer in jeglicher not….haha, viel verspätung ohne ende…..) gefahren, weil es den ganzen tag wie aus eimern geschüttet hat. die oberarmmuskeln bewährten sich, denn zwei räder mit jeweils 25kg gepäck in den und aus dem zug hinauszuhiefen, war nicht nur schön……

die fahrt wurde zu einer pilgerreise, weil wir in unterschiedlichen orten, wo wir keinen campingplatz gefunden haben, oder die eingezeichneten jugendherbergen seit mindestens 10 jahren nicht mehr existierten, in den pfarrämtern gefragt haben, ob es ein stück wiese gäbe…….in harzgerode wurde uns abends im regen noch heißer tee und frischgebackener kuchen von der pfarrfrau gebracht, in flohseligenthal durften wir nicht auf der wiese, aber im frisch-eingeweihten gemeindehaus im jugendraum übernachten, mit kochgelegenheit und internet, in friedrichsthal hat uns die jugendreferentin in ihre wohnung eingeladen, die sie selbst erst seit 5 tagen bewohnte, wo wir sie dann bekocht haben und einen wunderbaren abend verbrachten. das war der abend, an dem frère roger in taizé umgebracht wurde, was wir am nächsten morgen im radio gehört haben…..der abend endete also nicht so fröhlich………..

am 19.8. kamen wir in basel bei unseren freunden an….am nächsten morgen habe ich entschieden, dass ich gerne bei der beerdigung (23.8.) von frère roger mithelfen und dabei sein wollen würden (mit dem gefühl: wenn jemand aus der familie stirbt, bleibt man nicht im urlaub, sondern fährt selbstverständlich zur beehrdigung) und suse war damit einverstanden, gleich an diesem tag mit der bahn den rest der strecke nach taizé zu fahren. wir haben aber keine passende bahnverbindung gefunden. bekannte von uns aus premnitz sind genau an diesem samstag nach taizé gefahren und nach vielen telefonaten konnten sie über basel fahren und haben uns nachmittags abgeholt. so waren wir schon am 20.8. um 17 uhr in taizé, anstatt erst zwei oder drei tage nach der beerdigung anzukommen.

die zwei wochen in taizé waren sehr erfüllt von trauer, wiedersehensfreude, vielen gebeten (die auch geholfen haben), interessanten gesprächen, wunderbaren spaziergängen und soviel hoffnung, wie ich sie selten gespürt habe. ich dachte, nach frère roger’s tod seien alle total traurig und würden nicht mehr handeln können, aber im gegenteil: ich habe in der zeit in taizé gespürt, dass die menschen nun noch viel dringender für versöhnung und frieden sorgen wollen, so wie es frère roger sein leben lang getan hat. sie waren traurig, aber sie haben sich davon nicht lähmen lassen……..der absolute friedliche wahnsinn….
am abend der beerdigung, nachdem es den ganzen tag geregnet hatte, stand über dem hügel ein sooooo wunderschöner regenbogen (wahrscheinlich gab’s bisher noch nie so einen), dass für mich die auferstehung wieder einmal sichtbar wurde…….ich konnte eigentlich nicht mehr traurig bleiben…….

die vier wochen unterwegs waren für mich sehr bereichernd, fröhlich, sportlich und haben viele neue erkenntnisse gebracht….
da ihr alle mehr oder weniger daran beteiligt wart, möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken: herzlichsten dank.
ich wünsche euch, dass ihr selbst so wunderbare erfahrungen macht, aufgenommen werdet oder leute aufnehmt…….

viele grüße,
eure christin/chrissi/tine


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