Ein Schild zeigt nach Taizé
Tja, nun bin ich gerade wieder mal aus Taizé zurück gekommen (nachdem ich das dritte Mal da war) und kann nur sagen, dass ich jedes Mal wieder unglaublich bewegende Erfahrungen mitnehme.
Wir sind dieses Jahr als private Gruppe zu dritt nach Taizé gefahren, nachdem wir unser schriftliches Abi hinter uns hatten, und ich muss zugeben, dass ich dieses Mal eigentlich nur die Erwartung hatte, mich ein wenig auszuruhen, für Gebete Zeit zu haben und vielleicht wieder einige interessante Leute kennenzulernen.
Als ich vor drei Jahren das erste Mal hinfuhr war ich noch krank gewesen (Essstörung) und hatte dort den ersten Anstoß gefunden, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen. Beim zweiten Mal hatte ich dann eine lange Therapie hinter mir, befand mich aber immer noch auf der Kippe. Inzwischen jedoch bin ich gesund und insofern war ich mir sicher, dass der diesjährige Besuch wesentlich “undramatischer” werden würde als die beiden davor, die mein Leben doch ziemlich einschneidend gelenkt hatten.
Aber ich habe festgestellt, dass man aus Taizé immer etwas mitnimmt, auch wenn man vorher das Gefühl hat, fest und sicher auf dem Boden zu stehen. In diesem Jahr gab es zwei Erlebnisse, die ich sicher lange in meinem Herzen tragen werde.
Das erste trug sich eines Abends in der Kirche zu: Eine ältere Amerikanerin saß allein auf den Treppenstufen an der Seite des Kircheninneren und ich beschloss, mich zu ihr zu setzten, weil sie so einsam aussah. Nachdem wir drei Lieder gesungen hatten stand sie auf, strahlte mich an und sagte auf breitem Amerikanisch: “Thanks for comin´, you made my day”. Dann wollte sie eigentlich schon gehen, drehte sich aber noch einmal um und meinte zu mir “you will sing in heaven”. Ohne dass ich das groß erklären kann hat mich das doch zutiefst gerührt, vor allem weil es so eine kleine Geste ist, sich kurz zu jemandem zu setzten – und wo sonst kann einem sowas passieren? – doch wohl (leider) nur in Taizé.
Das Zweite, was für mich über allem anderen heraussticht war eine Unterhaltung mit einem Bruder, in der er meinte, man könne sich das Leben als Autofahrt vorstellen: Der Mensch bekommt von Gott das Auto und den Fahrplan, und Gott stellt die Schilder auf, aber fahren muss der Mensch selbst und der muss selbst entscheiden, wohin er fährt, und ob er die Schilder beachtet.
Diese Vorstellung gefällt mir einmal, weil sie so einfach formuliert ist und zum anderen, weil sie alles befriedigt: mein verlangen nach freiheit aber auch das nach sicherheit.
Natürlich gibt es noch unzählige anderer wertvoller Erfahrungen, die ich in Taizé dieses Jahr gemacht habe, aber diese beiden sind für mich die bewegendsten und allein dafür hätte es sich schon gelohnt, die Reise wieder zu unternehmen. Und ich bin mir sicher, dass auch in Zukunft immer wieder ein Schild nach Taizé zeigen wird und ich mich wieder ins Auto setzten werde um mich wieder viele neue, wertvolle Momente dort zu erleben.
Carina
