Die besten Worte die mir einfallen sind: Friede und Liebe
Liebe Taizé-Brüder
Ich hatte das Glück zum dritten Mal nach Taizé kommen zu können und ich habe das Gefühl, ich muss euch unbedingt schreiben wie wichtig ich die Arbeit finde die ihr tut und wie dankbar ich bin, dass ihr euch so für uns Jugendliche einsetzt. Gott habe ich schon gedankt, schon die ganze Zeit als ich da war
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll…
Ein Bruder sagte früher mal zu uns: „Wenn ihr eine Weltreise machen wollt, dann kenne ich da einen kleinen Ort in Frankreich…“ In Taizé macht man aber nicht nur kulturell eine Weltreise, sondern auch im eigenen Innern. Man lernt Orte kennen, von denen man gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gab.
Besonders schön finde ich die gemeinsamen Gebete. Ich singe sowieso sehr gern, aber in der Gemeinschaft von Taizé ist jeder Satz, ist jeder Atemzug Gebet. Mit jedem Satz wird der ruhelose Geist in einem stiller. Die Gedanken sinken irgendwo auf den Grund und zurück bleibt eine warme, klare Stille.
Wenn nach dem Abendgebet fast alle gegangen sind und die Lieder verklingen und schließlich ganz aufhören, ist dieses Gefühl am stärksten. Man ist mit 3 oder 4 Leute in dieser großen Kirche, die Kerzen sind gelöscht und die Gebetsbänkchen wieder aufgeräumt. Dann breitet sich die Stille in einem aus und der Geist wird ganz leer und leicht. Diese Stille kann man in sich selbst aufbewahren, in einer kleinen, klaren Kugel und sie immer wieder öffnen, wenn die Hektik und der Stress des Lebens einen zu ersticken droht.
In dieser Stille fängt man an Gott “sprechen” zu hören. Ich wäre am liebsten in der Kirche eingezogen, wenn das möglich gewesen wäre
Es ist erstaunlich wie man in der Zeit für das schweigende Gebet mit sich selber und mit seinem Glauben konfrontiert wird. Und erstaunlich ist auch, dass so viele Jugendliche zusammen schweigen können. Bei uns in der Schule war es für viele schon schwer EINE Schweigeminute für die Opfer der Flutkatastrophe durchzuhalten.
Als ich das erste Mal in Taizé war, ist die Bibel für mich lebendig geworden. Vorher dachte ich: “Jo, ganz gutes Buch, stehn ein paar nette Sachen drin.” Aber meine aller erste Bibeleinführung war sehr intensiv und ich habe für mein Leben viele wichtige Dinge mitnehmen können. Seit dem sehe ich die Bibel mit anderen Augen.
In Taizé finde ich jedes Mal ein kleines Stückchen näher zu Gott und zu mir selbst. Ohne euch und euren unermüdlichen Einsatz wäre das nicht möglich.
Ich bewundere euch für das was ihr seid und tut und hoffe, dass euch die Energie nie ausgehen wird!
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel Gutes ihr den Jugendlichen tut und wie viel Friedensarbeit ihr leistet. Ihr seid das Herz von Taizé. Gott ist so spürbar, nah und wirklich durch euch. Der Heilige Geist sprüht förmlich aus euren Augen. Das habe ich bisher nur bei sehr, sehr glücklichen oder frisch verliebten Menschen erlebt.
Ich wurde noch nie so tief angesehen wie von euch Brüdern. Bei Frère Roger ist es am stärksten. Da hatte ich das Gefühl, er sieht direkt in mich hinein, er sieht nicht das Äußere, die Fassade, sondern er sieht direkt MICH an, mit einer Liebe die einen verstehen lässt was von Gott geliebt zu werden wirklich heißt. “Gott ist Liebe”. Der Verstand versteht das immer sehr schnell, aber wenn es das Herz nicht verstanden hat, bleibt es doch nur ein Satz. In Taizé beginnt mein Herz zu verstehen. Zwei meiner Freundinnen, die letztes Jahr dabei waren, haben angefangen zu weinen als sie von Frère Roger so angesehen wurden. Eine von ihnen glaubte nicht an Gott und konnte trotzdem in diesem Moment die unendliche Liebe spüren.
Und doch bleibt ihr Brüder bei allem noch so menschlich. Wenn man an einen Mönch denkt, dann denken die Meisten an jemanden, der den ganzen Tag lang in seiner dunklen Zelle betet, nie lacht, die Außenwelt meidet und immer einen Meter über dem Boden schwebt (oder schweben will). In Taizé wird man eines besseren belehrt. Ihr versucht glaube ich gar nichts anderes zu sein als Mensch und das ist es, was euch den Jugendlichen so nah macht. Ihr zeigt, dass die vom Menschen geforderte “Perfektion” völlig unsinnig ist. Gott hätte uns alle ja gleich und “perfekt” schaffen können, wenn er es so gewollt hätte. Hat er aber nicht. Mit allen unseren Unvollkommenheiten, all unseren Zweifeln und all den Dingen in uns, die wir selbst nicht mögen sind wir perfekt. Genau so wollte er uns haben.
Neben dem grauen Mönch aus der eigenen Vorstellung fühlt man sich klein und minderwertig, neben euch fühlt man sich wichtig und gesehen.
Wir sprachen als wir abreisen mussten darüber, dass wir eigentlich so gern noch geblieben wären, obwohl wir nicht in Worte fassen konnten, was genau der Grund war. Man könnte sagen: Die Gemeinschaft oder die Ruhe und Kraft, die einem das Gebet gibt. Oder man könnte sagen: Die Bibelgruppen, aus denen man so viel für sich mitnehmen kann. Man könnte vieles sagen und trotzdem könnte man es nicht beschreiben. Die besten Worte die mir einfallen sind:
Friede und Liebe. Wenn alle Völker der Welt so zusammen leben könnten…
Taizé ist so, wie ich mir den Anfang vom Reich Gottes vorstelle.
Trotzdem ist es kein Ort, von dem man die Leute die nicht da gewesen sind leicht begeistern kann. An der Oberfläche hört sich das, was man ihnen erzählt nicht sehr attraktiv an: In einem Kloster drei Mal am Tag beten, die Bibel lesen, Massenessen kriegen, Nachmittags arbeiten und dafür auch noch zahlen, das ist nichts für was man den Normaljugendlichen begeistern kann.
Was dann doch überzeugt ist die Gemeinschaft, die gemeinsame Suche, das Kennenlernen von so vielen Menschen und vor allem das Glänzen in den Augen des Erzählers 
Ich kenne fast keinen Ort, an dem Gott so präsent ist. Er erfüllt die Kirche mit seiner Kraft, er zwinkert einem lächelnd zu, wenn man beim Spülen von einem Anderen einen liebevollen Schwall kaltes Wasser über den Kopf kriegt und er hält einen fest an der Hand, wenn man Taizé mit leicht-schwerem Herzen wieder verlässt.
Er ist immer mit uns und in uns und um uns. Das kriegt man in Taizé in sein Herz geschrieben, trägt es überall mit sich hin und kann sich in schweren Zeiten daran wärmen. Daran und an dem Gedanken dass Taizé immer noch am gleichen Platz liegt und auf einen wartet.
Ich habe die Mail in Deutsch geschrieben, denn in Englisch könnte ich mich nicht genau so ausdrücken wie ich es wollte. Trotzdem hoffe ich, dass möglichst viele Brüder sie zu lesen bekommen.
Judith
