Apfelmußschlachten sind nicht gerade hilfreich beim Kochen…

Als eine gute Freundin und ich uns vorgenommen hatten nach Taizé zu fahren, hatte ich überhaupt keine Vorstellungen, was mich dort erwartet. Aber so richtig gestört hat mich das auch nicht, bis genau einen Tag vor der Abfahrt. Ich wußte nicht mehr, ob ich da wirklich hin will. Und war auch kurz davor die Reise abzubrechen und die Woche in Berlin zu verbringen. Immerhin wußte ich, daß es dort keine Möglichkeiten gibt abends tanzen zu gehen, und eine Partystadt ist Taizé ja auch nicht gerade. Zu dem Zeitpunkt war Party aber genau das, was machen wollte. Ich mein, ich hatte die 11. Klasse geschafft und konnte Schule wenigstens für die 6 Wochen hinter mir lassen. Da ich aber nur Gutes von Taizé gehört hatte, konnte und wollte ich mir nicht vorstellen, daß der Urlaub schlecht wird. Also hab ich mich dazu entschieden, die Reise doch anzutreten. Und ein Fehler war es ganz bestimmt nicht. 

Hingefahren sind wir erst mit dem Zug von Berlin nach Karlsruhe und dann mit dem wöchentlichen Pendelbus direkt nach Taizé. Das erste was ich von Taizé gesehen habe, war der Platz wo man Essen bekommt. Dort haben an die 2.000 Leute gesessen und hatten einfach bei allem was sie taten Spaß. Das war schon mal ein guter Anfang.

Als ich dann auch das erste Mal in der Kirche war, war mir ein bißchen komisch. Ich hatte so was noch nie erlebt und wußte nicht wie ich mich fühlen sollte. Den Gottesdienst kann man einfach nicht mit dem vergleichen, der hier in Deutschland stattfindet. In Deutschland geh ich nicht gerne in die Kirche, weil es einfach nur langweilig ist. In Taizé ist es erst mal durch die Menschen eine ganz andere Atmosphäre und die Lieder sind so schön, Kirchenlieder, die man gerne singt. Das Hab ich in Deutschland auch noch nicht erlebe. In der Kirche sitzt man, nicht wie normalerweise auf unbequemen Holzbänken, sondern auf dem Boden. Und man kann einfach so dasitzen, wie es für einen selbst am gemütlichsten ist. Den größten Teil der Gebete wird gesungen. Und dadurch, daß die Kirche total riesig, aber niedrig ist, gibt das einen total schönen Klang. Ein kleiner Abschnitt der Gebete ist einfaches Schweigen. Insgesamt gibt der Gottesdienst einem das Gefühl von Geborgenheit und Freude. 

Danach ging es erst mal ans Zeltaufbauen. Und wie zu erwarten, haben wir es nicht wirklich hinbekommen. Nach einer Stunde stand das Zelt, zwar mit einigen Schönheitsfehlern, aber den Zweck hat es erfüllt. Kurz davor haben wir zusammen einen Kanadier kennengelernt. Und man kann sagen, daß nur durch ihn das Zelt bewohnbar war. Ohne seine Hilfe hätten wir die Nacht im Freien verbringen müssen. Später kam noch der Rest der Kanadier dazu. Ich hatte es davor nicht für möglich gehalten ohne Alkohol, tanzen gehen und allem was dazu gehört, Spaß zu haben. Aber es geht, und wie es geht! Bis um 10 Uhr abends waren wir schon 15 Leute. Wir zwei aus Deutschland, drei Kanadier, ein Schotte, zwei Schwedinnen, zwei Franzosen, 2 Belgier und 3 Engländer. Die Nachtruhe in Taizé ist zwar auf 11:30 Uhr angesetzt, aber man kann auch leise seinen Spaß zusammen haben. Am allerschlimmsten war der nächste Morgen, es war arschkalt als ich aufgewacht bin und ich konnte mich vor Kälte fast nicht bewegen. Eigentlich hatte ich vor zu duschen, aber das ging einfach nicht, keine Chance! 

In Taizé ist 3 mal am Tag Gebet. Das hat sich für mich erst total schlimm angehört, aber da der Gottesdienst total genial war, hab ich mich immer darauf gefreut. Ok, ich war nicht jeden morgen da, aber oft! Sonntags muß man als erstes alles Formale klären. Bezahlen, Essensmarken holen und so weiter. Nachmittags mußte jeder eine praktische Aufgabe übernehmen. Ich hatte die Aufgabe mit einem Team die Kirche aufzuräumen. Nicht das Wahre, aber zum Glück nur ein Job für einen Tag! Man kann sich entscheiden, ob man zu den Bibelgruppen vormittags und nachmittags geht, oder ob man halbtags eine Arbeit übernimmt und halbtags zu der Bibelgruppe geht. 

Ich hab vormittags gearbeitet. In der Küche. Wir waren 11 Leute im Team und mußten für 2.000 Leute kochen. Zum Glück waren in der Woche „nur“ 2.000 Jugendliche da, manchmal sind es bis zu 7.000!! Außer uns zwei Deutschen bestand der Rest des Teams aus Holländern und einer Spanierin, der Köchin Silvia. Ob man es glaubt oder nicht es hat so einen Spaß gemacht. Wie haben zwar auch ziemlich viel Scheiße gebaut, aber auch ordentlich Ärger von Silvia bekommen. Wo ich sie aber im Nachhinein auch verstehen kann. Wir sind oder besser waren dafür verantwortlich, daß alle etwas zu essen bekommen. Und Wasser-, Knoblauch-, Tomatensoße- und Apfelmußschlachten sind nicht gerade hilfreich beim Kochen. Immerhin haben wir meistens die Küche wieder aufgeräumt. Aber sogar dabei haben wir Spaß gehabt! 

Die ganze Woche verlief so, daß ich morgens erst zum Gebet und danach zum Frühstück bin, aber manchmal hab ich so lang geschlafen, daß ich sogar zu spät zur Arbeit bin. Nach dem Küchendienst, war der Mittagsgottesdienst. Beim Mittagessen hatte ich Glück, alle aus dem Küchenteam haben zusammen gegessen und in einem separaten Bereich ohne Anstehen und allem drum und dran. Das war wirklich genial. Es ist nicht so, daß man nicht genug zu Essen bekommt in Taizé, aber es dauert einfach seine Zeit bis alle etwas haben. Außerdem durften wir aus dem Küchenteam so gut wie alles was eßbar war auch essen. Also das heißt, wir hatten an die 20 verschiedenen Joghurts und Puddings zum Nachtisch und einfach eine Riesenauswahl. Das war halt der Vorteil am harten Küchenjob. 

Allerdings weiß ich nicht, was die anderen für Vorteile hatten. Immerhin gab es eine ganze Menge an praktischen Aufgaben, die man erledigen konnte (wie zum Beispiel: Kirche sauber machen, Toiletten putzen, Duschen putzen, Müll wegräumen, Verkäufer im einzigen Laden von Taizé, Oyak, Abwaschen, Essen austeilen, bei verschiedenen Häusern Aufgaben übernehmen und vieles mehr). Das Mittagessen war immer total witzig mit den Holländern. Die haben einfach alles mit Mayonnaise gegessen, egal ob es ein Brötchen, Spaghetti, Reis, Fisch oder Schokopudding war. Nach dem Essen hatte man ein bißchen Freizeit, die ich meistens mit schlafen verbracht habe. 

Die Bibelgruppen waren ab 15:30 Uhr. Es war sehr interessant die Meinung von Leuten aus andern Ländern kennen zu lernen. Ich glaub, ich hab noch nie so viele Leute aus so vielen verschiedenen Ländern auf einmal kennen gelernt! Abends erserst Essen, dann Abendgebet. Danach das, was für mich neben dem Küchendienst das beste vom Tag war: Treffen im Oyak. Da waren einfach alle. Das Oyak ist ein Laden, wo man alles superbillig bekommt. Ich hab noch nie Chips für 15 Cent bekommen. Das ist auch der einzige Ort in Taizé, wo man etwas Alkoholisches zu Trinken bekommt. Also nur Bier und Wein und jeder nur einen Becher am Abend, könnte ja was passieren, nee nee, es ist nur schwierig für so viele Leute mehr als einen Becher am Abend zu organisieren. Jeder Oyakabend sah anders aus. Manchmal haben wir Länderspiele gemacht, welches Land besser ist, was durch Singwettbewerbe entschieden wurde, oder einfach nur zusammen singen und Spaß haben, oder tanzen oder, oder, oder. Es war nie langweilig! Nach dem Oyak ging es dann meistens auf dem Zeltplatz weiter. 

In dieser Woche habe ich so gut wie alle noch so kleinen Vorurteile gegen Nationen verloren und fast überall auf der Welt Freunde, was ich nie gedacht hätte. In der Woche waren sogar ganz viele aus Kanada und Amerika da. Auch Australier und welche aus Afrika. Der Großteil kam aus zwar aus Europa, aber ich hatte nie zuvor etwas mit Schweden oder Holländern zu tun. Oder mit Portugiesen. Mit vielen hab ich mich so gut verstanden, wie ich es am Anfang nie für möglich gehalten hätte und habe selbstverständlich noch Kontakt zu ihnen. In Taizé habe ich eigentlich nur Gute Erfahrungen gesammelt und hoffe, daß ich nie vergessen werde, wie toll es da war. Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr wieder hinfahren. Ich kann sagen, daß die Woche in Taizé zu einer meiner besten und schönsten Wochen meines ganzen Lebens gehört. 

Aline


Suche
Podcasts
Admin