Anderssein als Bereicherung
Meine Ausbildung zur Kindergärtnerin machte ich in Steyr und maturierte vor zwei Jahren. In unserer Schule war uns allen Taizé ein Begriff, einige meiner Freunde waren schon dort gewesen und auch unser Religionslehrer erzählte uns davon. Daher wollte ich nun selbst erfahren, was das Besondere an diesem Ort ist.
Schon vor einem Jahr vereinbarte ich mit meiner Freundin, im Sommer 2003 zu fahren. Kurz vorher wollte ich dann doch nicht mehr, da eine Hitzewelle angekündigt war und ich mir für meinen Sommerurlaub was Komfortableres vorstellte. Aber versprochen war versprochen, und wir fuhren mit Zug und Bus (Loacker-Tours) nach Frankreich.
Der erste Tag war nicht sehr angenehm: lange Wartezeiten und diese sengende Hitze… außerdem war das Essen nicht so wie daheim und die Toiletten dreckig. Doch schon am zweiten Tag besserte sich mein Eindruck. Ich lernte, wie man sich mit einem Löffel die Butter aufstreicht, dass man nur mit Schuhen in die Toilettanlagen gehen sollte, dass das Nassmachen meiner Haare fast die selbe Wirkung wie ein Sprung in einen Pool hatte und noch vieles mehr. Also passte ich mich den Gegebenheiten an und begann, es zu genießen.
Wir wurden in Gesprächsgruppen eingeteilt, in denen sich im Laufe der Woche eine wunderschöne Gemeinschaft ergab. Zum Reden und Philosophieren mit den Jugendlichen aus verschiedenen Ländern suchten wir uns immer kühle Plätze in den Baracken und hatten so ein entspanntes Gesprächsklima, bei dem Fragen aufgeworfen, Themen diskutiert und unser geistiger Horizont enorm erweitert wurde, denn jeder hat andere Erfahrungen, eine andere Vergangenheit, eine andere Meinung…
Faszinierend fand ich auch das abendliche Zusammensein im Ojak. Das ist ein Platz, an dem man bis Mitternacht laut sein darf. Dort wurde Gitarre gespielt, aber auch andere Instrumente traf ich dort an: Klarinette, Dudelsack, Djembe, … und viele viele Jugendliche aus verschiedenen Teilen der Erde, singend, tanzend, offen für interessante Gespräche… Wer jedoch lieber alleine war, konnte auch in der Nacht noch die wunderschöne Kirche besuchen und nachdenken, lesen, schreiben, zeichnen,…
Die Woche hat mir sehr gut gefallen, da ich Dinge erlebte, die ich vorher nicht für möglich gehalten habe:
- verschiedenste Jugendliche, alle sehen anders aus, gehen aufeinander zu und sehen das Anderssein als Bereicherung.
- es gibt gewisse Lieder, die jeder kennt, egal ob schwarz oder weiß, und das verbindet.
- ich esse seit dem Taizé-Aufenthalt wieder viel bewusster und weiß zu schätzen, wie gut wir es hier in Österreich haben.
- ich habe Anregungen erhalten, mich mit meinem Glauben auseinanderzusetzen. Diese Anregungen waren für mich sehr greifbar, da sie von jungen Menschen wie ich es bin stammten.
…und ich empfehle jeden, einmal in Taizé gewesen zu sein, denn jeder nimmt was anderes mit, aber jeder nimmt irgendwas mit, was für ihn sehr wichtig ist…
Birgit
