„Vigilate et orate“
Als unser Bus, mit den aufgemalten bunten Schmetterlingen, losfuhr und wir Taizé hinter uns ließen, war es erst ziemlich still.
Doch dann – ein leises: „In manus tuas, pater, commendo spiritum meum,…“. Es dauerte nicht lange und der gesamte Bus stimmte ein. Ich war bestimmt nicht die Einzige, die sich nach diesem ersten Taizé-Besuch zurücklehnte und sich schwor: Hier war ich nicht das letzte Mal. Dabei hätte das, was ich zuvor über Taizé gehört hatte und was sich schließlich auch bestätigte, weniger dazu beigetragen. Das Anstellen, beispielsweise, um dann mit knurrendem Magen sein Essen entgegenzunehmen, konnte schon manchmal über eine halbe Stunde dauern. Hatte man dann endlich sein rotes Trinkschälchen, die Kekse und das Obst in der Hand, ging es erst mal darum, die Pampe auf den Tellern zu definieren: Reste vom Vortag mit den Resten vom Tag davor? Keiner wusste es wirklich so genau. Im Endeffekt war das auch egal. Mehr von Nöten war es nämlich, dieses Irgendwas aufzuessen, bevor es samt Hand einfror (denn zu jeder Jahreszeit und bei jeder Temperatur wird draußen diniert).
Der nächste abschreckende Fakt, über den sich bestimmt am leichtesten hinwegsehen ließ, war die Geschlechtertrennung. Für liebestolle Mitreisende sicher eine Tortur, ich fand diese Festlegung jedoch sehr angenehm (Klatsch und Tratsch am Abend, ganz ohne Mannsvolk – herrlich).
Aber all diese mehr oder weniger negativen Aspekte konnte man in die Ecke stellen für das, was die restliche Zeit passierte. Die Andachten (morgens, mittags, abends), so ergreifend, so emotional. Auf der einen Seite so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Auf der anderen Seite erfüllt von Gesängen tausender Menschen, dass man das Gefühl hatte, die ganze Welt könnte es hören. Man hatte auch zwischen den Andachten Zeit, in sich zu gehen, die Seele frei von Sorgen zu machen oder einfach nur nachzudenken – worüber auch immer. Auch die tägliche Arbeit nahm man mit einer Gelassenheit, mit der man es zu Hause niemals könnte. Gut, eventuell habe ich auch leicht reden, weil ich im Kirchenchor war. Aber ich glaube, ich rede hier auch im Sinne aller, die es nicht waren – es ist einfach etwas anderes. Man geht mit einer anderen Einstellung an den Tag und das Leben heran, dass eine Atmosphäre entsteht, die sonst nirgendwo anders zu finden ist. Wirklich (fast) jeder einzelne Mensch dort ist freundlich, man versteht sich mit (fast) jedem, auch wenn er nicht die eigene Sprache spricht. Jetzt im Rückblick ist es ein großartiges Gefühl, dort gewesen zu sein. Wir hatten wirklich einen riiiiiiiiiieeeeesen Spaß 
Und ich glaube, mein Aufenthalt in Taizé hat mir sehr gut getan. Denn Taizé heißt verzeihen. Das kann ich jetzt- vor allem mir selbst.
Anne, Erfurt
