„Ein Vollbad in der Liebe Gottes!“
meint Karin aus Österreich über ihre Woche in Taizé
Eigentlich lässt sich über Taizé nur schweigen oder singen. Dass die Gesänge noch in meinem Ohr und in meinem Herzen sitzen, bestätigt mich darin. Mir fällt dazu das Schriftwort ein: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.“ Lk 19, 40
Wie lässt sich Taizé nun doch beschreiben? Mir ist dazu folgendes Bild eingefallen: „Ein Vollbad in der Liebe Gottes!“
An diesem Ort passiert Glauben im Gehen. Gott liegt hier förmlich auf der Straße. In der Begegnung mit Menschen, die aus verschiedenen Orten und Standpunkten kommen, den Brüdern und in allem Gott.
Am ersten Abend ging ich nach vielen Gesängen aus der Kirche und warf noch ein Mal einen Blick zurück – Tränen stiegen hoch. So viele junge Menschen, die, im Gesang vertieft oder sich davon tragen lassen, einander in den Armen liegen, staunend, einfach da sind. Das Bild Jugendlicher, die vor der Kirche anstehen, schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil sie hineinwollen – und es gibt dort nichts anderes als Gebet – hat mich zum Lachen gebracht. Ein faszinierendes, Hoffnung bringendes Szenario.
Menschen werden hier ernst- und wahrgenommen; ohne wenn und aber.
Vor den Brüdern habe ich Hochachtung! Nicht der „Bequemlichkeit“ zu folgen, das Heil innerhalb der eigenen vier Wände zu suchen, sondern sich Woche für Woche den vielen – jugendlichen – Menschen auszusetzen, ist einfach beachtlich (und bestimmt nicht immer einfach!)
Das Wort steht mitten unter den Menschen, ganz bei den Kindern. Das ist eine Tatsache, die ich sowohl im Umgang miteinander, als auch in der Kirche sehr schätzte. Das Bild, Kinder in die Mitte zu nehmen, ihnen den Segen zukommen und spüren zu lassen fühlt sich wunderbar an. Ihr Brüder reiht euch in den Bereich der Betenden und bildet keine Elite. Die Sitzgelegenheit erleichterte es mir, auch im Gebet „am Teppich zu bleiben“. Es entsteht dadurch auch keine abgehobene Liturgie.
Eine für mich wunderbare Erfahrung waren die heilendvollen Gesänge. Ich habe mehr als ein Jahr meine Stimme verloren. Zuvor sang ich in einem Chor und wandte dieses Instrument selbstverständlich an. Der Stimmverlust, das Unvermögen, nicht singen zu können und zu dürfen, brach mir manchmal das Herz. Seit dieser Zeit, versuchte ich mich hin und wieder im Singen, aber nur sehr vorsichtig und nicht lange. In Taizé gelang es wunderbar, im wahrsten Sinn des Wortes. Meine Stimme blieb stabil, keine Heiserkeit, kein brüchiger Klang. Ich bin einfach dankbar für diese Harmonien!
Das Gesprächsangebot der Brüder in der Kirche ist so natürlich an zusehen. Ihr kommt den Menschen entgegen und wartet nicht, bis sie den Weg zu euch finden. Der letzte Text beschreibt dazu meine Wahrnehmung.
Zuletzt möchte ich gerne eine Mitfahrerin zitieren: „Würde ich mich die ganzen restlichen Ferienwochen nur langweilen, wären die gesamten Ferien aufgrund der einen Woche in Taizé wahrscheinlich trotzdem besonderer als der aufregendste Sommer meines Lebens!“
Schalom
Karin aus Österreich
TEXTE
Sie stehen in der Mitte
statt draußen vor der Tür
Sie sitzen im Trockenen
statt im Regen
stehen gelassen zu werden
Sie sind wahr- genommen
statt ver- wahr- lost
Halleluja. Amen
Du bist
nie weniger
als zu zweit.
ER geht mit!
Bedingungslos
ernst-
wahr-
angenommen
ohne
wenn und aber
hart,
aber herzlich,
dieses
Bedingungs- Los
Versöhnung am Weg
zwei Menschen
begegnen einander
schweren Herzens
ganz Ohr
und ER
mittendrin
beseelte Worte
teilen sich mit
Verzeihung
fließt in Tränen
