Wie damals in Korinth…

Jeden Freitag gibt es in Taizé eine Gesprächsrunde über das Jugendtreffen und seine Vorbereitung. Einige Stimmen:

Nach Hamburg kommen

„Ich fahre auf jeden Fall nach Hamburg zum Treffen. Es ist eine schöne alte Stadt mit viel Geschichte und vielen Sehenswürdigkeiten. Deutschland liegt in der Mitte Europas, da haben alle relativ kurze Anreisewege“, meint Florian aus Oberbayern. Robert, Karsta, Katha aus Sachsen fügen hinzu: „Eine Stadt mit sehr viel Kultur, Natur und der Elbe. Hamburg ist ganz international, hat eine lange Geschichte und somit viele alte Kirchen. Außerdem hat es viele Plätze mit relaxten Leute, mit denen man singen kann.“ „Außerdem gibt es da den Hafen, den Michel und viele soziale Einrichtungen, zum Beispiel zur Integration von Menschen mit Behinderung. Die Stadt ist sehr multikulti, da sind gute Begegnungen verschiedener Kulturen möglich“, erzählt Thomas, der schon öfter dort war. Basti, Sascha, Hanno und Caro aus Thüringen finden das auch: „Schade, daß es nicht in Leipzig, aber toll, daß es in Deutschland ist. Die Publicity könnte freilich auch eine Stadt im Osten gebrauchen. Ja, Hamburg ist multikulturell, da werden die ausländischen Mitbürger eingebunden, da herrscht Toleranz. Vom Europäischen Jugendtreffen versprechen wir uns einen besseren internationalen Ruf für Deutschland und einen regen Austausch zwischen den Nationen. Es sollen sich viele Freundschaften bilden.“ 

Matthias aus Nürnberg: „Es ist schön, daß das Europäische Jugendtreffen in Deutschland ist, weil so viele Leute aus Deutschland nach Taizé kommen. Hamburg mit seinem riesigen Hafen ist ein Umschlagplatz, ökonomisch wie kulturell… Warum also nicht auch spirituell? Das war zu Paulus Zeiten in Korinth doch ähnlich!“ Jana aus Ulm: „Hamburg ist modern, eine In-Stadt. Es heißt oft schnell, Norddeutsche seien kühl, unnahbar und redefaul. Ob da etwas dran ist? Deutschland präsentiert sich mit Hamburg auf jeden Fall sehr kultiviert, reich wohlhabend und gebildet. Und – Hamburg ist eine Stadt der Alternativen, mit der Hafenstraße, als Heimatstadt der Jesus Freaks, St. Pauli… Die Menschen sind offener als anderswo, denn es ist eine Stadt voller Gegensätze, eine der weltoffensten Städte in Deutschland.“ Andreas aus Bayreuth hat auch schon eine Frage, die er zum Treffen mitbringen will: „Wie kann ich in einer immer globaler werdenden Welt durch mein christliches Handeln Politik beeinflussen? Und zwar so, dass ich nicht das Gefühl habe, dass mein Handeln nur ein Tropfen auf den Heißen Stein ist?“

Zum gemeinsamen Gebet und Gespräch

Steffi aus Thüringen überlegt, worauf es ihr beim Europäischen Jugendtreffen am meisten ankommt: „Die gemeinsamen Gebete und die Gesänge, die Stille in den Messehallen sind mir besonders wichtig. In unserer hektischen Zeit hetzt jeder nur von einem Termin zum anderen. So sind Zeiten der Stille und des Gebetes Oasen zum Auftanken und Zur-Ruhe-kommen.“ „Weil man da einfach nur mit anderen sitzen und beten kann, in einer schönen, innigen Atmosphäre“, fügt Christine aus Altenburg hinzu. Das meint auch Florian: „Die Gebete mit den Gesängen ist in Taizé das wichtigste und sollten es auch beim Europäischen Jugendtreffen sein. Aber mich interessieren auch die Vormittage in den Kirchengemeinden, zu sehen, wie andere Gemeinden aufgebaut sind und was sie dort für Aufgaben, Nöte und Chancen haben. Und ich frage ich mich, wie sie versuchen, in Hamburg die Menschen mit religiösen Themen zu erreichen.“ 

Auch Robert, Karsta und Katha legen Wert auf die gemeinsamen Gebete, „weil die anders sind als ein normaler Gottesdienst, und man sich in der Stille viel intensiver mit dem mit Bibeltext auseinandersetzen kann, und durch das Singen ein tiefes Gemeinschaftsgefühl entsteht.“ Aber sie freuen sich auch auf die Gesprächsrunden, „weil man sich mit fremden Jugendlichen unterhalten, und andere Sichtweisen und Meinungen kennenlernen und sich gemeinsam zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen Gedanken machen kann.“ Das Fest der Nationen nach dem Gebet für den Weltfrieden in der Silvesternacht wollen sie ebenfalls nicht versäumen: „Ein tolles Erlebnis mit so vielen verschiedenen Leuten aus verschiedenen Ländern zusammen zu feiern, die gleiche Überzeugungen haben.“ „In Hamburg möchten wir uns auch an die Gemeinschaft erinnern, die wir in Taizé hatten“, meinen Basti, Sascha, Hanno und Caro, „und weiter miteinander feiern und kommunizieren.“ Matthias findet, daß es „auch schon viel ist, wenn sich die Jugendlichen aus verschiedenen deutschen Bundesländern näherkommen“. Und Jana geht es darum, „neben Gebet und Stille bei den Begegnungen in den Gemeinden am Vormittag Erfahrungen auszutauschen und bei den Gesprächsrunden zu Themen am Nachmittag den Horizont zu erweitern“. 

In einem gastlichen Land

Basti, Sascha, Hanno und Caro haben „Freunde und Bekannte in Hamburg, die wir zur Mitarbeit bewegen wollen. Und natürlich werden wir selbst hinfahren. Zuhause werden wir die Öffentlichkeit durch unsere Lokalzeitung informieren und andere Thüringer zum Mitfahren ermuntern. Wir spüren, daß wir als Mitorganisatoren eine große Verantwortung haben, weil es von uns abhängt, welches Bild die Gäste von Deutschland mit nach Hause nehmen. Wir wollen selber Erfahrungen und neue Eindrücke sammeln und zeigen, dass die Vorurteile über Jugendliche aus anderen Ländern nicht so groß sind. Und vor allem wollen wir es durch unser Mittun ermöglichen, daß sich Jugendliche begegnen können.“ „Ich möchte, dass sich Deutschland als gastfreundliches Land zeigt, das neugierig und freudig auf Fremde zugeht und ihnen Respekt entgegenbringt, dazu kann ich ganz persönlich beitragen, indem mich selber gegenüber Fremden dort so verhalte“, schließt sich Thomas an. 

Ähnlich sieht das Matthias aus Nürnberg: „Beim Europäischen Jugendtreffen können wir endlich mal mit dem Image, das Deutschland anderswo hat, aufräumen, auch mit manchem Vorurteil, die Deutschen seien unfreundlich, barsch und ausländerfeindlich. Ich werde zu Hause viele ansprechen, daß sie mitkommen und mithelfen. Ich finde, wir sollten bei der Vorbereitung des Treffens daran denken, nicht alles auf deutsche Art durchorganisieren, sondern vor allem herzliche Gastfreundschaft riskieren.“ „Genau“, sagt Steffi, „es ist immer schön, ein offenes Haus bieten zu können, egal, woher die Jugendlichen kommen.“ Und Florian: „Wir können dabei unser Land wieder ins Gespräch bringen, nach der Kontroverse um den Irak-Konflikt. Ich möchte beim Treffen am liebsten bei der Ankunft und Begrüßung der Jugendlichen und bei der an der Vorbereitung der Gebete im Chor mithelfen.“ „Und ich möchte den vielen Jugendlichen, die kein Deutsch sprechen, helfen, sich in Hamburg zurechtzufinden“, fügt Christine hinzu.

Mit Vor- und Nachteilen

Was die jungen Teilnehmer am Treffen in Deutschland erwartet? „Ängste um die Zukunft“, meint Florian, „Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungsträgern, auch mangelndes Vertrauen untereinander, weil unsere Gesellschaft oft aus vielen Einzelkämpfern, aber wenig Gemeinschaft besteht.“ „Und vielleicht begegnen sie – nicht bei den Teilnehmern des Treffens, aber sonst – auch traurigen, abhängigen, oft ausgebremsten Jugendlichen mit wenig Mut zu großen Idealen, die so oft wie möglich die immer selben Partys feiern“, vermutet Thomas. Basti, Sascha, Hanno und Caro denken, daß die ausländischen Jugendlichen aber auch „bemerken werden, daß gerade in Deutschland viel Neugierde und großes Interesse an anderen Ländern und Sitten herrscht.“ „Und daß wir den anderen Ländern ein ebenbürtiges Gegenüber sind und sein wollen, wo man sich auf gleicher Augenhöhe begegnen kann“, sagt Steffi. 

„Ich würde die Jugendlichen von anderswo fragen: Welches Bild habt ihr von den Deutschen? Was habt ihr über Deutschland und dessen Geschichte erfahren? Und ich würde gerne mehr von meinem täglichen Leben berichten und sie nach ihrem Alltag fragen, nach dem, was ihnen im Leben wichtig ist, und wie sie ihren Glauben leben“, überlegt Jana. „Und auch danach“, meint Florian, „wie sie die Erfahrungen und Erlebnisse von Taizé in ihren Ländern in die Tat umsetzen, welche Probleme sie in ihren Ländern haben, wie sie die Probleme der Welt sehen, wie sind sie auf Taizé aufmerksam geworden sind, welche Hoffnungen sie auf die Zukunft haben.“ Darum geht es auch Christine: „Wie sie ihren Glauben leben, was sie zum Beispiel machen, um zu Hause Gebete mit Gesängen aus Taizé zu halten.“ Matthias: „Ich würde sie auch fragen, was ihnen bei uns sonderbar bzw. ungewohnt, lustig oder schlecht vorkommt.“ Und Andreas würde sich dafür interessieren: „Wie sehen sie Deutschland von ihrem Land aus? Wie sehen sie unsere Kultur, unsere gegenwärtige Entwicklung, die Probleme, die es momentan gibt.“

Unter Jugendlichen aus allen Himmelsrichtungen

Basti Sascha Hanno und Caro sind gespannt, ob sie in Hamburg unter den vielen Nationen aus Europa und darüber hinaus „Jugendliche aus Island und aus Russland treffen, weil wir uns für deren Kultur interessieren. Und aus Nordirland, wegen der religiösen Spaltung dort, und aus der Türkei. Und überhaupt aus Ländern, deren Sprachen man in Deutschland nicht lernt.“ „Ich kann gut Englisch, und möchte gerade deshalb mit Gleichaltrigen aus Großbritannien ins Gespräch kommen um herauszufinden, ob die viele Leute dort sie wirklich eine so starke Abneigung gegen die Deutschen haben“, plant Thomas. „Besonders gerne würde ich in diesem Jahr Jugendliche aus den osteuropäischen Ländern treffen, die im Zug der Osterweiterung der Europäischen Union mit uns noch mehr in einem Boot sitzen. Ich möchte ihr Gefühl stärken, daß sie gleichwertige Europäer in der Gemeinschaft sind. Und uns mit ihrer anderen Kultur und Lebensweise in den äußerst westlichen Ländern bereichern“, wünscht sich Florian. 

Wolfgang und einige andere denken ebenfalls vor allem an die Jugendlichen „aus Osteuropa, an die Bosnier und Kroaten. Unter denen haben wir nämlich schon Freunde von früheren Europäischen Jugendtreffen und von Besuchen in Taizé. Und auch zum Beispiel an die Ukrainer und Weißrussen, die Bulgaren, die Esten und Letten. Denn die Leute von weiter östlich gelten bei uns nach wie vor als ein wenig exotisch. Manche brauchen sicherlich finanzielle Unterstützung, aber beim Treffen geht es wirklich um einen Austausch der Gaben, alle sind auf ein und derselben Ebene. So können wir etwaige Reste eines Gefälles vom Überlegenheits- zum Minderwertigkeitsgefühl abbauen.“ „Ich freue mich auf die Polen, vor allem auf die aus dem ehemaligen Ostpreußen, weil das die Gegend ist, aus der meine Familie stammt“, fügt Wolfgang an. Und Jana hat sich für die Portugiesen entschieden, „weil ich dort selber leben möchte, auch wenn die Sprache für mich noch ein Problem ist. Und ich freue mich, daß sicher viele Skandinavier und Holländer nach Hamburg kommen.“ 

Zusammen mit vielen anderen jungen Deutschen

Matthias und Steffi wollen nun als erstes „alte Bekanntschaften von Fahrten nach Taizé, frühere Kontakte reaktivieren und neue Leute, Bekannte, Mitschüler und Kommilitonen ansprechen und mit dem Grundgedanken des Jugendtreffens bekannt machen.“ Christine wird „Infozettel schreiben, mit Leuten reden, einen Themenabend über das Treffen veranstalten. In Thüringen, also vom Osten aus gesehen, wird man sich für Hamburg nicht automatisch als Gastgeber empfinden. Aber wer etwas aus Taizé mitgenommen hat, läßt sich sicher auf so ein konkretes Projekt hin ansprechen.“ Florian hat ebenfalls vor, „Werbung zu machen, denen, die von Taizé noch nichts gehört haben bzw. noch nicht dort waren, über Taizé zu erzählen, Aushänge mit Fotos, Informationsmaterial zum Beispiel im Kirchenschaukasten. Und die Durchführung einer der großen ,Nächte der Lichter’ unterstützen, die zur Vorbereitung in meiner Gegend unter anderem in München stattfinden.“


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