Und die Grenzen im Kopf verschwinden…

Es war mein erste Reise nach Paris, ich hätte nie gedacht, dass ich diese Stadt derartig erleben werde. Die Gruppe, mit der ich in Paris unterwegs war, kannte ich vom letztjährigen Budapester Treffen, wir haben uns so gut verstanden dass wir auch dieses Jahr wieder gemeinsam von Wien aus den „Pilgerweg des Vertrauens“ begehen wollten. Wir waren ziemlich bunt zusammengewürfelt, denn unsere Gruppe bestand aus Studenten, Schwestern der Caritas Sozialis und Schülern. Unsere zwölfköpfige Gruppe wurde kurz nach der Ankunft in das zwölfte Arrondissement geschickt, genauer zur Metro Station Daumnesil. Schon zu Beginn waren wir begeistert, denn die Wartezeit im deutschen Empfang war sehr kurz und bald konnten wir uns zum endgültigen Ziel unserer Reise aufmachen.

In der Pfarre angekommen, wurde uns ein sehr schöner Empfang bereitet. Getränke und Kuchen standen bereit und nach kurzer Zeit wurde uns mitgeteilt, dass für alle eine Familienunterkunft gefunden worden sei. Zwei meiner Freunde und ich wurden bei Familie Richter einquartiert. Anette und Roland, ein älteres Ehepaar, dessen Kinder schon ausgezogen sind, haben sich die ganzen fünf Tage über liebevollst um uns gekümmert. Schon am ersten Tag prasselten die neuen Eindrücke nur so auf mich ein. Schon als wir mit dem Bus durch die prächtigen Straßen von Paris fuhren, bemerkte ich, in was für eine wunderschöne Stadt es uns hier verschlagen hatte. Am Weg zu unserem Quartier machte ich dann erste Bekanntschaft mit dem Pariser Metro System, viele Treppen und zwei Zugwechsel führten uns sehr schnell und direkt an unser Ziel. 

Faszinierend fand ich schon am ersten Tag, die große Vielfalt, die in Paris zu bemerken ist. Kulturkreise, sprich Sprachen, Religionen, Hautfarben sind in großer Zahl und Vielfalt vorhanden und gehören zum dortigen Alltag. Mir hat das sehr gefallen, denn es schien so schön normal zu sein, dieses Miteinander leben. Auch vor unserer Pfarre machte dieses Miteinander nicht Halt, denn auch da waren Leute verschiedenster Abstammung/bzw. Nationalität als Gastgeber aktiv. Ich war überhaupt sehr begeistert von unserer Pfarre, denn sie war nicht nur lebendig sondern vor allem voller jugendlichem Elan. Jeden Morgen zum Morgengebet und für alle zwei Messen hatten wir ein richtiges Orchester, versehen mit Querflöten, zwei klassischen Gitarren und einer Violine. Auch der Priester der Pfarre war ein außergewöhnlich freundlicher und offenherziger Mensch. All dies bereitete uns wunderschöne Tage in Paris.

Natürlich war da auch noch die Zeit die wir auf dem Messegelände verbrachten und die Gebete dort. Ich muss sagen, dass ich mit der großen Halle und den vielen tausend Menschen zuerst ein Problem hatte, denn so richtig meditative Stimmung wollte bei diesem ständigen „Kommen“ und „Gehen“ und Gemurmel während des Gebets einfach nicht aufkommen. Die Stimmung in Taizé während des Gebets ist natürlich ganz anders, das hab ich wohl ein wenig vermisst, wenngleich die Ikonen und das wunderschöne Taizé- Orange der Dekoration mich in ihren Bann gezogen haben. Womit ich mich auch nicht so recht anfreunden konnte, war das Klatschen während des Gebets, sobald Frère Roger die Halle betrat. Versteht mich nicht falsch, ich habe große Ehrfurcht vor diesem Mann und vor der Weise wie er sein Leben gelebt hat, dennoch denke ich nicht dass dies in seinem Sinne war. Auch die vielen Kameras und Blitzlichtgewitter waren sehr störend beim Gebet. Vielleicht hatte ich einfach von meinen Taizébesuchen her zu hohe Ansprüche an die Gebete, denn es ist klar, dass man bei einer Menge von 80.000 Menschen weniger Ruhe finden kann, als wenn es 6000-7000 sind. So richtig ins Gebet gefunden hab ich dann erst am letzten Tag, da konnte ich all die Dinge, die störend waren dann schon einfach wegblenden und mich auf das wesentliche konzentrieren.

Die Gebete in der Pfarre waren hingegen immer ganz besonders schön und meditativ. Man hatte extra fürs Taizétreffen ein richtiges kleines Orchester zusammengestellt, mit Querflöten, klassischer Gitarre und Geige. Schwer beeindruckt war ich dann auch von der Nacht der Lichter und dem Fest der Nationen. Jedes vertretene Land, sogar die Gastgeber hatten sich was ganz Besonderes ausgedacht. Die meisten hatten etwas bei dem man sich beteiligen konnte, sprich Tänze, Gesänge und Ähnliches. Als alle ihr Programm vorgetragen hatten, war eine derartig schön, fröhlich, ausgelassene Stimmung im Raum, dass niemand gehen wollte. Wir haben dann noch getanzt und geplaudert, gesungen und von den wunderbaren Dingen gegessen, die die Gastgeber für uns vorbereitet hatten. So gesehen taten alle das Ihre dazu, diesen Abend einmalig und wunderschön zu gestalten und dadurch war er sehr gelungen.

Jedes Jahr wird bei den Treffen etwas Einmaliges geschaffen, etwas dass wieder alle näher zusammenrücken lässt und die Grenzen im Kopf verschwinden…


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