Reisebericht von Tine: Fünf Tage Zagreb
Reisebericht von Tine: Fünf Tage Zagreb – mehr Freude und Gastfreundschaft, als man eigentlich verkraftet, ohne vor Entzücken loszubrüllen
„Probudi se, ti koji spavaš, ustani od mrtvih i Krist će ti svijetliti – Wach auf, der du schläfst, steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein.“ …und das Christus unser Licht ist, merkte man während der Tage in Zagreb nicht nur am Wetter mit viel Sonne, sondern vor allem an den offenen Wohnungen und Herzen der Kroaten, an der Freude der Jugendlichen und Taizébrüder und an der Atmosphäre in Zagrebački Velesajam (Messegelände) und in der ganzen Stadt.
Vom 28. Dezember 2006 bis 1. Januar 2007 fand das 29. Europäische Jugendtreffen auf dem Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde in Zagreb statt. 40.000 Jugendliche kamen hauptsächlich aus Europa, aber auch von anderen Kontinenten in die kroatische Hauptstadt angereist und wohnten alle in Gastfamilien.
Aus Berlin kamen mit der Hauptgruppe ca. 15 Jugendliche – obwohl wir uns zuvor nicht kannten, freundeten wir uns schnell an und die Busfahrt von ca. 22 Stunden kam einem im Nachhinein nicht mehr so „schlimm“ vor. In Salzburg gab es eine größere Pause: Jugendliche hatten ein Abendgebet vorbereitet und mehrere Busse voll Jugendlicher trafen sich im Salzburger Dom. Leute aus der Gemeinde sangen als Chor und der Salzburger Erzbischof sprach uns abschließend einen Reisesegen zu. Vor einigen Jahren sei er in Taizé gewesen und hätte u. a. beim Mittagessen mit fr. Roger erkannt, „welche Weite des Herzens frère Roger hatte und wie groß sein Verlangen nach Frieden war.“ Wir seien auf dem Weg in Richtung Frieden und er freue sich mit uns. Durch das Gebet und ein bisschen heißen Tee frisch motiviert, stiegen wir wieder in den Bus und kamen am Vormittag des 28. Dezember in Zagreb an. Der deutsche Empfang fand in einer Schule statt und war so super organisiert, dass wir nach einer guten halben Stunde schon auf dem Weg in unsere Gastgemeinde waren.
Ich war einer Gastfamilie untergebracht, die mich fast wie eine eigene Tochter aufnahm. Der Abschied am 1. Januar fiel dementsprechend schwer. Die 1-Raum-Wohnung (43m²) reichte für die Eltern, die kleine Tochter (3), die beiden großen Kinder (19, 21) und mich. In Deutschland hätte wohl niemand mit so einer kleinen Wohnung noch Gäste aufgenommen, aber da die Herzen der Kroaten größer sind als ihre Wohnungen war das alles kein Problem und wir verstanden uns wunderbar – auf Englisch, Kroatisch, Deutsch. Man wurde in der Gastfamilie von vorne bis hinten durchgefüttert, hier in Berlin habe ich einen riesen Haufen kroatischer Geschenke liegen. Von der fremden Frau, die mich am ersten Abend an der Tram ansprach und bei der ich eine halbe Stunde später bei Kuchen und Cola in ihrem Wohnzimmer mit ihr und ihrer Familie über ihr Leben und das Jugendtreffen sprach, schreibe ich hier lieber nicht auch noch was, sonst wird es zu lang.
Die Vormittage verbrachten die Jugendlichen in den Gastgemeinden. Es fand ein Morgengebet statt, anschließend gab es kleine Gesprächsgruppen über verschiedene Bibelstellen und den „Brief aus Kalkutta“ von frère Alois. Mittags fuhren alle in die Messehallen und innerhalb einer Stunde wurden 40.000 Jugendliche mit einem warmen Dosenessen, Brötchen und kroatischen Keksen und Joghurt versorgt. Die Mittagsgebete fanden in vier verschiedenen Hallen statt, so dass alle gleichzeitig beten konnten und durch die organisierten Übersetzungen die Lesungen sowie die Meditation eines Taizébruders in der eigenen Sprache verfolgen konnten.
Am Nachmittag fanden in der ganzen Stadt und in Velesajam verschiedene Workshops zu Themen wie „Wie kann man sich um Benachteiligte kümmern?“, „Kunst aus Kroatien“ oder „Gottes Ruf an mich“ statt. Im Raum der Stille bestand immer die Möglichkeit zu Beichte und zum persönlichen, stillen Gebet. Nach dem Abendessen waren alle zum Abendgebet eingeladen. Jeden Abend richtete frère Alois einige Worte an die Jugendlichen und auch der Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanić grüßte die Jugendlichen und die Brüder aus Taizé und sprach die große Freude an, die sich die Kroaten und die Gäste gegenseitig bringen.
Anschließend fuhren alle Jugendlichen zurück in die Gastfamilien. Ich verbrachte jeden Abend mindestens noch zwei Stunden mit meiner Gastfamilie und obwohl wir anfangs kein einziges gemeinsames Wort kannten, verstand ich mich mit der 3-jährigen „wie Bolle“.
Am Abend des 31. Dezember fand in allen Gemeinden um 23 Uhr ein Gebet für den Frieden statt. Um 0 Uhr flogen draußen die Knaller, wir sangen in der Kirche „The Kingdom of God“. Beim anschließenden Fest der Nationen, dass bei uns in einer großen Turnhalle stattfand, stellte jedes Land einen typischen Tanz, ein Lied oder Spiel vor. Wir bekamen schon wieder Kekse und Kuchen (die es eigentlich immer und überall gab, wo man als Nicht-Zagreber hinkam) und feierten noch mit viel Reden und Tanzen bis halb vier. Am nächsten Morgen hingen dementsprechend alle etwas müde aber froh in der Neujahrsmesse der Gemeinde.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen in den Gastfamilien fuhren wir irgendwann wieder zum Messegelände, wo wir unter hunderten von Bussen schließlich auch unseren fanden und müde, glücklich und etwas traurig den Weg nach Hause antraten.
Das Treffen empfand ich trotz der 40.000 Leute als unglaublich ruhig und leise, so dass ich mich schon am zweiten Tag wie nach einer Woche in Taizé fühlte. Die kroatische Gastfreundschaft bleibt mir noch lange im Gedächtnis und im Herzen und ich freue mich auf das nächste Treffen mit meiner Gastfamilie (….wo ich dann auch mal was von der Stadt Zagreb sehe……so ganz touristisch…..), oder in Genf oder ganz woanders. Denn „Krist će ti svijetliti“, egal wo.
