Mein Pilgerweg des Vertrauens nach Kalkutta
Das Taizé-Treffen in Kalkutta war für mich – w e l t b e w e g e n d – ich glaube und hoffe, dass diese Erfahrungen, die ich in Indien machen durfte mein Leben wirklich nachhaltig prägen werden. Als ich beim Europäischen Jugendtreffen in Mailand vom Taizé-Treffen in Kalkutta hörte, wusste ich sofort, dass dies die Chance ist für mich, dieses Jahr zu gestalten.
Für mich war natürlich auch gleich klar, dass ich die Reise nach Indien auch dazu nutzen würde, dieses Land, die Menschen, die Religionen… kennenzulernen. Mein Pilgerweg des Vertrauens in Indien dauerte fünf Wochen. Fünf Wochen war ich in Indien unterwegs, davon fast vier Wochen alleine. Ohne Taizé wäre ich nie nach Indien gereist, und niemals alleine. Aber so war für mich klar, dass die Zeit in Kalkutta, eine „behütete Zeit“ sein würde und der Rest war völlig offen.
Die Erfahrungen, die ich auf dieser Reise machte, waren enorm und unvorstellbar. Ich bin einem Land begegnet mit seiner reichen Kultur, seinen alten religiösen und spirituellen Wurzeln und Menschen, unglaublich liebevollen, freundlichen und herzlichen Menschen. Für mich war dies eine Reise in eine andere Welt – oder auch in eine andere Dimension – die Begegnung mit dieser Welt hat mein Leben wirklich rundum erneuert. Es war sicherlich eines der wichtigsten Erlebnisse, die ich in meinem Leben bisher hatte, wenn nicht das bewegendste überhaupt.
Während der Reise war für mich immer klar, dass ich auf dem Pilgerweg des Vertrauens bin und ich habe dies auch überall so gesagt. Meine Reise führte mich neben Kalkutta, in einen hinduistischen Ashram in Kerala, nach Bodhgaya, dem Ort an dem Buddha erleuchtet wurde und einem der wichtigsten Orte des Buddhismus und ich war in Varanasi, dem Heiligsten Ort der Hindus – es war eine Reise durch die Weltreligionen – eine spirituelle Reise und ich kann es nur immer wieder wiederholen: Ich bin reich beschenkt worden.
Das Taizé-Treffen selber war sehr schön, sehr überschaubar, was sehr angenehm war. Es war für mich auf alle Fälle etwas von Heimat – mit den Liedern und allem. Zuerst hatte ich allerdings etwas Schwierigkeiten dort anzukommen und plötzlich nur noch unter Christen zu sein, war doch meine Erfahrung bis dahin, dass die lebendige Religion in Indien der Hinduismus ist. Und ich habe die Hindus auch immer als so offen und aufgeschlossen erlebt. Für mich war es zuerst einmal sehr eng, plötzlich unter den jugendlichen Christen aus Europa zu sein und auch in der Gastfamilie, die eher ängstlich besorgt war.
Was ich spannend fand an dem Treffen war die Begegnung mit den vielen jungen Menschen aus den unterschiedlichsten asiatischen Ländern und aus den verschiedensten Regionen Indiens. Und ich hatte den Eindruck, dass es gerade für die jungen Inder eine ganz starke Ermutigung war, dass sie auf dieser Welt nicht alleine sind und dass es überall auf der Welt Christen gibt, mit denen sie verbunden sind im Glauben. Es war interessant, dass es gerade mal umgekehrt war, wie sonst in Taizé – wo doch jeder Dunkelhäutige und jeder Jugendliche von einem anderen Kontinent eine Sensation ist. In Kalkutta waren wir die Sensation und die jungen Inder wollten ständig mit uns photographiert werden und mit uns e-mail-Adressen austauschen.
Für mich selber war die Veranstaltung zum interreligiösen Dialog sehr wichtig. Es hat dort eine Frau gesprochen, die sehr gut deutlich machen konnte, wie sie als Christin auch an der Seite von Menschen anderer Religionen beten kann bzw. wie sie auch deren Gebete in ihr Leben hineinnehmen kann. Für mich war diese Veranstaltung zentral, da mir aufgefallen ist, dass viele Christen sich da schwer tun.
Wunderschön war auch das Austauschen der Lichter nach der „Nacht der Lichter“ mit einem Friedensgruß. Das habe ich so noch nie erlebt. Ich weiß nicht ob es dies schon mal gab. Mir schien es, dass es spontan entstanden ist und es war einfach großartig und darin hat sich für mich eigentlich das widergespiegelt, was ich auf meiner ganzen Reise durch Indien erlebt habe, die Herzlichkeit, Offenheit, auf den anderen Zuzugehen, ein Interesse am anderen und ganz viel Zuwendung. Es war wirklich ein schönes Zeichen.
So, ich glaube, das reicht jetzt mal an Eindrücken. Ganz herzlichen Dank auf alle Fälle an alle, die mit dem Treffen in Kalkutta zu tun hatten. Alle die es vorbereitet haben und allen, die es mitgetragen haben. Und ich möchte es noch mal sagen, ohne meine Verbundenheit mit Taizé und ohne das Treffen in Kalkutta, wäre ich niemals nach Indien gekommen.
Andrea Uhl
Jugendpflegerin an der Kath. Jugendstelle in München-Innenstadt
