Genau richtig

Das Europäische Jugendtreffen in Mailand war mein erster Kontakt mit Taizé.
Ich komme aus einer charismatischen Bewegung und war daher etwas skeptisch, ob der Stil von Taizé wohl mein Ding wäre. Diese Bedenken waren aber völlig unbegründet – ich habe die Tage in Mailand sehr genossen, gerade auch die gemeinsamen Gebete und Gesänge.

Viele Dinge werden mir in Erinnerung bleiben: die liebevolle Aufnahme in der Gastfamilie, obwohl wir kaum miteinander reden konnten. Die Mitarbeit im Transport Team, die mir so viel Spaß gemacht hat, daß ich sie keine Minute als Last empfunden habe. Die anderen Mitarbeiter, denen der selbe Spaß abzuspüren war – egal ob sie gerade “nur” die Tür zu einer Halle aufhielten oder beim Essen Müll einsammelten. Die Menschen, die ich kennengelernt habe, und mit denen ich ganz unkompliziert ins Gespräch gekommen bin. Anregende Gespräche in der Kleingruppe; überraschende Einblicke in die vielseitigen Tätigkeiten der Gastgemeinde. Geistliches Schwarzbrot: der Workshop über Gebet und den Weg in Gemeinschaft mit Gott…

Besonders in Erinnerung bleiben wird mir aber das gemeinsame Gebet am Silvesterabend. Gott hat mein Herz an diesem Abend angerührt.
In meinem Alltag springe ich häufig von einer Tätigkeit zur anderen, oft überlege ich: Gibt es etwas, das jetzt wichtiger zu erledigen wäre? 
Sollte ich jetzt hier sein oder besser wo anders? Ich habe mich sehr an diesen Lebensstil gewöhnt, und doch merke ich, wie er eine innere Unruhe mit sich bringt.

Ganz im Kontrast dazu spürte ich bei diesem Abendgebet mit einem mal: 
Ich bin jetzt und hier genau richtig. In diesem Moment gibt es keinen besseren Ort für mich und es gibt nichts Besseres zu tun, als hier zu sitzen und mich Gott hinzugeben. Dieser Friede hat mich tief berührt, und ich habe vor Freude still geweint. Das passiert mir nicht oft, und ich betrachte es als besonderes Geschenk Gottes, wenn mir das geschieht. 
Ich kann mit Worten nicht beschreiben, was mir das bedeutet.

Ich bin sehr dankbar für die Tage in Mailand und hoffe, daß es mir gelingt, im Laufe des Jahres nach Taizé zu kommen oder beim nächsten Jugendtreffen zum Jahresende dabei zu sein. Aber das Wichtigste bleibt doch, das Erlebte und Gehörte in meinen Alltag zu “retten” – ich bin gespannt, wie mir das gelingen wird.

Lennart, Süddeutschland


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