Fünf Tage lang Gemeinschaft

Fünf Tage lang Gemeinschaft erleben. Im Großen, mit fast 40.000 Leuten beim Gebet, ebenso wie im Kleinen, beispielsweise beim gemeinsamen Essen in der Gastfamilie. Die Gegensätze zwischen rappelvollen Bussen und allein sein mit und bei Gott. Das ist es, was das 30. Europäische Jugendtreffen in Genf und auch all die anderen Jugendtreffen mit ausmacht: Ganz persönliche Erfahrungen machen und dabei Teil einer riesigen Gemeinschaft von Menschen aus über 50 Nationen sein. Für diese Erfahrungen treffen sich jedes Jahr mehrere zehntausende Jugendliche zum Europäischen Jugendtreffen. Dieses Jahr in Genf, der Stadt, von der Frère Roger 1940 aufbrach, um die Communauté de Taizé zu gründen. Nächstes Jahr wird es in Brüssel stattfinden, wie es unter lautem Beifall von Frère Alois im gemeinsamen Gebet verkündet wurde.

Aber der Ort ist eigentlich eher die Nebensache. Natürlich hatte man genügend Gelegenheit die schöne Stadt Genf anzuschauen, von der jemand etwas frech behauptet hat, sie wäre der Ort, an dem das Gold und das Alte Testament aufeinander treffen, und trotzdem war es nicht der Hauptgrund, warum Zehntausende sich dorthin aufgemacht hatten. 

Aneta aus Polen ist schon zum 6. Mal bei einem Europäischen Jugendtreffen und ist jedes Mal aufs Neue von der Vielfalt der Menschen und dem Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, begeistert. David aus Portugal war insbesondere von der Gastfreundschaft bewegt, die die Jugendlichen in den Gemeinden von Genf erfahren haben. Auch Julia (25) aus Deutschland hat diese Erfahrung gemacht. Ihre Gasteltern überließen ihr sogar den Haustürschlüssel. 

Rund 90% der fast 40.000 Jugendlichen waren in Familien untergebracht. Die anderen Teilnehmer schliefen in Gemeinschaftsunterkünften, welche die Stadt Genf und die über 200 Kirchengemeinden bereitgestellt hatten. Und beides hatte seine schönen Seiten. Mit fremden Jugendlichen aus der Gemeinschaftsunterkunft bis tief in die Nacht Karten spielen, wie Michael erzählte, oder gemeinsam mit der Gastfamilie und den anderen dort untergekommenen Jugendlichen abends bei Tee und Schokolade zusammen sitzen. 

Dabei muss man auf den anderen zugehen, auch ohne von vorneherein auf Gegenseitigkeit zählen zu können. So ist auch Jesus zu uns gekommen, ohne überhaupt zu wissen, ob wir ihm auch vertrauen und auf ihn zugehen. Ein Aufeinanderzugehen von Menschen verschiedener Konfessionen und Nationen ist wichtig, wenn Gemeinschaft entstehen soll. 

Und genau das hat bei dem Jugendtreffen in Genf und in den vorigen Jahren in Zagreb, Mailand, Lissabon, Hamburg, Paris und Budapest… immer wunderbar funktioniert: Die vielen Begegnungen mit Menschen aus der Region, dem eigenen Land, der Stadt Genf, den anderen Ländern und mit Gott machen das Jugendtreffen jedes Jahr zu einer sehr wertvollen Zeit, meint Benedikt. 

Das Treffen verändert auch das Gesicht der Stadt. Überall lächeln Leute einem zu, was ganz besonders eine Schwester aus Indien begeistert hat. Außerdem hört man überall die Frage: „Where are you from?“ Es interessiert die Jugendlichen, woher die Mitreisenden kommen und warum auch sie zum Treffen gekommen sind. 

Der Andere ist einem nicht egal, alle verbindet ein gemeinsames Gefühl; eine “universelle Sehnsucht nach Frieden”, wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-Mun in seinem Grußwort schreibt. Auch Papst Benedikt XVI., Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, Patriarch Alexis II. von Moskau, der Erzbischof von Canterbury Rowan Williams und der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso sowie Vertreter verschiedener lutherischer und reformierter Kirchen sandten Grußbotschaften an die Communauté de Taizé und die Teilnehmer des Europäischen Jugendtreffens. 

Der Papst sprach in seiner Botschaft von “tiefer kirchlicher Erfahrung”, welche die Teilnehmer erleben können – und welche meiner Meinung nach auch alle gemacht haben. Viele haben von Erfahrungen gesprochen, die sie gestärkt haben. Einige sprechen auch von der Kraft und dem Geist, der spürbar wird, wenn fast 40.000 Leute gemeinsam schweigen. 

Und trotzdem ist ein Europäisches Treffen anders als die Jugendtreffen in Taizé. Es ist “eine merkwürdige Mischung aus Energie, die man bekommt, und all derer, die es auch kostet”, wie Anne aus Deutschland es sehr treffend beschreibt. Jeder, der schon einmal dabei war, weiß genau, was sie meint. Die meisten sind nach dem Treffen richtig müde, aber auch gestärkt und voller neuer Energien, die sie aus den gemeinsamen Gesprächen und Gebeten geschöpft haben. Mit dieser Kraft und Energie versuchen sie jetzt Dinge in ihrem Alltag zu verändern oder weiter voranzutreiben, wie beispielsweise Dieter, der nun weiter aktiv in der Ökumene mitarbeiten möchte. 

Doch der Pilgerweg des Vertrauens endet nicht, er geht weiter in den eigenen Gemeinden, in denen man das Erlebte umsetzt. Weitere Stationen dieses Jahr sind das Internationale Treffen in Nairobi/Kenia vom 26. 11. – 02. 12. und das Europäische Treffen in Brüssel, das vom 29. 12. bis zum 02. 01. stattfindet. Und auch Katharina wird wieder dabei sein, das hat sie sich als festen Vorsatz für 2008 vorgenommen. 

Isabel aus Bonn


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