“Die Schwägerinnen kommen”

Eine kleine Geschichte zu unserer Gastfamilie: Als wir ins Haus hineinkamen, sahen wir schon sehr viel Gepäck. Unser Gastvater blickte uns ziemlich erschrocken entgegen und rief dann gleich in der Pfarre an – vermutlich wollte er wissen, ob es möglich ist, daß da noch weitere Gäste vor der Tür stehen Question Mark Attention Wir sahen, daß schon fünf Polen bei ihm einquartiert waren. Leider sprachen sie kein Englisch, und die Verständigung war etwas schwierig. Aber mit der Zeit „gehörten wir zur Familie“. Im Endeffekt haben wir uns sehr wohl gefühlt, und „unsere“ Familie hat uns sehr herzlich aufgenommen. (Magdalena)

Im Rahmen eines Kleingruppengesprächs beim Nachtreffen haben wir uns darüber ausgetauscht, wie wir das Heimkommen nach dem Jugendtreffen in Budapest erlebt haben: Es war sehr schwierig für uns, unserer Familie und unseren Freunden die tiefe Zufriedenheit, die Verbundenheit mit Menschen anderer Nationen, die erfüllende Ruhe und das Vertrauen, das in uns gewachsen ist, begreiflich zu machen. Diese Gefühle sind kaum mit Worten zu beschreiben. Wir können sie unseren Mitmenschen aber vorleben. (Sarah, Stefan, Daniel, Reinhard)

Bei der Ankunft in Budapest wurde uns gesagt, daß noch Familien frei wären, was aber schließlich doch nicht der Fall war. Wir landeten in einem hoffnungslos überfüllten Pfarrhaus, wo 30 Leute sich (nacheinander) eine Badewanne und ein Klo teilten und wo das Frühstück im Stehen eingenommen werden mußte. Nach zwei Tagen erklärte sich doch noch eine Familie bereit, uns aufzunehmen. Da kam es uns dann vor „wie im Paradies“. Das machte das Chaos der ersten Tage wieder wett. Wir hatten in Budapest also hautnah erlebt, wie wichtig es ist, darauf zu vertrauen, daß sich alles zum Guten wendet. (Elisabeth und Elisabeth)

Eine Erfahrung von vielen vom Europäischen Jugendtreffen in Budapest ist das Fremd-Sein. Am besten merkt man das, wenn man in einer Familie untergebracht ist, die eine andere Sprache spricht, die kein Deutsch versteht. Aber trotzdem muß man diesen Leuten vertrauen. Dadurch verstehe ich jetzt manchen Ausländer in Österreich ein bißchen besser. (Toni)

Für mich waren diese Tage aus mehreren Gründen wichtig. Innerliches Auftanken in der Beziehung zu Gott. Die vielen Gebetszeiten und mein regelmäßiges und ausnahmsloses Teilnehmen daran (keine Stadtbummel an deren Stelle, wie ich es in Barcelona beim Treffen 2000/2001 zweimal gemacht hatte) waren dazu sehr wichtig. So konnte ich in den Gebetszeiten wieder einen Schritt tiefer in die Beziehung zu Gott kommen und meine persönliche Beziehung zu ihm verlebendigen, nach dem sie sich in der letzten Zeit verdünnt hatte. Das Erleben des Glaubens, vor allem bei den Ungarn in der Pfarre, war für mich sehr ermutigend. Ich denke vor allem an einen etwa 60jährigen Witwer, dem sicher seine Frau sehr abgeht, der dafür aber seine Liebe und sein Engagement in den Glauben und die Glaubensweitergabe an andere und den Dienst an den Mitmenschen stellt. Natürlich war für mich auch die Gemeinschaft innerhalb der Österreichergruppe und der Pfarre wichtig, in der wir auch tagsüber beisammen waren, genauso aber die Begegnungen mit jungen Leuten aus anderen Ländern in der großen Gemeinschaft aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Treffen. Die Bibelstelle, die wir am ersten Bibelabend nach dem Treffen zu Hause besprochen haben, führte mich auf bewundernswerte Weise bei dem weiter, was in Budapest begonnen wurde, und mittlerweile habe ich diverse “Briefe aus Taizé” in drei Gruppen, in denen ich dabei bin, hineingebracht. Auf diese Weise kam ich selber immer wieder aufs Neue mit dem Brief in Kontakt und konnte vieles von dem Feuer und dem Vertrauen des Glauben auch anderen Menschen weitergeben. (Reinhard)

Mir ist das Wort „Schwägerinnen“ vom Treffen in Budapest hängen geblieben. Unsere Familie aus Budafok erzählte uns nämlich am 1. Jänner beim gemeinsamen Mittagessen Folgendes: Bei ihnen (ich denke in ihrer Stadt) werden die Österreicher „Schwager“ genannt. Vermutlich stammt das noch aus früheren Zeiten, als sich viele Österreicher durch Heirat mit den Ungarn verschwägerten. Als nun unsere Familie am ersten Tag des Treffens erfahren hatte, daß fünf Österreicherinnen zu ihnen kommen würden, sagten sie sich: „Ah, fünf Schwägerinnen kommen!“ Und, ehrlich gesagt, so wie eine „Schwägerin“ – zur Familie selbstverständlich dazugehörig – habe ich mich auch gefühlt bei meiner Gastfamilie.

(Barbara)


Suche
Podcasts
Admin