Andere mit einer wunderbaren Erfahrung anstecken
Meine beste Freundin Ines und ich hatten uns schon seit dem Sommer entschieden, dass wir beim Jahreswechsel in Hamburg dabei sein möchten. Und so kam es dann auch, dass wir am 28. Dezember 2003 so gegen 20.00 Uhr in den Zug stiegen, der uns nach Karlsruhe bringen sollte, von wo wir in den Regenbogenbus einstiegen, der uns nach Hamburg brachte.
Da meine Eltern in Hamburg Freunde haben, war die Gelegenheit günstig bei ihnen zu übernachten. Als wir später bei unserer Gastfamilie ankamen, wurden wir mit soviel Herzlichkeit empfangen, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte.
Ein paar Stunden später machten wir uns auf den Weg zu Messehalle 4 zum Abendgottesdienst. Sobald wir durch die Tür in die Messehalle gingen, spürte ich sofort wieder die unendlich große Gemeinschaft, die in diesem liebvollen hergerichteten Raum herrschte. Man fühlte sich sofort geborgen, und ich war so glücklich, nach Hamburg gefahren zu sein, wie ihr euch gar nicht vorstellen könnt
Ich denke, Ines ging es nicht viel anders. Es mag sich seltsam anhören, aber sobald man anfängt die Lieder zu singen und mit den anderen zu beten, fällt der ganze Stress und alles was einen in der letzten Zeit belastet hat, von einem ab. Man wird immer ruhiger und ich merke auch immer wieder, dass ich nach dem Gottesdienst mit einem großen Frieden in mir selber hinausgehe. Es tut so gut zu sehen, dass man mit seinem Glauben nicht alleine ist.
Bei uns in der Kirche sieht man keine Jugendlichen, und manchmal komme ich mir schon ein bisschen verlassen vor, aber wenn man dann nach Taizé oder zum Europäischen Jugendtreffen kommt und sieht, wie 60 000 Jugendliche das Gleiche empfinden wie du selber, dann ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Ich weiß nicht warum, aber wenn ich in Taizé bin (oder eben Hamburg), fühle ich mich Gott immer näher, als wenn ich zuhause bete. Ja, ich fühle mich Gott nicht nur näher, ich fühle mich ihm nahe. Und das ist zuhause nur selten der Fall.
Ich fand es so unglaublich schön, was Bruder Andreas von Taizé uns am Deutschen-Treffen erzählt hat: Eine alte Frau stellt eine Kuchen in einen Kreis von Jugendlichen und sagt, dass sie so viel Liebe in die Messehallen gebracht haben, wo es sonst immer nur um kaufen und verkaufen geht.
In Hamburg schienen die Menschen echt glücklich gewesen zu sein, dass wir da waren. Ines und mir ist auch etwas Schönes passiert: wir saßen in der U–Bahn und ein Obdachloser stieg dazu. Er fragt einfach in die volle U – Bahn hinein: „ Sind hier irgendwo nette Menschen, die einem armen Bettler zum Jahresende noch ein paar Cent für etwas zu essen übrig haben?“ Ines und ich haben ihm daraufhin Geld gegeben, und ihr glaubt gar nicht wie er sich darüber gefreut hat. Er hat uns so angestrahlt, und uns 1000mal gedankt und uns noch öfters ein schönes und gesundes neues Jahr gewünscht. Ich hätte nie gedacht, dass sich ein Mensch über einen kleinen Euro von mir so freut.
Und als er sich so gefreut hat, habe ich mich noch mehr für ihn gefreut. Da hat es einen Klick bei mir ausgelöst, und ich habe verstanden, wie viel Freude man einem Menschen bereiten kann, obwohl man nur ganz wenig gibt. Natürlich haben das schon viele gesagt, aber es ist etwas ganz anderes, wenn man es selber erfährt, wie einen die Menschen vor Glück anstrahlen. Es ist ein Stück weit wie mit Taizé: Man kann es nicht beschreiben, man muss dort gewesen sein, um zu verstehen, was für eine Liebe und Gemeinschaft dort herrscht.
Was mir von Hamburg auch in Erinnerung bleiben wird, ist die Erfahrung, die ich mit meiner Gastfamilie gemacht habe. Ines und ich haben unserer Gastfamilie so von den Gottesdiensten vorgeschwärmt, dass sie gleich am zweiten Tag mit zum Abendgottesdienst gekommen sind. Unsere Gastmutter ist jetzt auch total begeistert von Taizé. Auch sie spürte die Ruhe, die sie nach dem Gottesdienst in sich hatte. Am Abend habe ich mich noch eine ganze Weile mit ihr darüber unterhalten. Es ist so schön, Menschen mit so einer wunderbaren Erfahrung „anzustecken“.
Was mich jedoch enttäuscht hat, war die Silvesternacht selber. Ines und ich waren beide der Meinung, dass wir Silvester zusammen mit den 60 000 Jugendlichen bei den Messehallen feiern, und nicht jeder in seinen Gemeinden abgeschirmt. Silvester so dachten wir, ist der Höhepunkt von Hamburg. Auch der Gottesdienst selber in der Silvesternacht war etwas enttäuschend, da wir 2003 anfingen ein Lied zu singen und das Lied erst 2004 aufhörte. Also wir haben den Jahreswechsel selber nicht mitbekommen. Aber das ist auch das Einzige, was ich ein bisschen auszusetzen habe.
Hamburg war eine wunderschöne und auch sehr intensive Zeit für mich, die ich nicht missen möchte. Ich würde jederzeit wieder hinfahren, wenn das Jugendtreffen nicht allzu weit weg ist. Ich bewundere die Jugendlichen zutiefst, die drei Tage oder vielleicht auch mehr im Bus gefahren sind, um an dem Europäischen Jugendtreffen teilzunehmen.
Hamburg war eine Kraftquelle für mich, aus der ich gestärkt hervorgehe. Ich schöpfe immer viel Kraft aus den Liedern und Gebeten von Taizé. Ich bin glücklich dort gewesen zu sein. Ich hoffe die anderen Teilnehmer des Europäischen Jugendtreffens 2003/2004 waren genauso begeistert wie ich 
Sabine
