“God is good all the time. And all the time God is good.”

Stefanie aus Regensburg war beim Internationalen Taizé-Treffen in Nairobi, Kenia (17.11.-01.12.2008)

“God is good all the time. And all the time God is good.” Dies ist ein typisch kenianischer Beginn einer Rede. Dabei sagt der Redner “God is good” und “And all the time” und alle anderen “all the time” und “God is good”. Es könnte sich aber genauso gut auch um den Beginn eines Erfahrungsberichtes – wie dieser hier – handeln.

Mit dieser Aussage merkt man schon, dass das religiöse Verständnis in Kenia sehr verschieden zum europäischen ist: Der Glaube ist tief verwurzelt. Nicht nur, dass dort die Kirchen überfüllt sind, sondern auch, dass es als Jugendlicher selbstverständlich ist, am Sonntag in die Kirche zu gehen.

Dies durfte ich im Rahmen des internationalen Taizé-Treffens in den letzten zwei Novemberwochen 2008 erleben. Zum Jugendtreffen in Nairobi kamen rund 7.000 Jugendliche überwiegend aus afrikanischen Ländern, aber auch von den anderen Kontinenten. Das Treffen an sich dauerte vom 26. bis zum 30. November 2008. Aber Jugendlichen aus nicht-afrikanischen Ländern wurde die Möglichkeit geboten, schon mehr als eine Woche vorher nach Kenia zu reisen, um das Land und die afrikanische Kultur und Lebensweise kennen zu lernen.

Für das so genannte Pre-Meeting kamen wir (Fabian aus der Schweiz und ich) in ein Dorf namens Ruai. Dieses liegt etwa eine Dreiviertelstunde mit dem Bus außerhalb von Nairobi und hat rund 30.000 Einwohner. Die Häuser sind aber weit verstreut, so dass man nicht den Eindruck bekommt, man befinde sich in einer vergleichsweise mit Europa etwa kleinen bzw. mittelgroßen Stadt. In Ruai wohnten wir in einer eher wohlhabenden Familie mit einem großen Haus und schon fließendem Wasser. Unsere Gastfamilie war sehr freundlich und hilfsbereit, manchmal aber auch fast „aufdringlich”, wenn unsere Gastmama beispielsweise sagte: “Stefanie, go for more food.” Aber sie meinte es immer nur gut mit uns.

Unsere Gastfamilie vergewisserte sich auch immer, ob während des Pre-Meetings die Jugendlichen aus der Pfarrei irgendwelche Aktivitäten mit uns machten. Aber da mussten sie sich eigentlich keine Sorgen machen, da die Jugendlichen jeden Tag etwas anderes geplant hatten.

An einem Tag holte uns beispielsweise der Pfarrer der Hauptpfarrei, Brother Camillo, mit dem Piki-Piki ab. In Ruai gibt es eine Hauptpfarrei und zwei Outstations, also Filialpfarreien. Wir waren in der Outstation St. Peter untergebracht. Das Piki-Piki ist ein Motorroller und auf den nicht geteerten Sandstraßen, die sehr viele Löcher haben, ein sehr gut geeignetes Fortbewegungsmittel. Im Pfarrhaus der Hauptpfarrei machten wir eine „kenitalienische” Pizza. Das war eine Idee von Leonardo, einem Jugendtreffenteilnehmer aus Italien. Für die Kenianer war das sehr ungewohnt. Dennoch hat es ihnen gut geschmeckt.

Am nächsten Tag machten wir eine sechsstündige Wanderung ins Massai-Land. Nicht nur in Kenia gibt es noch ein so genanntes Stämmesystem. Das heißt, dass die Stammesherkunft (noch) eine wichtige Rolle spielt. In Kenia gibt es um die 42 verschiedene Stämme, die alle verschiedene Sprachen sprechen. Jedoch gibt es auch Englisch und Kisuaheli als offizielle Amtssprachen, die auch fast jeder spricht. Die Massai sind dabei noch ein spezieller Stamm, die etwas abseits von den anderen Kenianern leben und durch ihre sehr bunten Kleider noch weitverbreitet bekannt sind. Ihre Lebensweise ist sehr einfach: So wohnen sie beispielsweise noch in Häusern aus Kuhdung und erzielen ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Massai-typischen Gegenständen. Aber es gibt auch Massai, die ganz normal mit Anzug und Krawatte zur Arbeit in die Stadt fahren. Das machen sie dann meistens mit den so genannten Matatus. Das sind Kleinbusse, die, wenn noch Platz ist, fast an jeder Straßenecke halten, damit man einsteigen kann, und in denen es fast immer (sehr) laute Musik gibt.

Eines Tages waren wir auf einem Massai-Markt in Nairobi, was ein ziemliches Erlebnis war: Man wird als Msungu, also als Weißer, von ein paar Männern „umzingelt” und so durch den Markt geführt. Immer wenn mir etwas gefallen hat, kam es in den so genannten Maybe-Korb; es hat also einer alle ausgewählten Sachen getragen. Ich wurde dabei von John, einem Jugendlichen aus unserer Pfarrei, begleitet. Er hat mir auch immer gesagt, ob es denn auch gute Qualität sei, denn er kennt die handwerklich hergestellten Produkte und spricht auch noch die Sprache dieses Stammes, so dass die Männer vom Markt uns nichts verheimlichen konnten, weil wir es nicht verstanden hätten. Zum Schluss ging es dann ans Aushandeln des Preises, was nicht ganz einfach war, da Msungus ja als wohlhabend gelten. Letztendlich konnte ich dann aber doch einige Dinge zu einem einigermaßen guten Preis mit nach Hause nehmen.

An einem der letzten Tage des Pre-Meetings fuhren wir zusammen mit Jugendlichen aus der Hauptpfarrei und einer weiteren Outstation und Gastjugendliche aus Europa und Südafrika in ein öffentliches Freibad. Dort kamen natürlich Blicke von allen Seiten, vor allem auch von den Kindern. Denn es ist nicht alltäglich, Weiße in einem afrikanischen Schwimmbad anzutreffen.

Und so kam die Zeit des Meetings heran. Brother Camillo, der das Taizé-Treffen in Ruai hauptsächlich vorbereitet hat, organisierte, dass wir in unserer Gastfamilie auch noch während des Treffens bleiben konnten. Eigentlich hätten wir ja die Pfarrei für das Treffen wechseln müssen, aber unsere Gastfamilie sowie die Jugendlichen aus der Pfarrei wollten uns nicht gehen lassen und auch wir wollten dort bleiben. Am Empfangstag kamen in unsere Pfarrei knapp 50 Jugendliche überwiegend aus Kenia, aber auch aus Tansania. Der erste Bus mit den Jugendlichen aus Kenia kam eine Stunde zu früh, was für kenianische Verhältnisse äußerst selten vorkommt, denn normalerweise kommt man später als vereinbart. Das ist für Kenianer aber auch kein Problem, da sie schon wissen, dass der andere auch verspätet kommen wird. Für uns Nicht-Afrikaner war das anfangs aber schon noch ein wenig ungewohnt. Später haben wir uns an das stressfreie afrikanische Leben aber bestens gewöhnt.

Das Taizé-Treffen selbst fand in Queen of Apostles, einem katholischen Jugendzentrum und Studienseminar, statt. Der Ablauf glich im Prinzip dem eines europäischen Jugendtreffens, also morgens Morgengebet in den Gemeinden, dann Gesprächsgruppen und Fahrt zum zentralen Veranstaltungsort, dort dann Mittagessen, Mittagsgebet, Workshops, Abendessen, Abendgebet und Heimfahrt in die Pfarreien. Jedoch ist die afrikanische Lebensweise doch ein wenig anders als die europäische. Das merkte man schon in den Gesprächsgruppen, die nach dem Morgengebet hätten stattfinden sollen: Die Jugendlichen singen und tanzen viel lieber, als über eine Sache zu diskutieren. Auch gab es vor den Gebeten ein „Aufwärmen” mit afrikanischen Gesängen im zentralen Gebetszelt. Das war schon sehr beeindruckend, als mehrere Tausend Jugendliche in einem Zelt mitsangen und tanzten. So eine großartige Stimmung würde es in Europa in einem Kirchenraum nicht geben.

Eine solche tolle Stimmung herrschte auch am Sonntag in den Gottesdiensten. In St. Peter gab es zwei Messen, eine auf Englisch, die andere auf Kisuaheli. Nach der ersten Messe, die von Jugendlichen gestaltet wird, gibt es ein so genanntes Youth Meeting. Das ist ein Treffen der Jugendlichen, in dem sie Dinge besprechen, die die Pfarrei betreffen, und wie sie sich als Jugendliche darin einbringen können. Währenddessen findet in der Kirche nebenan die zweite Messe auf Kisuaheli mit viel Gesang und Tanz statt. Gott hat in Kenia also einen ganz anderen Stellenwert bei den Menschen als in Europa. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Afrikaner sehr oft Folgendes sagen, denn sie leben aus Gott und mit ihm: “God is good all the time. And all the time God is good.”