„First of all is faith a question of trust“

Taizé: Glauben finden, erfahren, mitnehmen.

Der kleine Bulli der Kirchengemeinde Bremen-Nord rollt durch das französische Burgund. Kleine Dörfer, keine Menschen auf der Straße, Kühe im Garten und überall kleine Kirchen. Die Aufregung wächst. Viele sind das erste Mal dabei. Mein letzter Besuch ist auch schon vier Jahre her.

Unausgesprochene Fragen erstellen eine Spannung: Was erwartet mich? Finde ich was ich suche? Was suche ich?

Dann endlich: Wir erklimmen den letzten Hügel und sehen die Menschen vor uns, die uns freudig zuwinken. Man fühlt sich von Anfang an willkommen, wenn man so herzlich begrüßt wird. Unsicheren Schrittes ertasten wir nach der langen Fahrt den fremden Boden unter den Füßen, atmen die frische Luft und freuen uns über das schöne Wetter. Der erste Impuls: Es ist schön anzukommen.

Gleich nach zwei Stunden das erste Gebet. Es ist ungewohnt denn einige von uns waren seit Weihnachten nicht mehr in der Kirche. Aber vor allem ist es etwas ganz Besonderes: „Die Kirche sieht ja so anders aus.“, wundern sich die, die zum ersten Mal die Kirche bestaunen. „Es sieht aus wie immer.“, seufzen die, die schon oft hier waren erleichtert.

Ja in der Tat: es ist ein beruhigendes Gefühl, wiederholt nach Taizé zu kommen und es wieder so vorzufinden, wie man es zurück gelassen hat. Manchmal trifft man sogar die selben Menschen wieder, die immer zur gleichen Zeit nach Taizé fahren. Schön.

Ich möchte gar nicht sagen, dass ich den Veränderungen und Fortschritt zu Hause nicht genieße. Immerhin eröffnet er mir unendliche Möglichkeiten. Trotzdem brauche ich einen Ort, der sich nicht verändert, einen Ort der mich dazu einlädt und mir verspricht, das zu finden was ich suche und er macht mir genau das leicht, indem sich nichts verändert.

Die ersten zehn Minuten Stille während des Gebets. Ich frage mich ernsthaft: Wann bin ich das letzte Mal zur Ruhe gekommen?

Wir müssen still werden in unserem Leben, damit wir Anwesenheit Gottes spüren können“ Die Impulse, die mir die täglichen Bibeleinführungen geben, kann ich gut überdenken in der Stille.

Die Menschen mit denen ich gemeinsam die Bibeltexte bespreche sind offen und schenken mir neue Sichtweisen und geben mir aufs Neue die Möglichkeit meinen Glauben mit meinem Alltag verbinden.

Man erfährt in Taizé, dass die Gemeinschaft wichtig ist und das wir uns brauchen, um diesen Ort zu erhalten. Wir erledigen gemeinsam Aufgaben und es macht Spaß, was man gemeinsam tut.

Es wird so viel zu Gesprächen eingeladen und ich merke, wie viel sie mir doch geben. Ich erfahre so viel über mich selbst. Dinge, die ich verdrängt habe, die ich aber brauche, um glücklich zu sein. Wie oft habe ich mich zu Hause gefragt: Hört Gott mich eigentlich? Ist unsere Freundschaft nicht einseitig? Ich bete, er antwortet nicht? und dann auf einmal sind da Menschen, die mir erklären: Sieh dich doch um: alles was du siehst, eine freundliche Geste, ein Mensch, der dich unterstützt, der dir den richtigen Hinweis gibt: Sind das nicht die Antworten, die du von Gott erwartest?

Ich merke, wie sich meine Gedanken, während der Gebete verändern. Ich fordere nicht mehr nur von Gott, sondern kann jetzt wieder mehr Dankbarkeit zeigen und das ist mir sehr wichtig.

Tägliche Gebete, Bibeleinführungen und Aufgaben, die zu erledigen sind, geben mir eine Orientierung ohne mein Leben in Taizé zur Routine verenden zu lassen. Die freie Zeit, die einem in Taizé zur Genüge zusteht gestalte ich viel bewusster als zu Hause. Überall finde ich Ruhe-Inseln, lange habe ich schon nicht mehr so viel gelesen.

First of all is faith a question of trust“ – zuerst einmal ist Glaube eine Frage des Vertrauens. Das haben wir an einem Morgen gelernt. Ich glaube Taizé ist dafür wie geschaffen: An diesem Ort fällt es mir leicht, mich fallen zu lassen in meinen Glauben, denn hier lerne ich und erfahre ich, dass er mich auffängt und mich sicher trägt.

Danke Gott!

Marie-Charlotte (17 Jahre)


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