Eine Woche in Taizé – überraschend anders!?
Berichte über die Campus-für-Christus-Freizeit in Taizé im August 2009
Wer wie ich noch nie ein Jugendtreffen im französischen Taizé, einem kleinen Ort im Süden Burgunds, besucht hat, aber viel über diesen Ort und seine Menschen gehört hat, denkt vielleicht, dort ist alles ziemlich anders und äußerst ungewöhnlich und merkwürdig…
Um herauszufinden, was es mit Taizé und den Gerüchten darüber auf sich hat, aber auch, um die Gelegenheit zu nutzen und mit vielen anderen jungen Menschen aus allen Teilen der Welt ins Gespräch über „Gott und die Welt“ zu kommen, haben wir uns – 14 größtenteils unerfahrene Taizé-Pioniere – für eine Woche Ende August dorthin aufgemacht.
Zugegeben, ich kann nicht behaupten, die Gerüchte wären aus der Luft gegriffen. Kalte Duschen, lange Schlangen und streng rationiertes Essen stellten einen zum Glück eher amüsanten Teil unseres Abenteuers dar. Doch selbst ich, die ich ursprünglich Taizé gegenüber eher etwas skeptisch gegenüberstand, war absolut positiv überrascht von den Dingen, die uns an diesem besonderen Ort erwarteten!
Taizé habe ich als sehr kontrastreiches Programm wahrgenommen: Es ist ein Ort der Ruhe und Stille, der Suche, des Fragens von Menschen, welche dem Sinn des Daseins auf der Spur sind. Und es ist ein Ort der Freude, der Massen, der Gemeinschaft und der Musik, der endlosen Gesprächen in endlosen Essensschlangen und ja – mitunter auch des LärmsJ.
„Was suche ich hier eigentlich?“ Fragte nicht nur ich mich ab und zu. Unsere Herausforderung war, ein Teil der Gemeinschaft zu werden und diesen Ort zu erleben, wie er ist, und ihn gleichzeitig als Chance wahrzunehmen, all den jungen Menschen zu begegnen und mit ihnen Antworten auf die Suche nach einem tieferen Dasein zu finden – Jesus Christus. Wir teilten uns auf die internationalen Kleingruppen auf und hatten in den intensiven Gesprächen über biblische Texte, aber vor allem auch Fragen des Lebens und Alltags, viel Gelegenheit, Zeugen für unseren Glauben zu sein.
So erzählte ich am ersten Tag fröhlich-naiv von meinen Erfahrungen mit Gott, bis mich das Mädchen neben mir fragte, was ich denn mit einer „persönlichen Beziehung zu Gott“ meinte. Okay, es war ein Sprung ins kalte Wasser, aber die beste Möglichkeit, vor einer ganzen Runde von Leuten meine persönliche Glaubensgeschichte zu erzählen.
Ein weiterer Punkt: Man trifft sich. 3000 Leute sind gar nicht so viele, wenn es 3000 offene und gutgelaunte Menschen sind. Ob in den Gebeten, die dreimal am Tag stattfinden, am Oyak, dem feucht-fröhlichen Abendtreff, wo man sich von spanischen Volkstänzen und portugiesischen Kreisspielen mitreißen lässt, oder beim Abwasch von 3000 Trinkschalen (und das viermal täglich!) – es besteht eine einfach unglaubliche Atmosphäre der Herzlichkeit. Ich würde behaupten, Taizé ist der einzige (mir bisher bekannte) Ort, an welchem konfessionelle Grenzen absolut keine Rolle spielen. Hier fragt niemand: Wie stehst du zu Gott? Bist du getauft? Gehst du zur Kirche? Taizé begegnet den Menschen, die bereit sind, ihr bisheriges Denken zu hinterfragen und Schubladen neu zu sortieren. Hier lebt jeder seinen Glauben – aber jeder anders! Ob Katholik aus Portugal, Pfingstler aus Gabun oder Orthodoxer aus Rumänien – ich durfte unendlich viel lernen, einfach durch Beobachtung und das bereichernde Gefühl der Freiheit, welches jeden hier erwartet.
Noch eins hat mich diese Zeit gelehrt: Es geht nicht so sehr darum, Antworten zu finden oder zu geben, genauso, wie in Taizé auf Predigten und Andachten verzichtet wird, sondern einfach die Gegenwart Gottes und seine Liebe in Anspruch genommen und zugesprochen werden. Auch wir als Gruppe haben während unserer täglichen kurzen Treffen und Impulse immer wieder festgestellt, dass es Situationen und Gespräche gab, wo Worte fehlten. Taizé hat mir Mut gemacht, abzuwarten, bis Gott spricht. Ein Gebet für die andere Person oder simple miteinander verbrachte Zeit kann manchmal so viel mehr sein als große Reden oder beeindruckende Zeugnisse.
Ich bin sehr dankbar, mit dabei gewesen zu sein und meine Vorbehalte und gedanklichen Mauern so einreißen lassen zu können. Taizé ist anders – aber anders, als man denkt!
Von Kornelia Bernick aus Nürnberg, 9.09
Und hier noch viele andere Erfahrungen der Teilnehmer der Campus für Christus Taizéfahrt im August 2009
Ich finde Taizé ist sehr beeindruckend, vor allem weil Gespräche über den Glauben sich ganz natürlich ergeben. z. T. War es eine Herausforderung mit so vielen verschiedensprachigen Menschen zu kommunizieren, aber vor allem war es schön! Das Coolste war zu sehen, was Gott im Laufe der Woche in der Kleingruppe getan hat.
Einige Jugendliche in der Kleingruppe haben sich neu oder zum ersten Mal für eine Freundschaft mit Gott geöffnet. Mariele aus Saarbrücken
Durch die Zeit in Taizé ist mir bewusst geworden, Gott mehr Raum in meinem Leben zu geben, insbesondere durch Stille Zeit und Gebet in Verbindung mit einem Bibeltext.
Bei dem Austausch in den Kleingruppen habe ich erlebt, dass sich durch die unterschiedliche Herkunft der Teilnehmer immer neue Aspekte des eigenen Glaubens entdecken lassen. Thomas aus Chemnitz
Es war schön, Taizé mit einer Gruppe zusammen kennenzulernen.
In Taizé lernt man viele interessante Leute aus den verschiedenen Nationen kennen. Besonders bereichernd war der Austausch in den Kleingruppen und die vielen Gespräche mit den anderen von unserer Campus-für-Christus-Gruppe bzw. mit den von der täglich zu verrichtenden Arbeit.
In unserer spanischsprachigen Kleingruppe hatten alle einen katholischen Hintergrund. Das hat mir an einigen Punkten geholfen, katholische Traditionen besser zu verstehen und Vorurteile abzubauen.
Als Kleingruppenleiter hatte ich die Möglichkeit, mich mit Christen aus anderen Konfessionen zu unterhalten und ihnen zu helfen, tiefer in die Beziehung zu Jesus Christus zu wachsen. Trotz aller Verschiedenheiten konnten wir dabei in den Grundfragen/-ansichten übereinstimmen. Ruben aus Chemnitz
Die Campus-für-Christus-Freizeit hat mir sehr geholfen, viel mehr als sonst von Taizé mitzunehmen, meinen Glauben zu vertiefen und innerlich völlig ruhig zu werden. Jens aus Heidelberg
Es gibt viele verschiedene Wege ein Leben mit Jesus zu führen und es ist falsch, wenn ich manchmal zu voreilig über den Glauben anderer geurteilt habe. Vielleicht einfach weil sie einen mehr spirituellen Glauben haben als ich.
Den größten Spaß bei den dreckigsten Arbeiten, Gespräche über die Suche nach Gott trotz Verständigungsschwierigkeiten und neue Bekanntschaften in der Essensschlange – neben all dem ist es besonders in Taizé möglich, sich auf eine Entdeckungsreise der besonderen Art einzulassen und Gott im Großen und im Kleinen neu zu begegnen! Konni aus Nürnberg
Taizé war für mich eine Zeit, in der ich gelernt habe, Vorurteile ab- und Offenheit aufzubauen für andere Menschen, aber auch, wie wichtig es ist, im Weitergeben von der Botschaft Jesu eindeutig zu sein.
Ich habe in Taizé gelernt, mich auf Leute aus ganz unterschiedlichen Hintergründen einzulassen und Gott dabei im Gebet zu bitten, mir immer das richtige Verständnis, Geduld und Liebe zu schenken. Mit meiner spanischsprachigen Kleingruppe hatte ich teilweise sehr tiefgründige Gespräche und konnte selbst viel von ihren Erfahrungen und Beispielen profitieren. Katrin aus Darmstadt
Obwohl in den Kleingruppen die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern/Städten kamen und total unterschiedliche Hintergründe hatten, wurden die Gespräche von jedem als hilfreich für unser geistiges Leben empfunden. Wir konnten voneinander lernen und gemeinsam Gott näher kommen. Lisa aus Saarbrücken
Es war für mich eine wertvolle Zeit, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich wurde von den Campus-Mitarbeitern gefordert. Es fiel mir schwer, mich an Taizé zu gewöhnen, vor allen an den Spagat zwischen selber auftanken und weitergeben, sowie Stille und Trubel. Des Weiteren fiel mir schwer, mit den unterschiedlichsten Glaubensüberzeugungen klar zu kommen, welche jedoch auch interessant kennenzulernen waren.
Was ich erlebt habe: Gemeinsam Spaß zu haben, obwohl man nicht dieselbe Sprache spricht, z. B. beim Abwasch.
- Hektik und Stille bildeten Zwiespalt
- interessant verschiedene Glaubenshintergründe
- Toll, Leute aus anderen Campus-für-Christus-Gruppen kennenzulernen → guter Austausch
Taizé was a great place to be stretched spiritually; to grow in the disciplines of living more simply + listening for God’s voice and to get the opportunity to easily get into conversations with others about faith + what they believe about God. Sarah aus Nürnberg
Meine anfängliche Skepsis wurde von Hoffnung und Begeisterung für Taizé abgelöst!
Gott hat meinen Horizont erweitert (ich bin offener für andere Glaubensausrichtungen geworden). Johanna aus Heidelberg
Es war eine sehr bereichernde Zeit für mich, die ich mit vielen Menschen aus total unterschiedlichen Ländern verbringen konnte.
Ich habe Leute aus Vietnam und China getroffen und wir haben zusammen Abendessen gehabt. Ich konnte chinesisches Essen probieren.
Sascha aus Hamburg
