Aufbruch in die Freiheit
Einige junge Frauen machten sich im Herbst 2008 Gedanken über „Freiheit ↔ Taizé” – und es geht zur Sache (vielleicht ein Thema für Hausarbeiten etc.?):
„Alle Welt sehnt sich nach Freiheit, und doch ist jedes Geschöpf in seine Ketten verliebt; das ist der Urwiderspruch, der unentwirrbare Knoten unserer Natur.” Dieses Zitat aus „Kaskaden des Lichts” von Sri Aurobindo beinhaltet eine interessante Aussage über den Begriff der Freiheit.
Auf der Suche nach einer passenden Definition für Freiheit wurde mir bewusst, dass die Bedeutung erst an einem Gegensatz besonders deutlich wird. Über alle, die gefangen sind oder nur für andere arbeiten müssen, verfügen und bestimmen völlig fremde Menschen.
Aus biblischer Sicht wird bei dem Wort Freiheit jedoch nicht an sich selbst gedacht, sondern man ist frei von allen Zwängen und somit frei für die wichtigeren Dinge des Lebens.
In Taizé bekommt man genau dafür die nötige Zeit, eine passende Atmosphäre, Gelegenheit zur Ruhe zu kommen und Menschen an die Seite, die einen auf diesem Weg begleiten.
Durch den christlichen Glauben dürfen wir immer neu eine innere Freiheit erfahren. Der Kreuzestod unseres Herrn Jesus Christus macht uns frei. Er macht uns frei von all den Lasten und Sorgen, die uns täglich begegnen. Wir sind frei von all den Zwängen der heutigen Zeit.
Zu dieser inneren Freiheit kann man besonders in Taizé kommen. Denn in der Gemeinschaft mit so vielen anderen Menschen kommt man aus dem persönlichen Alltagsleben heraus, darf den Stress und die Probleme der zurückliegenden Zeit einfach hinter sich lassen.
An jedem Abend kann man gemeinsam mit den Brüdern nach Lösungen suchen, all das Schwere ablegen und versuchen, unbeschwerter oder sogar befreit in den nächsten Tag zu gehen.
Man darf erfahren, dass man auch in den Sommermonaten unter so vielen Menschen nicht alleine gelassen wird. Jederzeit dürfen wir uns auch Gott anvertrauen, wir sollen nicht mit Schuld belastet durch unser Leben gehen, sondern die Freude über Gottes Liebe und Barmherzigkeit ausstrahlen, mit ihm und mit uns selbst versöhnt leben.
In dem anfangs erwähnten Zitat heißt es, dass eigentlich jeder Mensch in Freiheit leben möchte, aber nicht dazu bereit ist, alte Fesseln abzulegen. Dazu bietet aber genau die Kommunität in Taizé die Möglichkeit, mit anderen im Gespräch, im Gebet mit Gott oder ganz alleine Vergangenes zu verarbeiten und mit neuer Hoffnung nach vorne zu sehen.
Tina
Taizé und Freiheit, das hört sich im ersten Moment etwas merkwürdig an, aber dann bemerkt man doch, dass diese beiden Wörter viele Verbindungen haben. Jedes mal wenn ich in Taizé war, habe ich die Freiheit vor allem in den Gebeten (und insgesamt in der Kirche), aber auch im gesamten miteinander gespürt. Freiheit in den Gebeten (der Kirche), weil sie ganz anders sind als die zu Hause, ich kann (bis auf ein paar Regeln) sitzen ´wie ich will ´und ´wie es gemütlich ist´, es müssen nicht alle streng und brav in den Reihen sitzen. Auch die einfachen Liedverse geben mir eine gewisse Freiheit, denn die meisten Lider kann ich auswendig mitsingen muss also nicht die ganze zeit in das Liederheft schauen, sondern kann viel besser nachdenken und meinen Gedanken hinterher hängen. Fühle ich mich mal nicht in der Lage zu singen, aus welchen Gründen es auch sein mag, höre ich einfach auf oder fang gar nicht erst damit an. Ich habe die Freiheit dem Gesang einfach zu lauschen, was ich manchmal auch sehr gerne mache, dann kann ich oft sogar noch ruhiger werden. Insgesamt spüre ich in der Kirche in Taizé eine große Freiheit, weil es mir, auch außerhalb der Gebete, immer erlaubt ist hereinzukommen, auch zu lesen oder Karten zu schreiben. Die Freiheit spüre ich im ganzen Leben in Taizé darin, dass der Tagesablauf zwar sehr geplant scheint, aber trotzdem immer noch eine menge zeit bleibt selbst zu entscheiden, was ich tun möchte und dies dann auch in die Tat umzusetzen. Beispielsweise nach dem Abendgebet; möchte ich noch gerne etwas für mich sein bleibe ich einfach in der Kirche sitzen, habe ich Lust mich mit vielen anderen meines Alters zu treffen gehe ich zum Oyak, und ist mir nach (natürlich leisen) Gesprächen oder einem Spiel in kleiner Runde, dann gehe ich zu den Baracken und schaue, wen ich da noch so antreffe. Dies alles kann ich also als große Freiheit bezeichnen, die, zusammen auch mit den Pflichten in Taizé, das Leben in Taizé ausmacht.
Unfrei fühle ich mich manchmal in der Schule. Ich habe eine Schulpflicht und verpflichte mich auch dazu zu lernen und meine Hausaufgaben gewissenhaft zu erledigen. Gut, ich bin in der elften Klasse, habe mich also freiwillig dazu entschieden noch drei weitere Jahre zur Schule zu gehen, aber auch in der Ausbildung wäre ich zu einigen Dingen verpflichtet. Manchmal habe ich das Gefühl, all die Aufgaben nicht zu schaffen und dem Druck nicht standzuhalten, vor allem in Zeiten wo die Lehrer uns so viel aufgeben, dass ich nicht mehr weiß wann ich das alles erledigen soll. Ich frage mich dann, ob die Lehrer das gar nicht merken und bei vielen habe ich das Gefühl, dass sie ihr Fach als das wichtigste Fach schlechthin bezeichnen und und dementsprechend auch Aufgaben aufdrücken. Dann fühle ich mich unfrei, weil ich keine, bzw. nur noch wenig, Zeit habe das zu tun, was mir gut tut und mir gefällt. Natürlich ist das nicht immer so, aber in manchen Zeiten fühle ich mich wie von einer schweren Last erdrückt von den vielen Forderungen, denn schlechte Noten, durch ´einfach die Hausaufgaben nicht machen´ möchte ich natürlich auch nicht erzielen; also arbeite ich.
Frei fühle ich mich in meinem Leben an mehreren ´Orten´. Als erstes in meiner Familie. Ich denke Freiheit hat auch was mit Geborgenheit und Verstandensein der anderen zu tun. In meiner Familie fühle ich mich geborgen und verstanden, nicht etwas eingeschränkt oder ´eingesperrt´, so fühle ich mich frei. Ich, und ich denke so geht es vielen, muss mich also nicht für andere verstellen. Ich glaube das ist eine Sache, die man nicht gerne zugibt, aber ich glaube, dass jeder sich manchmal für andere verstellt und eben nicht ganz er selbst ist. Das ist auch, in natürlichem Maße, erstmal nichts schlimmes, raubt einem aber auch ein Stück Freiheit. Frei fühle ich mich in meinem Leben vor allem auch in der freien Natur. Egal ob im heimischen Wald, in den Bergen im Wanderurlaub oder an der stillen Quelle in Taizé. Es mag sich etwas hochgestochen anhören, aber diese Natürlichkeit der Natur, die auch so unverändert ist, gibt mir die Freiheit auch so zu sein wie ich bin, oder wie ich gerne sein möchte. Die Natur ist wandelbar (Jahreszeiten) und strahlt gleichzeitig auch eine große Harmonie aus.
Dazu, dass ich mich in Taizé frei fühle, tragen vor allem die Gebete, aber auch das gemeinsame Leben, so wie ich es auch in meiner Antwort zur allerersten Frage beschrieben habe, bei. Begegnungen und Gespräche, so wie es auf dem Zettel steht, leisten auch einen großen teil dazu, weil ich viele neue Leute kennen lerne, über die ich noch nichts weiß und die ich noch kein bisschen kenne. Ich kann mich ihnen also komplett neu vorstellen und sie haben mir gegenüber (wie natürlich auch andersherum) noch überhaupt keine Vorurteile oder andere Einflüsse. Ich habe also die Möglichkeit, ganz neue und ´freie´ Freundschaften zu knüpfen.
Wovon die Brüder von Taizé, meiner Meinung nach, frei sind, finde ich nicht so leicht zu sagen, da ich (z.B. Durch die Bibeleinführung von Frère Wolfgang in der ersten Herbstferienwoche) immer mehr das Gefühl bekommen habe, dass die Brüder gar nicht so anders wie wir leben, dass sie eben auch ganz normale Menschen sind (obwohl ich das natürlich auch vorher wusste) und nicht etwas übernatürliche Kräfte besitzen. Einerseits sind sie vielleicht frei von manchem Gesellschaftsdruck, andererseits leben sie aber auch gar nicht so abgeschottet von der Gesellschaft der ´anderen´ Menschen. Eigentlich sind sie doch eher mittendrin, z.B. in Taizé, oder bei den Jugendtreffen zum Jahreswechsel. Auf diese Frage weiß ich im Moment also keine bessere und genauere Antwort.
Wofür sie frei sind ist wiederum für mich etwas leichter zu beantworten, zumindest sind meine Gedanken darüber klarer, auch wenn es vielleicht nicht so leicht zu formulieren ist: ich glaube die Brüder von Taizé sind frei, ‚Gott so zu empfangen und hinzunehmen wie er’s ist, sie sind frei ihren Glauben an alle Menschen (vor allem an die Jugendlichen in Taizé) weiterzugeben und ihn bestmöglich zu ´präsentieren´. Ich glaube auch, dass sie frei (oder man kann auch sagen offen) sind für Veränderungen und neue Anregungen. Jahr für Jahr habe ich neue Veränderungen in Taizé bemerkt ( — die Untermalung der Lichtermesse mit den Instrumenten war wunderschön)
In Taizé habe ich umso deutlicher gespürt, dass ein Gebet zu Gott auch ganz kurz und überall gehalten werden kann. Das wurde mir auch in den Bibeleinführungen deutlich. Ich finde, dass man auch dies als Freiheit bezeichnen kann und das diese mir insoweit für mein Leben zu Hause hilft, dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche, wenn ich mal nicht mit meiner Familie in die Kirche gehe, sondern zu Hause bleibe um beispielsweise zu lernen, denn ich glaube, dass jeder (auch kurze) Gedanke an Gott für ihn wichtig ist, und dass es ihm nicht darauf ankommt, wie viel Zeit man in der Kirche verbring. Dies ist außerdem auch längst nicht der einzige Ort um Gott nahe zu sein, und man muss für Gott dort keine Stunden ´absitzen´. Ich selber merke, dass ich abends nicht einschlafe, wenn ich nicht gebetet habe. Manchmal bete ich auch nur sehr kurz, aber es ist eine Sache, die meine Eltern früher zusammen mit mir angefangen haben, und ich auch gerne weiterführen möchte, da es mir gut tut. Ich kann beispielsweise auch meine Sorgen oder auch ein schlechtes Gewissen ´loswerden´.
Bei den Beziehungen mit den anderen merke ich, wie frei man aufeinander zugeht und diese Art von Freiheit hilft mir fürs Leben zu Hause, wenn ich neue Leute kennen lerne.
Erst ist es für mich übrigens sehr schwer mich wieder in meine Familie ´einzuordnen´ wenn ich aus Taizé wiederkomme, denn in Taizé habe ich eben doch eine größere Freiheit und es ist etwas Besonderes für mich. Zu Hause empfängt mich dann der ganz normale (Familien-) Alltag mit allem, was dazugehört.
Meinen Freunden kann ich zu Hause auch versuchen zu vermitteln, dass schon kurze Gedanken oder Gebete an Gott weiterhelfen können. Gibt es nicht den Spruch „Ein Lächeln erhält die Freundschaft” oder so ähnlich? Vielleicht ist das mit Gott ähnlich, ein Gedanke, ein Gruß, vermittelt ihm, dass man an ihn glaubt und man selber kann darauf vertrauen, dass er auch für einen da ist.
Zuviel Freiheit für den Glauben könnte insoweit gefährlich sein, dass man anfängt sich selbst Geschichten zu erfinden und nicht mehr an das was wirklich in der Bibel steht glaubt. Eine gewisse Unfreiheit kann also helfen, ei der Wahrheit zu bleiben. Danach leben kann jeder dann relativ frei, aber sie ist eben bei allen gleich.
Freiheit für die Liebe ist einerseits sehr wichtig, denn ich glaube, dass Liebe nicht bestehen kann, wenn man sich zu unfrei, sozusagen gefangen fühlt, andererseits ist auch hier wieder zuviel Freiheit gefährlich, denn dann kann die Liebe zur anderen Person schnell von den verschiedensten anderen Einflüssen (von außen) abgelenkt werden.
Auch für den Frieden ist Freiheit sehr wichtig, denn Menschen die sich unfrei fühlen ärgern sich über die Menschen, die dies bezwecken und so ist ein friedvolles Zusammenleben oft nicht möglich. Aber zuviel Freiheit ist auch wieder nicht gut und kann gefährlich sein. Jeder Mensch muss sich also an gewisse Regeln halten, wir somit in einer gewissen Weise unfrei, was aber Frieden gewährleisten kann. Stellen wir uns vor, jeder Mensch hätte die komplette und absolute Freiheit alles so zu tun, wie er es für richtig hält, wie viele verschiedene Meinungen würde es geben? Wegen der Freiheit könnte also auch jeder jeden bekämpfen, die Menschenrechte wären dann au auch außer Kraft. Es gäbe also ein großes Durcheinander, von Frieden könnte man wohl nicht mehr sprechen!
Ich komme also zu dem Schluss, dass Freiheit für viele Dinge sehr wichtig ist, gleichzeitig aber ab einem bestimmten Maße (also zuviel Freiheit) auch gefährlich sein bzw. werden kann.
Freiheit und Gebundenheit gehen in Taizé für mich so zusammen, dass ich einerseits viel Freiheit habe (wie ich es ja am Anfang des Textes beschrieben habe), andererseits aber auch an alle anderen Menschen in Taizé gebunden bin, indem auch ich mit dafür verantwortlich bin, dass alles ´läuft´ und funktioniert. Das heißt, dass wahrscheinlich jeder, der schon in Taizé war, mal die Toiletten geputzt hat, oder dass man eben sein bestimmtes Aufgabengebiet zugeteilt bekommt. Ich glaube ohne die Mithilfe von allen, würde Taizé so nicht bestehen wie es jetzt ist. Zu Hause im Alltag, also in meiner Familie, ist da eigentlich ähnlich, auch muss jeder Aufgaben übernehmen, sonst ´läuft nichts´.
Linda
Freiheit – in unserem Alltag haben wir nur noch wenig davon. Wir, die wir in einer wohlhabenden Welt leben, dem allerneusten Trends ausgesetzt sind und dem (Gruppen-) Zwang unterliegen, diesen genauestens zu befolgen: Wir brauchen das neue Ipod, die Markenjeans, die auch die Freundin hat, den dünnsten Laptop der Welt oder den nagelneuen BMW.
Und obwohl uns all diese Dingen das Leben wohl erleichtern mögen – auch in sozialer Hinsicht – schränken sie jedoch unsere Freiheit ein, da wir uns dem Zwang unterwerfen, alles haben zu müssen, was andere auch haben und so zu sein, wie andere uns haben wollen.
Ich kannte keinen einzigen, der nicht ein stückweit seine Freiheit aufgegeben hat, um sein Leben dadurch angenehmer zu gestalten.
Und dann kam ich nach Taizé, einem kleinen Ort im Herzen Burgunds, wo sich die Brüder der Communauté für einen ganz bestimmten Lebensstil entschieden haben. Für eine kurze Zeit nehmen jährlich mehrere 10000 Jugendliche freiwillig daran teil. Warum?
Weil diese Jugendlichen für diese Zeit die Einfachheit des Lebens, die Einfachheit einer Beziehung zu Gott und die Einfachheit einer Gemeinschaft mit Menschen aus über 70 Ländern der Welt leben wollen. Es ist die besondere ungekünstelte Atmosphäre, die schöne Landschaft, die einem immer wieder Gottes wunderbare Schöpferkraft vor Augen hält, die gemeinsamen Gebete und Klänge, die eine Sehnsucht nach Freiheit ausdrücken, der Tagesablauf, die vielen Begegnungen und Gespräche mit Gleichgesinnten…
Aber ganz besonders ermöglicht ein Aufenthalt in Taizé die Beziehung zu Gott zu festigen und uns zu stärken für ein Leben im Alltag daheim.
Taizé hat mir ein stückweit geholfen, meine Umgebung um mich herum wieder mit offeneren Augen zu sehen und Wichtiges von Belanglosem zu unterschieden. Es hat mir geholfen zu sehen, wo ich in meinem Alltag freier sein könnte und Mut gemacht, das, was mich unfrei macht, kritischer zu betrachten.
Diese neu gewonnen Freiheit kann ich nun in meinem Alltag, in Schule/Arbeit, Familie und Freundeskreis hineintragen und auch etwas davon an andere abgeben.
Melanie
Wenn ich an die besondere Zeit in Taizé zurückdenke, breitet sich in mir ein großes Freiheitsgefühl aus. Hier an diesem Ort fühlte ich mich zum ersten mal wirklich frei bei meinen Gebeten und meinem Zugang zum Glauben. In der Vergangenheit spürte ich oftmals Fesseln der alten Kirchentraditionen und die stets beobachtenden Augen der Gemeinde. So wurde für mich der Gang zur Kirche, ja schon allein der Glaube an Gott mehr zu einem Zwang, den mir die Gesellschaft auferlegte, um ihr anzugehören.
Ich distanzierte mich sehr vom Christentum, weil ich das Gefühl hatte keine eigenen Gedanken zu Worten aus der Bibel und dem Sinn des Glaubens für mich haben zu dürften.
Nach vielen Erfahrungen von „äußeren” Gefängnissen (Verboten von Eltern, einem Psychiatrieaufenthalt usw….) und „innerem” Eingesperrtsein (zwanghafte und kreisende Gedanken, zu hohe Ansprüche an mich und andere…..) habe ich nun gemerkt, dass für mich vor allem die innere Freiheit wichtig ist. Wenn ich innerlich frei bin, kann ich auch meine Gedanken zum Christentum, meinen Glauben an die unendliche Liebe und den Frieden auf dieser Welt leben. In Taizé habe ich das Gefühl mit dieser Einstellung angenommen zu werden. Für mich liegt darin das Geheimnis der Freiheit von Taizé.
Vor allem das Lied „Bóg jest mitoscia”, zu deutsch „Gott ist nur Liebe”, das während eines Taizégebets gesungen wurde, ließ mich die Freiheit und Offenheit der Communauté von Taizé spüren. Ich darf hier auch nicht glauben und muss das nicht verstecken, sondern werde auch mit dieser Einstellung offen empfangen. Ich denke genau diese Freiheit hilft den Menschen und vor allem den Jugendlichen hier eine Art Neuanfang im Glauben zu wagen und eigene Gedanken zum Christentum zu entwickeln.
Meines Eindrucks nach haben auch die Brüder in Taizé genau diese Freiheit. Sie können mit Hilfe des Lebens in der Gemeinschaft, das sie wohl von so manchen Pflichten und Regeln der Gesellschaft und den Problemen des „normalen” Alltags entbindet , in Ruhe und Unterstützung ihrer Mitbrüder, den Helfern und Menschen aus der ganzen Welt, einen ganz persönlichen Zugang zum Christentum und Glauben entwickeln. Gerade durch die vielen Begegnungen mit den Jugendlichen, die selbst auf der Suche sind und nach Freiheit streben, haben die Brüder wie auch alle anderen Menschen, die eine Woche oder mehr Zeit in Taizé verbringen können, die Möglichkeit viele Ansichten und Gedanken zu überdenken, zu erneuern oder auch zu festigen. Doch sie müssen in sich selbst immer eine offene Tür haben, um wirklich frei zu bleiben. Da ich ja selbst weder Bruder bin, noch großen Einblick in ihren Alltag habe, kann ich nur ahnen wovon und wofür die Brüder wirklich frei sind. So glaube ich, dass sie im Grunde dieselbe Freiheit wie jeder Mensch haben. Vielleicht könnte die Verpflichtung zur Ehelosigkeit und zum schlichten Lebensstil als Einengung gesehen werden. Doch oft liegt ja gerade im Verzicht auf äußere Bequemlichkeiten und Normalitäten die Möglichkeit sich inniger und gelöster der inneren Freiheit zu widmen. Außerdem entscheidet sich ja jeder der Brüder aus freiem Willen für diesen Lebensweg.
Auch im Leben Zuhause muss sich jeder Mensch selbst für die Freiheit entscheiden. Es wäre möglich vom Partner, seinem Freundeskreis , bestimmten Fernsehserien, einem luxuriösen Lebensstil abhängig zu sein. Es liegt also an uns aus der eigenen Freiheit etwas zu machen, sich dem Schlüssel, den man ja meist selbst in der Hand hält, bewusst zu sein.
Natürlich kann ich auch durch politische, finanzielle und andere Situationen einem Teil meiner Freiheit beraubt werden. Vielen Menschen auf dieser Welt passiert genau das tagtäglich. Um für ihre Freiheit einzutreten und dafür, dass nicht noch mehr Familien, Männer und Frauen davon abhängig oder unter Druck gesetzt werden, versuche ich immer wieder durch ehrenamtliches Engagement bei Greenpeace, Einkauf von ökologischen und Fair-Trade Produkten, Unterstützung von Organisationen wie Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen, Toleranz und Akzeptanz anderer Menschen und ihrer Meinungen, für Freiheit auf dieser Welt einzutreten. Ich weiß, dass das nur kleine „Freiheitshilfen” sind, um andere Menschen zu befreien oder ihnen das Vertrauen zu schenken, ihr Herz öffnen zu können und zu dürfen. Doch ich hoffe trotzdem irgendwie helfen zu können.
Sprüche zur Freiheit
„Was du liebst lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir- für immer.” Konfuzius
„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.” (Benjamin Franklin)
„Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund weshalb sich die meisten Menschen vor ihr fürchten.” (mir unbekannter Verfasser)
„Langsam lernte ich, dass Liebe nicht festhalten bedeutet, wie ich immer gedacht hatte, sondern loslassen.”
(Ken Wilber)
„Sehne dich nach einer stillen, natürlichen Lebensweise, wo das Herz zum Herzen spricht , und wo du das Beste hast, was du haben kannst:
Ehrlichkeit, Liebe, Freiheit.”
(Theodor Fontane)
”Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.” (PS 18,30)
„Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen;/ das Netz ist zerrissen und wir sind frei.” (PS 124,7)
Christina
